Wahlkampf-Kolumne : Pack verträgt sich

Koalitionspläne im Wahlkampf: Der leitende Redakteur Malte Lehming über Merkels und Steinmeiers wahre Ziele.

Malte Lehming
Wahlkampf - Merkel
Was will sie wirklich? Angela Merkel.Foto: dpa

Die großen Gewinner der drei Landtagswahlen heißen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier. Denn beide sind ihrem Ziel, der Fortsetzung der großen Koalition, ein gutes Stück näher gekommen. Die Chancen für Schwarz-Gelb sind gesunken, und die SPD hat ihre einzige Machtoption, Rot-Rot-Grün, auf Bundesebene kategorisch ausgeschlossen. Alle anderen Farbkombinationsüberlegungen sind Gedankenspielerei.

Natürlich soll das Publikum denken, Merkel und Steinmeier wollten partout raus aus der großen Koalition. Von wegen Zwangsgemeinschaft, nicht gut für die Demokratie, an sich seien Union und SPD politische Rivalen. Doch insgeheim haben sich beide in der gemeinsamen Regierung aneinander gewöhnt. Sie sind ein Team geworden, ein Gespann. Aus der Zwangsgemeinschaft ist eine Kameradschaftsehe geworden, ohne Liebe zwar, ohne Herzflimmern und knisternde Erotik, aber von viel Pragmatismus getragen.

Was hat Merkel stark gemacht in den vergangenen vier Jahren? Sie musste nicht führen, sondern durfte moderieren. Das Ausgleichende liegt ihr, es betont ihre Qualitäten. Im Bündnis mit einem Juniorpartner FDP müsste sie stattdessen Farbe bekennen, Kante zeigen, ihr fehlte die bequemste aller Ausreden, nämlich die, einen schmerzhaften Kompromiss habe schließen zu müssen. Merkels stärkste Waffe war stets der Gestus der Nie-ganz-Zufriedenen. Ihre implizite Botschaft lautete: Wenn man mich nur ließe, könnte ich ganz anders, besser, klarer, konservativer, liberaler, weniger sozialdemokratisch. Inzwischen weiß man: Das war ein Trick. Merkel wurde nicht etwa sozialdemokratisiert, weil eine mitregierende SPD sie dazu zwang, sondern freiwillig, aus eigenen Stücken, weil es ihrem Naturell entspricht. Die Merkel, die wir sehen, ist genau die, die sie ist. Und die kann sie nur weiter sein, wenn auch die große Koalition weitergeht.

Etwas Ähnliches gilt für Steinmeier. Er ist der Diener per excellence. Das Amt des Außenministers ist ihm auf den Leib geschneidert. Will man sich vorstellen, wie er sich mit Jürgen Trittin und Oskar Lafontaine abplagt? Wie er ohne Bundesratsmehrheit gestalten muss? Nein, auch für Steinmeier gibt es nichts besseres als die große Koalition. Im Saarland hat seine Partei gerade fünf Prozent verloren und das schlechteste sozialdemokratische Ergebnis erzielt, seit dort gewählt wird; in Sachsen ist sie mit 10 Prozent ungefähr gleichauf mit der FDP; in Thüringen wird sie von der Linkspartei (27,4 Prozent) vor sich her getrieben (SPD: 18,5 Prozent). Steinmeiers einziger Triumph am gestrigen Abend war denn auch die äußerst defensive Botschaft, in zwei Ländern eine Mehrheit von Schwarz-Gelb verhindert zu haben. Im Bund will er dasselbe, um im Falle des Gelingens halb erhobenen Hauptes wieder am Kabinettstisch zu sitzen.

Der Wahlkampf bis zum 27. September wird eine große Show. Pack schlägt sich - Pack verträgt sich.

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