Wahlkampf im Fernsehen : Schafft die Elefantenrunden ab

„Elefantenrunden“ sind in Medienzeiten, in denen der Konsument unter Dauerfeuer steht, obsolete Veranstaltungen. A-Hörnchen und B-Hörnchen beten vor laufender Kamera ihre Parteiprogramme runter und bekommen rote Köpfe. Absetzen wäre eine Alternative.

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Alte Elefantenrunde. Vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2011 trafen sich die Spitzenkandidaten in einem SWR-Fernsehstudio zum Meinungsaustausch. In diesem Jahr sorgt die Ausladung der AfD für Diskussionen. Foto: dpa
Alte Elefantenrunde. Vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2011 trafen sich die Spitzenkandidaten in einem SWR-Fernsehstudio...Foto: dpa

Weinköniginnen, die CDU-Spitzenkandidatinnen werden, FDP-Politiker, die Weinköniginnen küssen, „Tatorte“, wo Weinköniginnen um die Ecke gebracht werden. Das ist, im Groben und Ganzen gesehen, Rheinland-Pfalz. Nun hat es das gerne übersehene Bundesland auf die bundespolitische Agenda geschafft: Spitzenpolitik und Südwestrundfunk streiten sich um die Besetzung der „Elefantenrunde“ im SWR-Fernsehen am 10. März. Das könnte als typische Provinzposse in Deutsch-Südwest abgetan werden, aber vor diese Perspektive hauptstädtischer Arroganz schiebt sich der Wahlkalender 2016. Es werden am 13. März die Landesparlamente in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, am 4. September der Landtag in Mecklenburg-Vorpommern und dann, am 18. September, das Abgeordnetenhaus in Berlin gewählt.

Die Elefantenrunde ist ein Fernsehstück in wenigstens fünf Fortsetzungen

Soll mal keiner glauben, dass nur der Südwestrundfunk sich sein Senderporzellan von den Polit-Elefanten zertrampeln lässt. NDR, MDR und Rundfunk Berlin-Brandenburg werden mindestens so wenig souverän agieren, wenn es um die Einladungen an CDU, SPD, AfD, FDP, Piraten, Linke, NPD und Grüne geht. Die „Elefantenrunde“, das ist ein Fernsehstück in wenigstens fünf Fortsetzungen.

Absetzen wäre eine Alternative. „Elefantenrunden“ sind in Medienzeiten, wo der Konsument unter Dauerfeuer steht, wenn er nicht selber über Netzwerke und Twitter den Mitbürger behelligt, obsolete Veranstaltungen. A-Hörnchen und B-Hörnchen beten vor laufender Kamera ihre Parteiprogramme runter, bekommen rote Köpfe, wenn ins Wort gefallen wird, es geht um Haltungsnoten, ein „Dschungelcamp“ ohne die Notrufsäule „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“.

Das alltägliche Fernsehformat der „Elefantenrunde“ ist die Talkshow. Wer käme auf die Idee, dass von diesen Runden Klärungsenergie ausgeht? Die wirkliche Wirklichkeit gegenüber dem stets aufgerufenen Thema der Flüchtlingspolitik ist so viel vertrackter, als jeder Stundentalk zielführend behandeln könnte.

Da kommt die AfD-Herausforderung gerade recht, ob den Rechtspopulisten Sitz und Stimme in Talkshows und in „Elefantenrunden“ gegeben wird. Damit lassen sich – siehe Rheinland-Pfalz – viele Tage und, da weitere Landtagswahlen anstehen, viele Wochen zubringen. Vielleicht ist bis zum 18. September die Umgangsfrage geklärt, vielleicht auch nicht. Das Jahrhundertthema wird es nicht sein. Politik, Sender und Zuschauer jedoch werden sich abgelenkt haben können. Törööö, trompetet die Benjamin-Blümchen-Republik.

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