Das Projekt : So funktioniert Abgeordnetenwatch.de

Bürger fragen, Politiker antworten: Das Konzept von Abgeordnetenwatch.de klingt einfach - und funktioniert tatsächlich. Ab sofort gibt es die Wahlentscheidungshilfe auch bei Tagesspiegel.de

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Abgeordnetenwatch.de ist seit 4. August auch für Berlin verfügbar.
Abgeordnetenwatch.de ist seit 4. August auch für Berlin verfügbar.Foto: Screenshot

Angela Merkel antwortet einfach nicht - aus Prinzip. Die Bundeskanzlerin gehört damit zu den wenigen Politikerinnen, die Abgeordnetenwatch.de ignorieren. "Aber sie ist ja auch eine Person, die sich am Anfang einer Debatte nicht so gern festlegt," sagt Gregor Hackmack.

Der heute 33-jährige Hackmack hat 2004 zusammen mit Boris Hekele Abgeordnetenwatch.de in Hamburg gegründet. Was damals als kleine ehrenamtliche Bürgerinitiave auf Landesebene begann, ist inzwischen ein bundesweites Projekt. An dem nun auch Berlin teilnimmt. Ab sofort können Bürger bei den rund 600 Kandidaten der 78 Berliner Wahlkreise nachfragen, was es denn mit ihren Slogans auf den reichlich in der Stadt angebrachten Plakaten tatsächlich auf sich hat.

Und das geht so: Auf Abgeordnetenwatch.de das Bundesland Berlin auswählen, Postleitzahl des eigenen Wohnorts und gegebenenfalls Straße angeben, Kandidaten suchen und Frage stellen. Dann heißt es warten. Aber reagieren die Politiker tatsächlich auch? "Die Antwortquote liegt bei über 80 Prozent", sagt Hackmack. Zwar wären die Politiker anfangs skeptisch gewesen, inzwischen aber sei diese Zurückhaltung gewichen und die Kandidaten hätten Spaß an der Sache gefunden. "Politiker sollen schließlich für die Bürger da sein und freuen sich dann auch, wenn man Interesse an ihrer Arbeit zeigt."

Auch nach der Wahl weiter online

In Berlin gab es Abgeordnetenwatch.de schon zur letzten Wahl im Jahr 2006. Doch damals nur im Vorfeld. Jetzt können Politiker auch noch danach befragt werden. Wer also im Wahlkampf große Versprechungen macht, kann als Abgeordneter durch den Bürger später daran erinnert werden. Alle Beiträge bleiben archiviert und sind thematisch sortiert abrufbar. Berlin ist damit das achte Bundesland, in dem es Abgeordnetenwatch.de dauerhaft gibt.

Dabei ist das Interesse der Menschen vielschichtig und oftmals tagesaktuell. "Vor der Wahl in Baden-Württemberg war natürlich Stuttgart 21 von besonderem Interesse. In Berlin werden es vielleicht die Flugrouten", so Hackmack. Gerade auf Landesebene sei aber auch das Thema Sicherheit immer gefragt, ebenso wie der Komplex Schule und Bildung. Die Positionen der Parteien sind allerdings nicht immer ohne weiteres auseinander zu halten, deshalb sind auf Abgeordnetenwatch.de zur besseren Orientierung auch die Kernthesen der jeweiligen Parteiwahlprogramme aufgeführt.

Die Nutzung von Abgeordetenwatch.de ist für den Fragesteller kostenlos, auch eine Registrierung ist nicht erforderlich. Damit die Diskussionen sachlich geführt werden, kontrolliert ein Moderationsteam alle eingehenden Fragen und Antworten und stellt sie erst nach Prüfung frei.

Das Projekt finanziert sich zum Großteil aus Spenden und Fördergeldern. Geld geben allerdings auch die Politiker selbst. Generell ist zwar jeder Kandidat bzw. Abgeordnete aufgeführt und auch für den Nutzer erreichbar, doch die Politiker können ihre jeweiligen Profile für einen niedrigen dreistelligen Beitrag aufhübschen lassen - mit Foto, kurzem Werdegang und dem eigentlichen Beruf. Auch Nebentätigkeiten und das Abstimmungsverhalten sind nach erfolgter Wahl einsehbar.

Bürgermeister Klaus Wowereit muss im Moment offenbar an allen Ecken sparen und daher noch ohne Bild und ausführlichen Steckbrief auskommen. Dabei war er vor der Berlin-Wahl 2006 einer der fleißigsten beim Beantworten der Bürgerfragen. Ganz anders also als Angela Merkel.

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