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Internet und Medien

Spießer in den Cyberspace

Das Internet wird zur lebenswichtigen Ressource. Es ist zu bedeutend, um es Experten und Alpha-Bloggern zu überlassen. Ein Plädoyer für das bürgerliche World Wide Web.
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Markus Hesselmann, Online-Chef beim Tagesspiegel. Foto: Doris Klaas
Alle reden über das Internet. Communities, Social Networks, Web 2.0 – die anglizistischen Schlagworte sind längst nicht mehr nur Experten geläufig. Aber so richtig angekommen in der Mitte der Gesellschaft und ihren Diskursen ist das neue Medium – oder ist es mehr als ein Medium? – in Deutschland noch nicht. In den Wahlprogrammen der Parteien, die im Bundestag vertreten sind, ist das Internet eher ein Randphänomen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Datenschutz, Urheberrecht oder technischer Innovation mit Arbeitsmarkt- und Exportpotenzial, weniger auf der gesellschaftlichen und politischen Bedeutung.

Eigene Kapitel zum Internet haben von den fünf Parteien nur die Grünen und die Linke in ihren Programmen. Kein Wunder, dass sich vor allem junge, mit dem Internet aufgewachsene Wähler, von der Piratenpartei angezogen fühlen, die mit flatternder Fahne für die Freiheit im Netz kämpft – und sonst nicht für viel mehr. Doch wir Journalisten sollten nicht nur auf die Politiker zeigen: In den klassischen Medien setzt sich nur langsam die Erkenntnis durch, dass die schrägen Vögel aus der Online-Redaktion Journalisten sind wie du und ich. Umgekehrt kreist die deutsche Bloggerszene meist um sich selbst. Jenseits der Medienkritik ist ihr Beitrag zur öffentlichen Debatte bescheiden.

All dies wird dem, was da über den Cyberspace auf uns zukommt, nicht im Ansatz gerecht. In seinem jüngsten Buch „The Big Switch. Der große Wandel“ beschreibt der Internetanalytiker Nicholas Carr den ebenso historischen wie brandaktuellen Prozess der „Vernetzung der Welt von Edison bis Google“. Alle Computersoftware kommt demnach künftig wie Strom aus der Steckdose und wird genauso unverzichtbar sein für die Wirtschaft wie für den beruflichen und privaten Alltag der Menschen. Eine lebenswichtige Ressource, dargereicht durch das Internet. Aufwändige Installationen und Entwicklungen werden weder in Unternehmen noch in Haushalten nötig sein, sondern wie schon die Energie von Versorgern geliefert.

Mehr als ein Medium


Aber wer übt die Kontrolle über diese Ressource aus, von der wir genauso abhängig sein werden wie von Strom und Gas? Droht eine Monopolisierung? Sammelt sich gigantische, grenzübergreifende Macht in wenigen Händen? Übernimmt Google die Weltherrschaft nach einem Kalten Krieg mit Microsoft? Auch wenn das übertrieben klingt und alarmistisch, so wird doch deutlich, dass das Internet mehr ist als nur ein weiteres Medium, und dass Umwälzungen anstehen, die weit über die aktuellen Streitigkeiten über Copyrights und Raubkopien hinausgehen und selbst die Debatten über Datenschutz und Cyberkriminalität überschaubar erscheinen lassen. Carrs historische Einordnung des „großen Wandels“ belegt aber auch, dass das Internet nichts Außerirdisches ist, das schicksalhaft und unbeherrschbar über uns kommt. Es ist ein weiteres Globalisierungsphänomen wie multinationale Konzerne oder weltumspannende Finanzmärkte. Ein Phänomen, mit dessen Ausbreitung und Bedeutungszuwachs Politik und Gesellschaft Schritt halten müssen – oder besser: sich mit dem Kommenden jetzt auseinandersetzen und es mitgestalten müssen.

Der „Spiegel“ hat dies unlängst versucht. Unter dem Titel „Netz ohne Gesetz“ widmete das Nachrichtenmagazin dem Internet eine Titelgeschichte – ein gutes Dutzend Seiten Defensive, auf denen so ziemlich alles Kriminelle und Schändliche über das Internet zusammengekehrt wurde, das sich aus den vergangenen Jahren in den Archiven fand. Dazu das bekannte Ensemble der Netzgeschädigten von „Zensursula“ von der Leyen, der Familienministerin, die sich mit der technisch untauglichen und rechtlich nicht durchsetzbaren Idee von Netzsperren gegen Kinderpornografie blamierte, bis zum Dog Shit Girl, jener Koreanerin, die ihren Hund in die U-Bahn scheißen ließ und dann per Video an den weltweiten digitalen Pranger gestellt wurde. Der „Stern“ wollte da etwas Netz-Euphorie entgegensetzen. Die Illustrierte zog nach mit einer reich bebilderten Ranschmeiße an die „Generation Facebook“, jene rund drei Viertel der insgesamt 40 Millionen deutschen Internetnutzer, die in sozialen Netzwerken digital kommunizieren.

Da bekennt sich dann die 16-jährige Hamburger Schülerin genauso zur Mitgliedschaft bei StudiVZ oder Facebook wie die Altgewerkschafterin Ursula Engelen-Kefer (66) – und macht ihre Ansichten und Vorlieben publik. Aus der Warnung, dass all dies im wahrsten Sinne des Wortes in aller Öffentlichkeit geschieht und sich zum Beispiel Arbeitgeber über Bewerber auch in Social Networks informieren, macht die „Tagesschau“ prompt einen großen Aufriss mit Tätern, Opfern und Experten, belegt mit entsprechenden Studien. Als ob sich dieser Sachverhalt mit ein bisschen Nachdenken nicht ganz von selbst erschlossen hätte.

