Politik : Wahlforscher schauen auf die Schulferien

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Berlin Können die Sommerferien das Ergebnis von Wahlprognosen vorübergehend beeinflussen, weil die befragenden Institute relevante Bevölkerungsgruppen bei der Datenerhebung nicht berücksichtigen, da dann besonders häufig verreist wird? Könnte sich so die Tatsache, dass in den neuen Ländern eher wohlhabende und damit vermutlich bürgerlichen Parteien zuneigende Bundesbürger Urlaub machen, positiv auf die Zahlen der Linkspartei in den vergangenen Wochen ausgewirkt haben?

Sowohl Richard Hilmer von Infratest dimap als auch Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen wiesen auf Befragen des Tagesspiegel darauf hin, dass erfahrene Demoskopen solche Sonderfaktoren, so es sie überhaupt gibt, beobachten und entsprechend gewichtet in ihre Auswertung einbeziehen. Der Tagesspiegel veröffentlicht regelmäßig das von diesen Instituten erhobene Politbarometer (Forschungsgruppe) und den Deutschlandtrend (Infratest dimap).

Richard Hilmer erinnerte daran, dass auch schon 2002 in der heißen Phase vor der Bundestagswahl Schulferien gewesen seien, ohne dass sich damit die damaligen Meinungsumschwünge hätten erklären lassen. Einen Zusammenhang nannte Hilmer „Unsinn“. Im Übrigen würden sehr wohl auch Arbeiter verreisen. Matthias Jung hingegen wollte einen Zusammenhang zwischen Prognoseergebnissen und dem Verreisen größerer Bevölkerungsgruppen nicht völlig ausschließen. Er sei aber nur schwer nachweisbar und, wenn überhaupt, „so platt“ nicht gegeben. Jeder Meinungsforscher wisse zum Beispiel, dass sich die Urlaubssaison in Bayern und Baden-Württemberg auf die bundesweit erhobenen Zahlen für die Union auswirken würden; dies sei dann in den Umfragen eben entsprechend zu gewichten.

Auf die Umfrageergebnisse aus den neuen Ländern angesprochen, erinnerte Jung daran, dass nicht alle Wahlberechtigten gleichzeitig verreisen. Die Ferien seien es also nicht alleine, die die Werte für die Linkspartei beeinflussen. Vielmehr sei die Stimmung bei den ostdeutschen Wählern traditionell beweglicher. Zudem sei der Neuigkeitswert des linken Wahlbündnisses „durch“ und die Wechselstimmung gehe allgemein zurück. apz

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