Politik : Wahlforscher: Saar-Ergebnis sagt nichts über den Bund

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Berlin Nur 55,5 Prozent der Wahlberechtigten gingen am Sonntag im Saarland zur Wahl – die geringste Beteiligung in einem westdeutschen Bundesland seit 1949. Ein neuer Tiefpunkt in einer stetigen Entwicklung: Zahlen zwischen 80 und 90 Prozent, wie sie lange Zeit normal waren, gehören der Vergangenheit an. Mit der sinkenden Wahlbeteiligung geht aber noch ein Prozess einher, der Politikern der großen Parteien Kopfzerbrechen bereitet: Die schwächer werdende Bindekraft von SPD und Union.

Am Sonntag traf dies die SPD stärker als die CDU, die absolut ebenfalls Stimmen verlor. SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter klagte: „Wir haben nicht Wähler an die CDU verloren, sondern viele Wähler sind ins Nichtwähler-Lager gegangen.“ 61 000 SPD-Anhänger blieben nach Berechnungen von Infratest dimap diesmal der Wahlurne fern. Die Wahlenthaltung begünstigte die kleineren Parteien, die weniger Mobilisierungsprobleme haben. NPD und PDS gewannen zudem aus dem Nichtwählerlager leicht hinzu. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte, von Wahlzurückhaltung profitierten nur die extremen Parteien.

Wahlforscher haben außer der allgemeinen Proteststimmung und Unmut über Hartz IV eine ganz nahe liegende Erklärung: Die Wahl galt früh als entschieden, die Umfragen verhießen keine Kopf-an- Kopf-Entscheidung. „Wenn der Sieger festzustehen scheint, dann gehen viele Anhänger von Sieger und Besiegten einfach nicht zur Wahl“, sagt der Mainzer Politologe Jürgen Falter. Auch die CDU verlor 34 000 Stimmen ans Nichtwählerlager. Die Forschungsgruppe Wahlen warnt davor, das Ergebnis als Indikator für die Bundesstimmung zu nehmen: „Dafür ist das Saarland zu klein, seine Sozialstruktur zu untypisch.“ Auch als Test für das Abschneiden der Parteien in Sachsen und Brandenburg am 19. September tauge die Saar-Wahl nicht. afk

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