Berliner Reaktionen : Grüne: Wir sind in politischer Mitte angekommen

Nach dem Erfolg in Baden-Württemberg legen die Grünen auch in Bremen stark zu - und hoffen auf Rückenwind für die Berlin-Wahl. Doch einen Schub aus Bremen spürt auch Wowereits SPD.

Ulrich Zawatka-Gerlach
Liegt da die Mitte? Renate Künast hofft auf einen Schub aus der Hansestadt durch den grünen Erfolg.
Liegt da die Mitte? Renate Künast hofft auf einen Schub aus der Hansestadt durch den grünen Erfolg.Foto: dpa

Für SPD und Grüne in Berlin ist der Ausgang der Bremer Bürgerschaftswahl eine politische Steilvorlage. Der Regierende Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidat Klaus Wowereit (SPD) sprach von einem guten Signal für die Abgeordnetenhauswahl am 18. September. In den großen Städten sei die SPD die führende Kraft, der die Menschen vertrauten. Nach Hamburg sei dies der zweite große Wahlerfolg für die Sozialdemokraten in einer Großstadt, sagte der SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller. Es sei eine tolle Bestätigung für Rot-Grün, mit einer starken SPD und einem populären Bürgermeister an der Spitze. „Mit unseren Themen Wirtschaft, Arbeitsplätze und sozialer Zusammenhalt liegen wir auch in Berlin richtig.“

Die Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop hofft, „dass uns der Rückenwind aus den vergangenen Landtagswahlen bis zum Erfolg bei der Abgeordnetenhauswahl trägt“. Dass die Landesverbände der Grünen in Baden-Württemberg und Bremen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, gleichermaßen siegreich seien, zeige: „Wir sind in der politischen Mitte angekommen“. Das Superwahljahr 2011 verläuft jedenfalls für die Grünen bislang glänzend. Im September fordert deren Spitzenkandidatin Renate Künast den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit heraus.

Künast vs Wowereit - Grün gegen Rot
Schmusekurs war mal. Jetzt plant Grünen-Fraktionschefin Renate Künast, gegen den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bei der Abgeordnetenhauswahl 2011 anzutreten.Alle Bilder anzeigen
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21.10.2010 08:53Schmusekurs war mal. Jetzt plant Grünen-Fraktionschefin Renate Künast, gegen den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD)...

Weniger gut gelaunt reagierten CDU und FDP. Beide Berliner Oppositionsparteien setzen auf das Prinzip Hoffnung. „Die Union wird bei der Wahl im September zeigen, dass wir in Großstädten besser abschneiden können als in Hamburg und Bremen“, sagte der CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende Frank Henkel. Die CDU werde dafür sorgen, dass sich Wowereit im Wahlkampf nicht einfach so durchmogeln könne. Im übrigen sei es erstaunlich, so Henkel, dass bei der Wahl in Bremen mit SPD und Grünen jene Parteien siegreich seien, die für die wirtschaftliche und finanzpolitische Misere in der Hansestadt verantwortlich seien.

Der Berliner FDP-Landes- und Fraktionschef Christoph Meyer nannte das Wahldebakel der Bremer Parteifreunde ein „bitteres Ergebnis“. „Es war uns aber klar, dass diese Wahl nur eine Woche nach dem Neustart der Bundes-FDP schwierig wird“. Die Partei müsse jetzt daran arbeiten, für die Bürger wieder nachhaltig glaubwürdig zu werden. Rückschlüsse für die Berliner Wahl im Herbst will Meyer aus dem Bremer Ergebnis nicht ziehen.

Für die Linken in Berlin, noch Koalitionspartner der SPD, äußerte sich am Sonntag nur deren Bundestagsabgeordnete und Parteichefin Gesine Lötzsch. In dem, was sie sagte, drückte sich nicht der Wille aus, in Berlin weiterzuregieren. Stattdessen betonte Lötzsch, dass die Menschen eine „soziale Opposition“ links von Rot-Grün wollten. Sie war zufrieden mit dem Bremer Ergebnis.

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