Nachrichten aus einer fremden und seltsamen Welt

Solche Großrecherchen zum Thema Internet in den Mainstream-Medien wirken wie Expeditionen in eine fremde und seltsame Welt. Von den Ureinwohnern jener entlegenen Gebiete kommen entsprechende Reaktionen. Mit einem fetten „Häh?“ kommentierte der Blogger Thomas Knüwer den „Spiegel“-Beitrag. Der Ausruf steht für die Sprachlosigkeit, die zwischen Internet-Euphorikern und Untergangspropheten herrscht. Knüwer gehört zu den Unterzeichnern eines Internet-Manifests, das führende Blogger kürzlich veröffentlicht haben. Da stehen dann neben vielen bedenkenswerten Punkten auch wohlfeile Merksätze wie: „Das Internet ist anders“, „Das Internet ist der Sieg der Information“, oder: „Die Freiheit des Internet ist unantastbar.“

Doch längst wird der emphatische Freiheitsbegriff in Frage gestellt – nicht nur von Verlegern und Autoren, die ihre Urheberrechte gefährdet sehen, oder Gesetzgebern und Kriminologen, die gegen Pornografen, Hacker und Betrüger ankämpfen. Man müsse „von den Gurus des ‚Freien'' verlangen, jedes Mal, wenn sie die nächste kulturelle oder soziale ‚Freiheit'' schaffen, auch ein entsprechendes innovatives ökonomisches Modell zu liefern“, fordert der holländische Internet-Analytiker Geert Lovink. Statt sich immer wieder der eigenen „techno-libertären Haltung“ zu vergewissern, müsste eine Debatte über professionelle Standards, Zertifizierungen und Kodizes geführt werden.

Raus aus dem digitalen Ghetto


Lovinks Forderungen weisen in die Richtung eines bürgerlichen Internets, das sich größtenteils selbst reguliert – mit möglichst wenigen Verboten und Zwängen, aber mit nachvollziehbaren Regularien aufgrund von transparenten Kriterien, formuliert und beaufsichtigt von Institutionen, die sich die professionellen Akteure im Netz selbst zu schaffen haben.

Modelle hierfür kommen aus der analogen Welt: Berufsverbände mit ihren Satzungen, paritätisch besetzte Beiräte, freiwillige Selbstkontrolleure – all die wenig glamourösen, aber unverzichtbaren Mannschaftsspieler, die die pluralistische Gesellschaft am Laufen halten.

Das Netz ist zu wichtig, um es Experten und Alpha-Bloggern zu überlassen. Die Debatte über das Internet muss raus aus dem digitalen Ghetto. Rein in die Mitte der bürgerlichen Gesellschaft.



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 20.09.2009)
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von richter169 richter169 ist gerade offline | 20.9.2009 2:29 Uhr
Wirtschaft und das Internet
Hallo User,
der Artikel ist gut. Aber er hat einen Fehler, er übersieht leider das es für kleine Firmen zum Teil schon Lebenswichtig ist. Kleine Firmen können über das Internet genauso gut Verkaufen wie große. Das ist für die kleinen also wichtig.

Das zweite ist doch, das heute bei Firmen die Bewerbungen bevorzugt über das Internet kommen sollen (Mails) damit die die Mitarbeiter beweisen können das sie mit den Netz umgehen können.

Auch holen sich heute viele user ihre Infos aus den Netz (Onlinezeitungen) weil man die Weltweit abrufen kann. Über Streamings kann ich überall auf der Welt die Deutschen Sender (ARD und ZDF) abrufen und bin immer auf den Aktuellen Stand der Nachrichten in Deutschland und in den Land wo ich bin. Es ist also auch wichtig für unser Allgemein Wissen.

Viele Vergessen wofür das Netz mal geschaffen wurde, für die Verteidigung von Amerika. Es sollte bei den Ausfall eines Rechners, desen Aufgabe einen zweiten oder dritten Rechner übergeben und den Gegenschlag der USA leiten. Es wurde dann Später von Wissenshaftler als Dikussionsplattform entdeckt und in der Folge dann auch von den Studenten, die so mit ihren Professoren ein Gedankentaustausch hatten.

Das das am ende nicht bei den Studenten und den Professoren bliebt, sondern auch ins Bürgerliche Leben einzog war dann nur Logisch.

Das Netz ist also von Aufbau gegen Eingriffe von Außen geschützt. Fällt ein Teil aus, übernimmt die Arbeit ein anderer Rechner. Demzufolge sind alleine von Aufbau des Netzes Eingriffe von Außen fast unmöglich. Das bezieht sich auch auf das Stoppschild.

Bis dann
LG von Richter169
Pirat
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von gerhard gerhard ist gerade offline | 20.9.2009 14:34 Uhr
grau ist alle Theorie
".....aber mit nachvollziehbaren Regularien aufgrund von transparenten Kriterien, formuliert und beaufsichtigt von Institutionen, die sich die professionellen Akteure im Netz selbst zu schaffen haben."

Aber so allgemein kann man das nicht stehen lassen. Was für eine Institution soll das denn sein? Doch nicht etwa das BKA o.ä.

