Politik : Wahlforscher: Kosovo-beschluß gefährdet Grüne nicht

BONN (rtr).Trotz angekündigter Parteiaustritte wird der Kosovo-Beschluß der Grünen nach Einschätzung von Experten zur Stabilisierung der Partei beitragen.Der Leiter des Berliner Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, sagte, das Ergebnis des Bielefelder Sonderparteitages stehe in Übereinstimmung mit der Mehrheit der Grünen-Anhänger: "Aus Sicht der Wähler ist das ein stabilisierender Beschluß".Wenn einige Funktionäre vom linken Flügel nun die Partei verließen, bedeute das für die Wahlchancen wenig: "Das gefährdet die Grünen in keiner Weise." Problem sei vielmehr ein mangelnder Zulauf von jungen Wählern.

Der Sonderparteitag hatte den Kurs der Bundesregierung im Kosovo-Krieg gestützt.Abgelehnt wurde die Forderung, die Luftangriffe bedingungslos einzustellen."Mit einem solchen Beschluß wären die Grünen gefährdet gewesen", sagte Güllner.Die Mehrheit der Grünen-Anhänger habe die Nato-Luftangriffe von Beginn an mitgetragen und sich damit wenig von Anhängern der SPD oder auch der Union unterschieden, sagte Güllner.Über 90 Prozent der Grünen-Anhänger stützten den Kurs von Außenminister Fischer und lehnten einen Bruch der Koalition mit der SPD wegen des Kosovo-Konflikts ab.

Hauptproblem der Grünen sei vielmehr der im Vergleich zu früheren Jahren geringe Zulauf an jungen Wählern."Das ist ein strukturelles Problem", sagte Güllner.Die Mehrheit der Grünen-Wähler sei zwischen 30 und 45 Jahren alt.Bei der Europawahl am 13.Juni würden die Grünen ihr zweistelliges Ergebnis der Wahl vor fünf Jahren sicherlich nicht wiederholen können.

Der Hamburger Politologe und Grünen-Kenner Joachim Raschke wertete den Beschluß als Fortschritt.Die Grünen hätten sich den Realitäten des Krieges und der Regierung gestellt, sagte Raschke im "ARD-Morgenmagazin"."Sie haben sich einer klaren Entscheidung gestellt und sind der billigen Alternative ausgewichen." Der unterlegene Antrag der Parteilinken wäre hinausgelaufen auf "gegen den Krieg, aber für die Regierung; das paßt natürlich nicht zusammen."

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