Wahlforscher : Landtagswahlen kein Signal für Bundestagswahl

Stärkung für Schwarz-Gelb, Aufwind für Rot-Rot, dauerhaft große Koalition? Nein. Keine der vielen Interpretationen der Wahlergebnisse vom Sonntag hat nach einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen tatsächlich eine Aussagekraft für die Bundestagswahl am 27. September.

Barbara Junge

Zu sehr haben landesspezifische Themen und kandidierende Persönlichkeiten den Wahlausgang geprägt. Im Saarland war es insbesondere der Ex-SPD-Politiker Oskar Lafontaine, dem „der außerordentliche Erfolg der Linken zum größten Teil“ zu verdanken ist. Wohingegen die Verluste der CDU „vor allem auf eine erheblich gesunkene Zufriedenheit mit der Landesregierung und mit dem Ministerpräsidenten Peter Müller“ (CDU) zurückzuführen sind. Müller wurde von den Wählern schlechter beurteilt als SPD-Herausforderer Heiko Maas.  Zwar gilt die CDU an der Saar dennoch in den Bereichen Arbeit und Wirtschaft als kompetenteste Kraft, allerdings ist das Vertrauen in die Partei gesunken. In schul- und bildungspolitischen Fragen vertrauen die Wähler stärker der SPD.

In Thüringen gaben 58 Prozent der befragten Wähler an, dass ihre Entscheidung landespolitisch begründet ist, nur 35 Prozent blickten bei der Wahl in die Bundespolitik. Und auch hier landete der CDU-Amtsinhaber, Dieter Althaus, im Ansehen hinter seinem Herausforderer von der SPD, Christoph Matschie. Althaus’ Ski-Unfall, bei dem eine Frau ums Leben kam, so gaben 85 Prozent der Befragten an, habe bei ihrer Entscheidung keine Rolle gespielt. Wohl aber Althaus’ Umgang damit. Den beurteilten nur 17 Prozent als richtig. In den klassischen Unionsthemenbereichen Arbeit und Wirtschaft liegt die CDU auch in Thüringen vor der SPD. In den Politikfeldern Schule, Familie und Soziales rangieren CDU, Linke und SPD dicht beieinander. Nach zehn Jahren Alleinherrschaft konstatiert die Forschungsgruppe Wahlen der CDU „erhebliche Abnutzungserscheinungen“.

Allein in Sachsen kann der Amtsinhaber auf hohe Zustimmungszahlen vertrauen. Stanislaw Tillich (CDU) habe schon nach nur gut einem Jahr im Amt ähnlich gute Beliebtheitswerte wie seine Vorgänger.   Auch beim Ansehen der Parteien liegt die CDU in Sachsen klar vorn. Im Bereich Arbeitsmarkt erreicht die CDU 33 Prozent Zustimmung, während der SPD nur sieben Prozent  hier mehr zutrauen, fünf Prozent glauben dabei an die Linke. Die SPD kann von ihrer Regierungsbeteiligung nicht profitieren.

An ihrem Ergebnis muss die CDU in einer Altersgruppe Abstriche machen: bei den 18- bis 29-Jährigen verliert sie acht Prozent. Hier sind die Rechtsextremen stark. Bei den unter 30-jährigen Männern holt die NPD 17 Prozent.

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