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Wahlforscher zu Paris-Attentat : "Die Anschläge werden AfD nicht nutzen"

Das Attentat auf "Charlie Hebdo" durch mutmaßliche islamistische Extremisten wird der "Alternative für Deutschland" und "Pegida" nur kurzfristig Auftrieb verschaffen, sagt der Wahlforscher Matthias Jung. Langfristig werde die AfD dadurch keine Wählerstimmen gewinnen und "Pegida" nicht mehr Einfluss bekommen.

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Frauke Petry, AfD-Landtagsvorsitzende in Sachsen, traf sich am Donnerstag mit den Organisatoren der Pegida-Protestmärsche zum Gespräch.
Frauke Petry, AfD-Landtagsvorsitzende in Sachsen, traf sich am Donnerstag mit den Organisatoren der Pegida-Protestmärsche zum...Foto: dpa

Der Leiter der Forschungsgruppe Wahlen, Matthias Jung, rechnet nicht damit, dass der Anschlag auf die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" der AfD langfristig mehr Wählerstimmen bringen wird. "Die Anschläge werden vermutlich kurzfristige Auswirkungen haben, aber langfristig werden sie der Alternative für Deutschland nicht nutzen", sagte Jung dem "Tagesspiegel".

"Die Partei hat 2015 eine Durststrecke vor sich, da keine größeren Landtagswahlen anstehen, eine so heterogene Partei wie die AfD aber ein Dauerfeuer von Erfolgen braucht, die sie über die internen Konflikte hinwegträgt", sagte Jung. "Erst 2016 wird sich wirklich herausstellen, ob die AfD sich langfristig in der deutschen Parteienlandschaft etablieren kann."

 

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD, Alexander Gauland, hatte in der Reaktion auf den Anschlag gesagt, dass diejenigen, die bisher "die Sorgen der Menschen vor einer drohenden Gefahr durch Islamismus ignoriert oder verlacht" hätten durch diese Bluttat Lügen gestraft würden. Die Vorsitzende der sächsischen Landtagsfraktion, Frauke Petry, hatte sich am Mittwoch mit den Organisatoren der "Pegida"-Protestmärsche zum Gespräch getroffen

 

Auch für "Pegida" rechnet Jung mit keinem wachsenden gesamtdeutschen Einfluss.  "Es kann durchaus sein, dass die Bewegung durch die Anschläge in Paris Zulauf bekommt. Aber es gibt in Deutschland 60 Millionen Wahlberechtigte, selbst 50.000 Demonstranten wären dagegen ein verschwindend geringer Teil", sagte Jung. "Das hat man zum Beispiel auch bei Stuttgart 21 gesehen. Die Demonstrationsbilder waren beeindruckend, als es dann aber zur Abstimmung kam, ergab sich ein ganz anderes Meinungsbild."



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