Das Stichwort "beaufsichtigt" sagt schon alles und wer garantiert, dass am Ende da nicht "China läßt grüssen" eines Tages das Ergebnis ist.
Comment
von verlf verlf ist gerade offline | 20.9.2009 15:00 Uhr
steht da doch:
"Berufsverbände mit ihren Satzungen, paritätisch besetzte Beiräte, freiwillige Selbstkontrolleure – all die wenig glamourösen, aber unverzichtbaren Mannschaftsspieler, die die pluralistische Gesellschaft am Laufen halten."
Comment
von gamrith gamrith ist gerade offline | 20.9.2009 20:33 Uhr
...das steht da nicht...
"steht da doch:
"Berufsverbände mit ihren Satzungen, paritätisch besetzte Beiräte, freiwillige Selbstkontrolleure – all die wenig glamourösen, aber unverzichtbaren Mannschaftsspieler, die die pluralistische Gesellschaft am Laufen halten.""

Steht da nicht, sondern "mit möglichst wenigen Verboten und Zwängen, aber mit nachvollziehbaren Regularien aufgrund von transparenten Kriterien, formuliert und beaufsichtigt von Institutionen, die sich die professionellen Akteure im Netz selbst zu schaffen haben." . Das andere sind nur Modelle, wie es daselbst steht.

Wer aber sind die Akteure? Sind es die Netzwerk-Provider? die Content-Provider? Die Web-Site-Betreiber? Die Blogger? National kann es wohl nicht der Wurf sein, dann also international? EU-Weit? Welt-Weit? In Komplizenschaft mit Staaten wie Nord-Korea oder China? Wie Iran oder Saudi-Arabien?

Fakt ist, dass es praktisch keine gemeinsames Interesse, kein gemeinsames Grundverständnis, keinen gemeinsamen Comment gibt. Nicht einmal unter den "Spießern". Ein amerikanischer "Spießer" hat eine ganz andere und nicht verhandelbare Interessenlage als ein deutsche "Spießer" und das gilt auch für Staaten wie die Niederlande oder Dänemark.

Es ist daher nicht zu erwarten, dass sich die Professionellen zukünftig auf mehr einigen werden, als es notwendig ist, das Zusammenspiel der Netze und die technische Unversehrtheit der Kommunikation sicherzustellen. Alles andere ist Ideologie und wird zu nichts führen, insbesondere da es unwahrscheinlich ist, dass die Internet-Supermacht USA mitmacht. Und da ist die Interessenlage so divergent, dass über ein "Lass den Markt es machen" nicht viel herauskommt.

Ähnlich wie die anderen Artikel dieser Sonderausgabe strömt auch dieser ein gerüttelt Maß an Pollyannaism aus, welcher mich missmutig stimmt. Fehlt nur noch ein "Du bist ein Spießer im Netz! Du bist Deutschland!".

Georg
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von gamrith gamrith ist gerade offline | 20.9.2009 17:01 Uhr
Mal wieder die das Grundproblem nicht verstanden
Es ist offensichtlich, dass der Autor das grundsätzliche Problem nicht verstanden hat. Es gibt eben hat nicht "den" Cyberspace, es gibt, auch in Deutschland, nur eine lose Agglomeration von Providern, die den Nutzern vielleicht auch Inhalte, viel mehr aber Zugang zu allen Inhalten, die weltweit vorhanden sind, ermöglichen.

Die Verbindungen der Netze untereinander sind so vielschichtig, dass es, außer in Diktaturen wie China, Korea oder Iran, keinen einheitlichen Zugang gibt, der sich hinreichend überwachen lässt.

Natürlich kann ein "bürgerliches" Netzwerk etabliert werden, in dem die "Spießer" unter sich sind und in dem die Regularien, wie es der Autor fordert, überwacht und sichergestellt werden. Es wäre, wie gehabt, nur ein weiteres Privatnetz, wie es schon tausende gibt, außer natürlich, wenn die Mitgliedschaft in diesem Netz verpflichtend ist. Daran kann aber wirklich keiner ein Interesse haben, obwohl es der feuchte Traum eines jeden Etatisten ist.

Als Al Gore zu den Anfangszeiten des Internets postulierte "On the Information superhighway there will be no rest stops!", antwortete jemand in der USENET-Gruppe talk.bizarre : "Yes, but there will be Hell's Angels!".

Das ist heute so wahr wie vor gut 14 Jahren. Live with it. Und deswegen ist dieser Artikel von einer erschreckenden Ahnungslosigkeit, im Gewande sentenziösen Journalismuses.

Georg
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von markus.hesselmann markus.hesselmann ist gerade offline | 20.9.2009 17:35 Uhr
@gamrith
Danke für Ihren Kommentar. Gerne lerne ich von jemandem, der das grundsätzliche Problem verstanden hat. "Live with it" scheint mir aber dann doch als ein bisschen billiger Ansatz. Mir ist klar, dass ein bürgerliches Netz, zumal zunächst im nationalen Rahmen, nur ein Anfang sein kann, da auch mir das grenzübergreifende Wesen des Internets nicht entgangen ist. Aber ein Anfang muss gemacht werden. Der nächste Schritt wäre, daran mitzuarbeiten, in internationalen Gremien die entsprechenden Strukturen zu schaffen. Das alles dauert und ist mühsam und unglamourös, deshalb auch der zugespitzte "Spießer"-Begriff. In meinem Beitrag ist übrigens weder von "Überwachen", noch von "Sicherstellen" die Rede. Beides halte ich nicht für erstrebenswert. Deshalb habe ich bewusst das schwächere Wort "beaufsichtigen" gewählt. Darüber hinaus ist mir schleierhaft, wo Sie bei mir den Etatisten herauslesen. Lieber Gruß aus der Redaktion, Markus Hesselmann
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von gamrith gamrith ist gerade offline | 20.9.2009 19:25 Uhr
@ Hesselmann
Die von Ihnen geforderten und gewünschten Kontrollmechanismen können ausschließlich im geschlossenen Raum, i.e. dem geschlossenen Netz, der jeweiligen Inhaltsanbieter funktionieren. Das "Internet" war nie, und wird es nie sein, ein einzelnes Netz, sondern ein Netz von Netzen, welches sich aus unterschiedlichen Quellen speist und insbesondere aus einer hochheterogenen Betreiberschar befüttert wird.

