Politik : Wahlkampf: Hauptquartier auf bayerisch

Albert Funk

Edmund Stoiber und Angela Merkel haben sich am Donnerstag einfach mal ein bisschen mehr Zeit genommen. Der Kandidat und die CDU-Chefin überzogen deutlich bei ihrem ersten Treffen nach der Entscheidung in der K-Frage. Von 11 Uhr 30 bis kurz vor 14 Uhr, viel länger als angekündigt, diskutierten die beiden in Berlin die zunächst wichtigsten Wahlkampffragen: Wer organisiert was mit wem und wo? Das klingt einfach, ist aber ein diffiziles Geschäft. Das Ergebnis: Im Konrad-Adenauer-Haus, der CDU-Zentrale, wird auch die Wahlkampfzentrale sein. In der Klingelhöferstraße in Berlin-Tiergarten also, am Dienstsitz von Merkel, werden die organisatorischen Linien von Stoibers Wahlkampf geprägt. Eine "Kampa" nach SPD-Vorbild, also ein Wahlkampfführungsbüro außerhalb der Parteizentrale, soll es nicht geben.

Stoibers "Kampa" wird nämlich im Adenauer-Haus etabliert. Ein "Stoiber-Team" soll dort schon bald seine Arbeit aufnehmen, "eingebunden" in die Mannschaft des Adenauer-Hauses, wie Merkel sich zu erklären beeilte. Das "Stoiber-Team" solle, sagte die CDU-Vorsitzende, in besonderem Maße das "Profil des Kanzlerkandidaten in den Wahlkampf einführen" und damit den Wahlkampf der beiden Schwesterparteien ergänzen. "Wahlkampf aus einem Guss" versprach Merkel, während Stoiber dezidiert von einem "hohen Maß an Gleichklang" sprach. Die Union habe eine echte Chance, Rot-Grün im Herbst abzulösen, sagte er. Bis dahin aber sei es ein Marathonlauf, und die ersten drei, vier Kilometer habe man ja auch gut hinter sich gebracht, mahnte der CSU-Chef. Merkel wiederum stellte, um Missverständnisse auszuschließen, klar: "Das Stoiber-Team ist keine politische Institution, es ist ein Organisationsteam." Stoiber klang da etwas unschärfer.

Noch ein Team haben die beiden Unionsspitzen am Donnerstag in die Welt gesetzt. Nicht etwa das Kompetenzteam, auch Schattenkabinett genannt, das frühestens in der kommenden Woche benannt werden soll. Nein, eine politische Führungsmannschaft wird aufgestellt, zuständig für die inhaltlich-strategische Wahlkampfplanung, von Stoiber auch "politisches Headquarter" genannt. Mitglieder sind die beiden Parteichefs, die Bundestagsfraktionsführung in Gestalt von Friedrich Merz und Michael Glos, die beiden Generalsekretäre Laurenz Meyer und Thomas Goppel, daneben wichtige Landesvorsitzende wie Christian Wulff und Jürgen Rüttgers und, je nach Thema, die CDU-Ministerpräsidenten, dazu Ex-Parteichef Wolfgang Schäuble, wegen seiner "programmatischen Fähigkeiten und Interessen", wie Stoiber anmerkte. Er gab auch bekannt, dass CSU-Vize und Ex-Gesundheitsminister Horst Seehofer, den man bislang als "gesetzt" für das Kompetenzteam glaubte, diesem Führungsteam angehören soll.

Auch der Leiter des "Stoiber-Teams", das "fünf bis acht Mitarbeiter" haben wird, ist Teil des "Headquarters", was den Rang dieses Teammanagers dokumentiert. Stoiber wies den Tagesspiegel-Bericht vom Donnerstag nicht zurück, dass die Position vom früheren hessischen Staatskanzleichef Franz Josef Jung übernommen wird.

Gefährliche Nähe

Nach dem neuen Zuschnitt der Bundestagswahlkreise liegen SPD und CDU in 42 Wahlkreisen bei den Erststimmen eng beieinander, in zwei Wahlkreisen wird der Kampf um das Direktmandat zwischen SPD und PDS entschieden. Das geht aus einer Studie der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung hervor, die am Donnerstag in Berlin veröffentlicht wurde. Darin wird das Ergebnis der Bundestagswahl 1998 auf die neu geordneten Wahlkreise umgerechnet. Schon bei Verlusten von zwei bis drei Prozent würde die SPD rund 50 Wahlkreise verlieren, sagte Stephan Eisel, Innenpolitik-Chef der Stiftung. Knapp wird es für vier rot-grüne Minister: Im (unveränderten) Wahlkreis von Arbeitsminister Riester unterlag der damalige SPD-Bewerber mit 31 Stimmen Rückstand, und Verkehrsminister Bodewig hätte in seinem (veränderten) Wahlkreis jetzt nur noch 412 Stimmen Vorsprung. Verteidigungsminister Scharping und Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul lagen 1998 in ihren Wahlkreisen mit jeweils 3000 Stimmen vorne. sac

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