Wahlkampf in NRW : Wie Röttgen sich selbst in die Bredouille bringt

Im Wahlkampf erkennt man Verlierer daran, dass sie über Inhalte reden wollen. Das erlebt Norbert Röttgen, der Kopfmensch, gerade in Nordrhein-Westfalen, wo er sich selbst zum Problem wird.

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Aus den Augen der Kinder. Norbert Röttgen in der Wuppertaler Schwebebahn. Sein Wahlkampf der Schuldenbegrenzung ist den Leuten vielleicht eine Nummer zu hoch. Foto: dpa
Aus den Augen der Kinder. Norbert Röttgen in der Wuppertaler Schwebebahn. Sein Wahlkampf der Schuldenbegrenzung ist den Leuten...Foto: dpa

Es klebt ihm an den Füßen, zäh wie schwarze Wagenschmiere, und jedes Mal, wenn er es abzuschütteln versucht, schmiert es sich nur noch breiter. Am Sonntagabend bei Günther Jauch ist es wieder mal so weit. Der Zeitpunkt wäre eigentlich günstig für ihn, Schleswig-Holstein hat gewählt, er ist nächste Woche dran, die Talkshow im Ersten eine letzte Profilierungschance für Wahlkämpfer. Norbert Röttgen kommt gar nicht erst so weit. Er muss sich schon wieder einen Film-Zusammenschnitt angucken, der ihn, den CDU-Spitzenkandidaten, beim Rumeiern zeigt über seine politische Zukunft in- oder außerhalb Nordrhein-Westfalens für den Fall der Niederlage.

Und, fragt der Moderator anschließend, was ist nun, als Oppositionsführer nach Düsseldorf gehen oder als Umweltminister in Berlin bleiben? „Wir machen es, wie wir gesagt haben“, sagt Röttgen. Nämlich wie? Dass sie nachher in der CDU miteinander ... „Er bleibt in Berlin, aber er sagt es nicht“, resümiert Jauch.

Röttgen protestiert noch – „Das ist unfair!“ –, aber das nützt auch nichts mehr. Erstens, weil Jauch recht hat – wozu denn sonst das Rumgeeiere? Und zweitens, weil Markenzeichen in Wahlkämpfen früh vergeben werden. An Röttgen baumelt das Etikett des Mannes, der selbst nicht glaubt, dass er Ministerpräsident wird. „Wer vom Start nicht wegkommt“, kommentiert das ein nordrhein-westfälischer Parteifreund, „der geht nicht mehr als Erster durchs Ziel.“

Es ist ein Rätsel, wieso sich einer in eine derartige Bredouille bringt, den sie in Berlin in einer Art widerwilligem Respekt „Muttis Klügsten“ nennen. Sicher, die Neuwahl kam überraschend; die rot-grüne Minderheitsregierung stürzte im März über eine juristische Spitzfindigkeit, ein gar nicht ernst gemeintes Nein der FDP wurde plötzlich zum Aus für den Haushaltsentwurf. Aber dass die Frage nach seinen Prioritäten auf ihn zukommen würde, hat Röttgen wissen müssen, seit die NRW-CDU ihn, den Bundespolitiker, per Mitgliederentscheid dem Landes-Konkurrenten Armin Laschet vorzog. Er hatte genug Zeit, über eine Antwort nachzudenken. Vielleicht war es zu viel Zeit? Man kann auch zu intelligent sein für die praktische Politik.

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