Jeder kann sich hier Bandbreite kaufen und sich selbständig machen und das einstellen, was er möchte. Sofern die Inhalte nicht an strafrechtliche oder andere juristische Grenzen in der Jurisdiktion stoßen, in der er oder die Inhalte sich befinden, kann er mit ihnen tun und lassen was er will. Die Inhalte mögen Ihnen oder mir oder sonstwem nicht gefallen, aber "Live with it!"

Ihre Möglichkeiten zu intervenieren sind ausgesprochen eingeschränkt:

o Sie können beim Netzwerkprovider remonstrieren. Wenn die Inhalte in der Jurisdiktion des Providers nicht strafwürdig sind, und sie nicht gegen die Policies des Providers verstoßen, sind Sie gekniffen. Sie können einen Schritt weitergehen und versuchen in der Jurisdiktion des Providers Druck durch Gegenöffentlichekeit zu erzeugen. Viel Spaß dabei.

o Sie können versuchen, in Deutschland eine Gegenöffentlichkeit/ Gegenbewegung gegen die Inhalte zu schaffen. Auch hier viel Glück, schaun Sie mal unter Streisand-Effekt nach, auch Heilmann-Effekt genannt.

o Wenn der Anbieter interaktive Inhalte anbietet, Foren etc., können Sie im Sinne von Gegenimformation im Forum initiativ werden. Dies ist im Übrigen das, was die einzige Möglichkeit im USENET war, um gegen alle ekligen -ismen zu Felde zu führen.

Wesentlich mehr ist da nicht.

Das Internet ist eine wesentlich weniger rechts- oder regelfreie Zone als Ihr Artikel suggeriert, in ihren jeweiligen Bereichen. Moderation ist allgegenwärtig und Policing wird durchgeführt, aber nur jeweils privatim. Es ist die Sehnsucht nach der ganz großen Lösung, die absurd bleibt.

Georg
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von markus.hesselmann markus.hesselmann ist gerade offline | 20.9.2009 20:12 Uhr
@gamrith
Auch die Forderung nach einer großen Lösung kann ich in meinem Beitrag nicht erkennen. Tatsächlich schlage ich das Gegenteil vor: Kleine Schritte der Professionalisierung und Institutionalisierung, ausgehend sehr gern von dem, was Sie Moderation und Policing nennen, zwei Techniken, die uns hier beim Tagesspiegel aus der täglichen Arbeit mit der von uns überaus geschätzten Community bestens vertraut sind. Lieber Gruß, Markus Hesselmann
Comment
von gamrith gamrith ist gerade offline | 20.9.2009 21:15 Uhr
Große Lösung
"Auch die Forderung nach einer großen Lösung kann ich in meinem Beitrag nicht erkennen."

Wenn ich an die Modelle denke, die Sie vorschlagen, sehe ich das deutlich anders. Wenn es nur um "Cultiver Ton Jardin" geht, nun, dass ist ja schon soweit, oder weitgehend, umgesetzt, jeweils in dem kleinen privaten Hinterhof, ob es nun die "Community" der Tageszeitung geht oder um ein Forum der nadelpieksenden Leder- und Lack-Fetischisten, jeder nach sin' nöch.

Übergreifende Instanzen, Beiräte - ich gehe mal davon aus, dass Sie an sowas wie den Presserat gedacht haben - sind ausschließlich machbar, wenn es eine gemeinsame Interessenlage der Akteure gibt. Die kann ich bei der heterogenen Interessenlandschaft kaum national erkennen, wo sich jeder seine Kanone kaufen und sich selbstständig machen kann, und schon gar nicht international, wo das wirkliche Schmalz liegt.

Daran werden auch die "Spießer" im Netz nicht viel ändern, selbst wenn sie denn sich die Mühe machten. Die so apostrophierten Gelegenheitsnetznutzer müssten sich zu Experten, wenn vielleicht auf niedrigem Niveau, mausern, um überhaupt eine Chance zu haben gehört zu werden, denn nichts ist tödlicher im Rahmen solcher Kommunikation als ein gepflegtes Unwissen über das worüber man redet - das Zitat im gedruckten Artikel spricht da Bände. Und das ist den meisten "Spießern" einfach zu anstrengend. Da werden wir eher die üblichen wohlfeilen Jeremiaden, a la von der Leyen, zu hören bekommen, die ob ihrer Mischung aus Unwissenheit, Zynismus, Dummbatzigkeit und und politischem Kalkül von den Akteuren eher als Frechheit ad acta gelegt werden.

Insofern ist Ihr "call to arms" rührend, aber wenig realistisch.

