Politik : Wahlhilfe aus Moskau

Putin will einen Machtwechsel in Kiew verhindern

Thomas Roser[Warschau]

Einmischungen in „innere“ Angelegenheiten seines Landes pflegt Wladimir Putin sich stets streng zu verbitten. Doch selbst mischt der russische Präsident beim Wahlkampf im Nachbarland Ukraine munter mit. Unbedingt will Moskau die Machtübernahme von Oppositionschef Viktor Juschtschenko verhindern, der den größten Flächenstaat Europas in die Nato führen will. Nachdrücklich macht sich der Kreml darum vor der Wahl am Sonntag für den von Amtsinhaber Leonid Kutschma zum Kronprinzen gekürten Premier Viktor Janukowitsch stark.

Offiziell ist Russlands Staatschef zu den flugs vor den Wahltermin angesetzten Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Befreiung der Ukraine nach Kiew gereist. Putin diene Janukowitsch als Zugpferd, wettert daher die Opposition. Tausende von Janukowitsch-Plakaten wurden zudem in Moskau aufgehängt, um bei ukrainischen Arbeitsemigranten für Putins Statthalter im Nachbarland zu werben. Selten hat sich Putin so oft mit einem ukrainischen Premier gezeigt wie in den vergangenen Wochen. Die Gesten garnierte der im russischsprachigen Osten der Ukraine durchaus populäre Kremlchef in Kiew mit Versprechen: zollfreie Gaslieferungen und Erleichterungen im Reiseverkehr.

Eine noch engere Anbindung an das frühere Mutterland, das die Unabhängigkeit der einstigen Sowjetrepublik nie so richtig akzeptiert hat, wäre der Preis, den die Ukraine bei einem Wahlsieg von Janukowitsch zu zahlen hätte. Keineswegs wolle er die Wiederherstellung der Sowjetunion, versicherte Putin in Kiew. Doch die Rückgabe des Marinestützpunkts auf der Krim, die stärkere Berücksichtigung russischer Investoren bei der Privatisierung von Staatsbetrieben, der Abschied von allen Nato-Ambitionen und die Verzögerung der Beitrittsverhandlungen mit der Welthandelsorganisation WTO sind weitere Punkte auf der Wunschliste des Kreml.

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