Nach der NRW-Wahl : Lazarus lässt grüßen

Zwei haben die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen verloren, aber nur einer merkt’s – die CDU. Die SPD darf voraussichtlich mitregieren.

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Die SPD ist auch nur eine CDU. Oder die CDU auch nur eine SPD? Gleichviel, beide haben in Nordrhein- Westfalen verloren, die einen, die Christdemokraten, mehr, die anderen weniger. Historisch wenig ist es aber bei beiden. Erstaunlich ist immer wieder, wie die Politiker bei solchen Niederlagen von Siegen reden können. Sie siegen sich noch zu Tode.

Wir sind wieder da, rief Hannelore Kraft. Wir sind noch nicht weg, rief einer aus der CDU, aber auch das stimmt beides nicht so ganz. Die SPD ist weit weg von dem, was sie mal war; sie kommt auch nicht wieder dorthin, zur absoluten Mehrheit nämlich. Die CDU hatte nie einen Johannes Rau, Jürgen Rüttgers wird auch keiner mehr. Und Arbeiterführer sowieso nicht, weil der Strukturwandel im Land – den doch auch die CDU gefördert hat – zugleich einen Wandel in der Arbeitsgesellschaft hervorgerufen hat. Graumann statt Blaumann, wenn überhaupt, eher sogar noch Turn- statt Nietenschuhe.

Alles das wäre nun wohl als Landtagswahl abgebucht, wenn es nicht eine kleine Bundestagswahl wäre, die in NRW stattgefunden hat. Das Land zwischen Rhein und Weser, das industriestärkste und bevölkerungsreichste, ist ein Gradmesser für die Hitze in der Politik. Das Ergebnis zeigt: Sie steigt. In Berlin.

Rüttgers ist ja nicht nur ein geschlagener Ministerpräsident, sondern auch noch ein Merkel-Vize, ein stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU. Nun mag sich Merkel vielleicht freuen, dass sie wieder einen Mann verloren hat, der dachte, er könnte es eigentlich besser; bloß ist das viel zu klein gedacht. Irgendwann wird es der Kanzlerin doch nicht mehr als Stärke ausgelegt werden, dass ihr sogar die Ministerpräsidenten zum Opfer fallen. Wenn jeder auch nur halbwegs bedeutende Politiker der eigenen Partei sie mehr fürchten muss als zum Beispiel die Sozialdemokraten in der gewesenen großen Koalition, dann ist das nicht direkt die beste Gewähr für eine gute gemeinsame Zukunft. Friedrich Merz kann da als Erster Geschichten erzählen. Der kommt ironischerweise auch aus NRW.

Nun ist Kraft nicht Merkel. Aber ein bisschen ähnlich. Womit nicht zuvörderst ihr Misstrauen gemeint ist; auch nicht die Tatsache, dass es nur wenige Berater gibt, die wirklich an sie herankommen. Nein, es ist die Art, zu schauen, wie die Dinge sich entwickeln, und dann den richtigen Schluss daraus zu ziehen. Es wird manchen Mann geben, der sich gewünscht hätte, dass Kraft es doch nicht schafft. Allerdings sollte keiner den Fehler wiederholen, sie wie Merkel zu unterschätzen. Kraft hat die Wahl nicht nur einfach überlebt, die Wahl hat sie gestärkt.

Ob ihre Partei wieder auflebt, ist dagegen immer noch die Frage. Der Radikalumbau der Struktur unter weiland Franz Müntefering hat die NRW-SPD fast das Leben gekostet. Das war, als er die Herzkammer, das „Westliche Westfalen“, schwächte. Da ist das Ergebnis jetzt auch nur ein Lebenszeichen.

Aber sie siegen sich ja zu Tode gerade. Und darum wird die SPD so tun, als sei es ein Sieg in NRW, die größte Wiederauferstehung seit Lazarus. Und die CDU sucht einen, der ihr sagt, wer das ist.

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