Georg
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von markus.hesselmann markus.hesselmann ist gerade offline | 20.9.2009 21:24 Uhr
@gamrith
Ich finde alle Ihre Einwände sehr bedenkenswert. Darf ich Sie trotzdem einladen, statt hier wortreich Pessimismus zu verbreiten und alles aufzuzählen, was nicht geht, die Debatte mit ein paar eigenen Vorschlägen voranzubringen, die über "Live with it" hinausweisen? Das würde mich wirklich interessieren...
Comment
von cj80 cj80 ist gerade offline | 21.9.2009 14:49 Uhr
vielen Dank
Lieber Herr Hesselmann,

@gamrith verbreitet nicht wortreich Pessimismus. Im Gegenteil. Er versucht Ihren Pessimismus dadurch zu beschwichtigen, dass es private Mechanismen gibt, eine Art "Aufsicht" zu gewährleisten. Das sind Policys, das sind Moderatoren und das sind Gegenkommentatoren.

Ich finde, das ist ein sehr schönes Bild und ganz und gar nicht Pessimismus.

Im Übrigen teile ich Ihre Auffassung, dass die bürgerliche Mitte mit ins Boot sollte, manchmal sind die Alphakommentatoren und -Blogger nicht auf dem Boden genug.

Herzlichste Grüße aus Hamburg
Comment
von vielflieger vielflieger ist gerade offline | 20.9.2009 17:14 Uhr
@ Markus Hesselmann
"Das Netz ist zu wichtig, um es Experten und Alpha-Bloggern zu überlassen. Die Debatte über das Internet muss raus aus dem digitalen Ghetto. Rein in die Mitte der bürgerlichen Gesellschaft."

Das ist ein bemerkenswerter Kommentar, den Sie hier geschrieben haben, das war das Beste, was hier bei Tagesspiegel-Online seit Wochen steht. Sie zeigen damit, dass Sie sich im Stil und in Ihrer Zielrichtung von Ihrer Vorgängerin unterscheiden. Mir gefällt, dass Sie Ihre Meinung ruhig und sachlich vortragen, und auf überzogene Polemik und reines Feindbild-Denken verzichten.

Inhaltlich trage ich Ihre Thesen mit. Sie geben hier wertvolle Denkanstöße. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer neuen Tätigkeit.
Comment
von jandark jandark ist gerade offline | 20.9.2009 23:10 Uhr
Satire?
"Modelle hierfür kommen aus der analogen Welt: Berufsverbände mit ihren Satzungen, paritätisch besetzte Beiräte, freiwillige Selbstkontrolleure – all die wenig glamourösen, aber unverzichtbaren Mannschaftsspieler, die die pluralistische Gesellschaft am Laufen halten."

Meinen Sie das ernst oder ist das eine perfide Satire? Kammern vielleicht, die ausser den Deutschen keiner kennt? Berufsverbände? Was für Berufe denn? Ein Recyclen der Kirchen, die von den Mitgliedern her abrauschen, aber in "paritätisch besetzten Beiräten" der Rundfunkanstalten die Medien blockieren? FSK wie bei den Filmen, wo die FSK selber sagt, dass sie keine Bedeutung mehr hat für den Schutz der Jugend?

Das klingt wie eine sentimentale Erinnerung an nicht funktionierenden Gremienkult: Schülermitverwaltung (Wer darf den Aufenthaltsraum anstreichen, aber bitte kein politsches Mandat für die pädagogischen Inhlate). ASTA-Wahlen mit Wahlbeteiligungen zwischen 19 und 21 %. Gewerkschaftsbeteiligung: Die IG Bergbau als Sittenwächter der Blogospähre.

Der Unsinn, dass technische Erfinder gefälligst auch ein GEschäftsmodell mitzuliefern hätten, weil die Druckemedien, FAZ, G+J, usw. und der verwertungsindustrielle Komplex sich seit 20 Jahren weigern, die Neuzeit wahrzunehmen?

Das klingt fast wie eine Drohúng, dass die Republik zurück in die 60er Jahre soll :-))

Aber es wird sicherlich eine Satire gewesen sein. :-)))

Am Rande: die EU und andere geben sich die grösste Mühe, die analoge Welt der gestrigen BRD zu schleifen, um sie zukunftsfähig zu machen, und da soll es ausgerechnet im Internet ein Revival des Gestern geben? Gruselig.
Comment
von cpeters cpeters ist gerade offline | 21.9.2009 9:47 Uhr
Keine Ahnung
Es ist so traurig, dass die sogenannten klassischen Medien oder überzeugten Spießer wie Herr Hesselmann soviel über das Netz schreiben, anstatt einfach mal den Browser anzumachen und es zu besuchen.

Warum schreiben Sie hier so einen Artikel mit ein paar lose aufgefrischten Meldungen von anderen Zeitungen, anstatt einfach, sagen wir mal Facebook zu besuchen? Auf Seite von bswp. Ursual Engelen-Kefer hätten sie dann z.B. lesen können: "Ursula only shares certain information with everyone. If you know Ursula, add her as a friend on Facebook."

Aha. Der Quatsch mit den Informationen, die sich der zukünftige Arbeitgeber aus Facebook ziehen kann, zieht sich durch die gesamten alten Medien und KEINER wirklich KEINER macht sich mal die Mühe zu schauen ob das stimmt. Das tut es nämlich nicht. Die Nutzer können selbst entscheiden wer was sehen darf und per Default ist es niemand außer denjenigen, die man als Freunde bestätigt hat.

Gamrith & Co haben ja noch mehr dazu geschrieben. Welche Blogs lesen sie eigentlich, wenn sie die Beiträge zur Debatte bescheiden finden? Was ist das, dass digitale Ghetto? Immerhin bemühen sie nicht den pickeligen Nerd.

Daher: Bitte verschonen Sie uns mit pseudo-modernen Artikeln solange Sie nicht wenigstens mal im Netz waren um dort zu recherchieren.

Als ob sich dieser Sachverhalt mit ein bisschen Nachdenken nicht ganz von selbst erschlossen hätte.
Comment
von jandark jandark ist gerade offline | 21.9.2009 12:04 Uhr
Facebook und der Berufsverband
"Daher: Bitte verschonen Sie uns mit pseudo-modernen Artikeln solange Sie nicht wenigstens mal im Netz waren um dort zu recherchieren."

Das kann man nur unterschreiben, denn gerade das Beispiel Facebook zeigt, welch grober Unfug hier geschrieben wird:
wenn dreizehnjährige Mädchen ihren Freundinnen (und nur denen) ihre Urlaubs-Fotos in Facebook zeigen, dann fordern Männer wie Hesselmann und Lovink (die kommerziell vom Internet leben), dass diese Kidner sich professionalisieren sollen, ein Geschäftsmodell zu bennennen hätten für die Freihgeit, ihren Freundinnen die Fotos zugänglich zu machen. Sie sollen einen Berufsverband gründen, am Besten gleich eine berufständische Kammer aus Urlaubsfotoveröffentlicherinnen unter 14 Jahren, die darüber entscheidet, welche Mädchen Bilder einstellen dürfen, und sie sollen die Kirchen und Gewerkschaften auf ihre privaten Fotoalben sehen lassen, ob die Fotos für die Minderheitenfolklore der Partikularinteressen angemessen sind, obwohl die der private Kram überhaupt nichts angeht.

Wenn mein Kumpel einen Blog schreibt, der nur einem beschränkten Kreis von Nutzern zugänglich ist, dann sollen die Angestetllten von Zeitungen das politische Mandat bekommen, darüber zu entscheiden, ob mein Kumpel bei Google mir seine Gedanken zugänglich machen darf.

Das ist nicht nur arrogant, sondern ziemlich dümmlich. Menschen wie Schirrmacher oder der Idiotae-Beschimpfer von der Süddeutschen weinen ihrem Monolpol nach wie Mönche im 15 Jahrhundert beim Aufkommen des Buchdrucks, und die freien Menschen sollen sich freiwillig der Inquisition der Modernisierungsresistenten beugen?

Gut, im Angesicht der Meinungsfreiheit kann man so etwas akzeptieren wie man auch anderen Unsinn akzeptieren muss. Aber Sinn bekommt es dadurch nicht. Es ist nur erschreckend, wie weit Menschen Jahrzehnte hinter der gesellschaftlichen Entwicklung zurückbleiben und dann fordern, andere sollen auch zurück bleiben. Ziemlich irrational.
Comment
von markus.hesselmann markus.hesselmann ist gerade offline | 21.9.2009 10:33 Uhr
@cpeters
Dieser an Unterstellungen und Herabwürdigungen reiche Rundumschlag gegen alles, was unter dem Verdacht des "Klassischen" steht, belegt, wie wichtig eine breitere Debatte zum Thema ist. Leider ist bei manchem beleidigten Experten dann immer mal wieder eine gewisse Leseschwäche zu erkennen. Das Engelen-Kefer-Beispiel zitiere ich ja gerade, um den Bohai um Facebook in den Mainstream-Medien und den vermeintlichen Skandal um zu viel Offenheit dort zu relativieren. Wenn ich mich also bereit erkläre, "einfach mal den Browser anzumachen", wären Sie dann dabei, nächstens einfach mal genau zu lesen und Autoren erst danach derart pointiert anzugehen? Wäre ein Deal... Und dann wäre es schön, wenn wir hier zu einer zivilen Debatte ohne Unterstellungen und Herabwürdigungen zurückkehren könnten. Lieber Gruß, Markus Hesselmann
Comment
von cpeters cpeters ist gerade offline | 21.9.2009 12:20 Uhr
AW
Ich bin mir nicht sicher, ob das nicht eine zivile Debatte ist. Auch ist das kein Rundumschlag gegen das Klassische, sondern gegen die merkwürdigen Grenzen die sie aufziehen: Das digitale Ghetto hier, das bürgerliche Lager dort. Es gibt diese Grenze nicht. Das Internet ist selbstverständlicher Teil des Lebens geworden über das sich "normale" Menschen" und keine Nerds vernetzen. Die Debatte ist eben nicht Experten vorbehalten.

Pointierte Bemerkungen erlaube ich mir dann, wenn ich weiß dass sich der Autor nicht mit dem Thema beschäftigt hat. Daher das Facebook Beispiel. Es geht nicht um den "Bohai" den sie zitieren, sondern darum, dass da einfach Schund erzählt wird der mit merkürdigen Studien belegt wird. Es ist halt falsch und mit drei Klicks hätte man es herausfinden können.

Aber mal zurück zur zivilen Debatte: Die Alpha-Blogger, die nach Ihren Aussagen nichts zum Diskurs (außer Medienkritik) beitragen haben gerade eine sehr gut besuchte Freiheit-gegen-Angst Demo organisiert, unterstützten und popularisieren eine Partei die für den Bundestag kandidiert und haben eine Petition eingereicht. Das wird von der Politik schön ignoriert und von von der Leyen und Zypries und Guttenberg diffamiert.

Das es da um Themen geht, die sich auf Freiheit (nicht nur im Netz!) beschränken, halte ich übrigens für eine Stärke: Die Chancen, dass die Piraten mit absoluter Mehrheit die Regierung stellen sind recht klein, daher müssen sie nicht das ganze Themenspektrum abdecken (was viele große Parteien auch eher schlecht als recht machen).

Zu einer joschkafischerisierung der Partei kommt es sicher noch früh genug, darum ist eine Themenkonzentration am Anfang doch sinnvoll (vgl die Grünen).

Man muss sich aber auch mit diesen Themen auseinandersetzen und nicht nur Debatten anmahnen, ohne dies zu tun.
Comment
von markus.hesselmann markus.hesselmann ist gerade offline | 21.9.2009 15:11 Uhr
@cpeters @jandark
Ihre in schnarrendem Kasernenhofton daherkommende Beiträge sind ein einziges Plädoyer für die Dringlichkeit zivilerer Debatten in Onlineforen. "Sie haben sich nicht mit dem Thema befasst" - wo soll da der Ansatz sein für eine Diskussion, wenn Sie so etwas einfach mal unterstellen? Ein letzter Versuch: Kommen Sie doch runter vom hohen Ross, dann diskutiert es sich leichter. Viele Ihrer Argumente sind ja spannend und diskussionswürdig. Aber warum die Eiferei? Grüße aus der Redaktion, Markus Hesselmann
Comment
von cpeters cpeters ist gerade offline | 21.9.2009 15:28 Uhr
?
Ich bin doch auf Ihre Argumente eingegangen. Da ist der Ansatz zur Diskussion.

Im übrigen ist es auch keine Eiferei. Im Gegenteil: Ich bin bloß angenervt, dass einem immer unterstellt wird, man sei Anhänger einer netzelitären Kaste, wenn man konservative Thesen nicht stützt. Ich habe zwar beruflich mit dem Netz zu tun und bin sensibilisiert, aber tendenziell geht heute jeder Hausmann oder jede Germanistikstudentin ins Netz. Mein Ansatz daher: Die sogenannte Netzgemeinde gibt es so nicht, dass sind Leute, die auch im realen Leben politisch interessiert sind und es daher auch im Netz sind. Aus Frust über die wirklich Laienhafte Diskussion in den etablierten Parteien, hat sich nun eben eine Gegenbewegung formiert. Aber wenn Sie auf der Demo waren: Das wird von ganz unterschiedlichen Bewegungen unterstützt. Ich bin zB kein Pirat.

Ich verstehe daher auch nicht warum Sie mir ein hohes Roß unterstellen. Bei Anne Will geht es hitziger zu.
Comment
von markus.hesselmann markus.hesselmann ist gerade offline | 21.9.2009 16:34 Uhr
@cpeters
Na ob Anne Will so ein Vorbild für Diskussionskultur ist, da bin ich mir nicht sicher. (-: Ihren Ansatz verstehe ich jedenfalls jetzt und finde ihn nachvollziehbar. Mein Gegenentwurf, den ich zur Diskussion stelle, wäre, statt fortwährend und unversöhnlich auf die "klassischen" Parteien oder Medien zu schimpfen und ihren Untergang zu propagieren, sich lieber in deren Diskursen einzubringen und diese zu ändern. Ich sehe derzeit nämlich nicht das, was in unserer Gesellschaft an die Stelle dieser "klassischen" Akteure treten könnte. Die von ihnen erwähnte Gegenbewegung ist sicher als Anstoß und steter Stachel wichtig. Ich sehe aber nicht, wie sie die gewachsenen Strukturen und Funktionen ebenjener Akteure ersetzen soll.
Comment
von gamrith gamrith ist gerade offline | 21.9.2009 19:30 Uhr
Was sollen die "klassichen Akteure"?
@Hesselmann

Ich sehe keinerlei Handlungsgrundlage für die "klassischen Akteure". Wer sollte sie denn inthronisieren und ihnen die Eingriffsmöglichkeiten geben, die Sie hier, bzw. in dieser Diskussion unterstellen? Oder um es in einem klassischen Zitat auf den Punkt zu bringen "Who died an made you god?"

Je nach Zielstellung und Grundlage des Forums oder einer Site hätte ich als Betreiber überhaupt kein Interesse, die "klassischen Akteure" oder ihre jeweiligen Inkarnationen zum Zuge kommen zu lassen. "Kommt zu mir, hier habt ihr einen nicht ge-NetNannyten, nicht glattgebügelten und spannenden Spielplatz, wo es so richtig ab geht. Aber: If you can't stand the heat, get out of the kitchen!" Sollte mich wundern, wenn es nicht ginge wie geschnitten Brot.

Man könnte sich natürlich überlegen, ob man ein Selfpolicing nicht transportabel gestalten könnte, dann müsste es aber eine eindeutige und verifizierbare Net-ID geben, die über alle Netzangebote identisch bleibt. Diese Net-ID könnte transportable Statuspunkte erwerben, oder verlieren, und mit wachsender Zahl von Statuspunkten höhere Einflussmöglichkeiten in Foren erhalten, z.B. über ein Ranking der Beiträge, welches mit Statuspunkten gewichtet würde und die Sichtbarkeit der Beiträge beeinflussen würde, a la Slashdot.

Wie auch immer, dies über Forengrenzen transportabel zu gestalten, dürfte eine ziemlich langfristige Herausforderung sein. Desweiteren bin ich mir nicht sicher, ob ich eine wie oben skizzierte Net-ID gut heißen möchte.

Allerdings läge die Macht, wie gehabt, in der Hand der Netz-Alphatiere. Und das wäre gut so, denn die "klassischen Akteure" hätten sich ihre Einflussmöglichkeit nicht verdient, man hätte sie nur per Fiat verliehen. Und davor hätte ich keinen Respekt.

Georg
Comment
von jandark jandark ist gerade offline | 21.9.2009 15:31 Uhr
Hohe Rösser?
Fangen Sie doch endlich an, Inhalte zu diskutieren, statt über den Ton zu weinen.

Warum sollen denn nun 13-jährige Mädchen sich in Berufsverbänden organisieren, wie sie es vorgeschlagen haben? Warum sollen die Kirchen und Gewerkschaften in die privaten Seiten von Mädchen reinschaueb, die im Internet nichts kommerzielles tun? Was soll denn das bedeuten, dass Sie fordern, dass die 13-jährigen sich professionalisieren sollen? Ich habe auf ihren Beitrag diskutiert, das ich ihn für Unsinn halte. So wie den Unsinn von Schirrmacher, der gerade einknickt und sich der Realität stellt. Und Sie weigern sich Auskunft zu geben, und reden statt dessen regelwidrig über den Ton.

Ich habe 1993 den zweiten kommerziellen Webserver in Berlin aufgebaut und diskutiere seit 1988 im Internet. Ich halte es für eine Frechheit, dass Leute die uns immer nur beschimpft habem, uns Knüppel zwischen die Beine geworfen haben, unsere Kinder kriminalisieren, nun fordern, dass sie die Regeln bestimmen wollen über Dinge die sie nicht verstehen.

Wenn die Ausdrucker sich nicht and das neue Medium anpassen wollen, dann bleiben sie halt draussen. Wenn Zeitungen kein Geschäftsmodell finden, dann finden sie eben nicht statt. Eine Opelisierung wird es nicht geben. Vom staatgesponserten Sozialismus haben die Leute genug. Manche Unternehmer in der Analogwelt übrigens auch von Kammern.

Die bürgerlich Mitte kommt von ganz alleine ins Netz, wenn das Netz attraktiv ist. Und auf Spießer, die den Rechtsstaat massenhaft missbrauchen, um die Justiz mit Massenbagatellverfahren lahmzulegen, können wir verzichten. Ersatzlos.

Mit ihrem Kasernentontrauma müssen sie alleine fertig werden. Ich habe meinen Wehrdienst ohen Waffe geleistet. Lesen Sie sich eine gute Netikette durch, dass man Ton, Rechtschreibung und andere Form im Netz nicht kritisiert. Sie wollten doch Regeln, dann halten sie sich doch erst mal an die bestehenden.
Comment
von gamrith gamrith ist gerade offline | 21.9.2009 18:59 Uhr
Been there, done that, got the fricking t-shirt
@Hesselmann

"Ihre in schnarrendem Kasernenhofton daherkommende Beiträge sind ein einziges Plädoyer für die Dringlichkeit zivilerer Debatten in Onlineforen."

Ich habe hier mal wieder gerade eine sehr heftigen Anfall von Deja Vue. Die selben Remonstrationen hatten wir doch schon 1990-91, mit dem selben Ergebnis (Nein, man braucht kein WWW für eine weltweite Kommunikation). Und die Antworten sind immer wieder die selben:

o In meinem Forum bin ich der König. Wer mir auf den Zeiger geht, den schmeiße ich raus.

o In anderen Foren {ignore | killfile | überlese} ich die Beiträge von denen, die mir auf den Zeiger gehen.

o Oder ich wende mich an die jeweiligen Moderatoren der Foren, als an diejenigen, denen sie gehören. Wenn ich genügend Status habe, wird der ggf. meinem Ansinnen genüge tun.

o Oder ich {flame | watsche } die anderen. Je nach meinem Status in diesem Forum kann ich andere Meinungsträger auf meine Seite ziehen und den Status der Zeigergeher in den Augen der Rezipienten des Forums herabsenken.

Foren, speziell offene, nicht moderierte Foren, sind selbstorganisierende nichthierachische Diskurse. Mein Wert, mein Status in den Foren orientiert sich daran, was ich in diesem Forum beitrage. Wenn ich von meinen Rezipienten als lesenswert, amüsant, informativ odereinfach "worthwhile" erachtet werden, steigt mein Status und meine Unterstützung, wenn ich langweile oder nerve, sinkt er. Wenn ich einen hohen Status habe, kann ich das Forum hinter mich scharen, wenn ich einen niedrigen habe, werde ich vom Forum abgewatscht, ggf. so lange, bis ich mich trolle.

Zu eine Typographie der Foreninsassen siehe folgenden Link:
http://redwing.hutman.net/~mreed/

Sie fechten sowohl ein vergebliches, als auch ein längst geschlagenes Gefecht. Wer es gerne kuschling mag, frequentiere entsprechende Foren, wer es gern etwas anders hätte, kann sich ja mal anders wohin wagen.

Übergreifende, für alle Foren verbindliche Regularien braucht niemand und sind auch unmöglich.

Georg

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