Wahlkampf in Polen : Oppositionsführer Kaczynski warnt vor Merkel

Vor der Parlamentswahl in Polen am Sonntag wird der Ton schärfer. Jaroslaw Kaczynski nährt die Furcht, Angela Merkel wolle Polen unterwerfen und ein Black-Metal-Sänger verschreckt die Christen.

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Gegen Black-Metal-Sänger Adam Darski machen Bischöfe mobil.
Gegen Black-Metal-Sänger Adam Darski machen Bischöfe mobil.Foto: dpa

Leise Töne haben im polnischen Wahlkampf gerade wenig Konjunktur. In einem wenige Tage vor der Parlamentswahl am Sonntag erschienenen Buch wirft der polnische Oppositionsführer und Chef der nationalkonservativen Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS), Jaroslaw Kaczynski, der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, Polen unterwerfen zu wollen. „Wir könnten eines Tages in einem kleineren Polen aufwachen“, warnte er.

Auch der rechtskonservative Abgeordnete Jan Dziedziciak ist empört. Allerdings über etwas anderes: Im Sejm, dem polnischen Parlament, klagte er, nun würden auch in Polen Christen angegriffen. Die PiS-Fraktion bastelte an einer Protestnote an das Staatsfernsehen TVP. Grund des Aufruhrs war nicht eine neue angebliche Beleidigung von Jaroslaw Kaczynski, sondern der polnische Black-Metal-Sänger Adam Darski, genannt Nergal.

Der tätowierte Musiker wurde als Casting-Juror der bei Jugendlichen beliebten Fernsehshow „The Voice of Poland“ verpflichtet. Das Problem der Kaczynski-Partei dabei ist, dass Darski vor vier Jahren während eines Konzertes seiner Band Behemoth eine Bibel zerrissen hatte. Seitdem gilt Adam Darski als Satanist.

Ein Gericht sprach ihn danach zwar vom Vorwurf der Verletzung religiöser Gefühle frei, doch das Urteil der unabhängigen Justiz gilt unter aufrechten polnischen Rechten wenig. Deshalb haben Rechtskonservative mit dem Segen der Bischöfe sofort begonnen, vor der Sonntagsmesse Unterschriften gegen Nergal und TVP zu sammeln. Wahlbroschüren der PiS-Kandidaten werden dabei auch gleich unters Volk gebracht.

Teile der polnischen Bischofskonferenz unterstützen sogar einen Boykott der Zahlung von Gebührengeldern. „Die Beschäftigung eines bekennenden Satanisten, eines Menschen ohne Kultur, im öffentlichen Fernsehen überschreitet alle Grenzen des Anstands“, protestiert der beim Episkopat für Kulturfragen zuständige Bischof Wieslaw Mering in einem offenen Brief. „Ich vergebe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, kommentiert der angegriffene Entertainer die Aufregung. Satan sei für ihn nichts anderes als eine literarische Figur, die Bühne sei sein persönliches Theater, sagt er in einem Interview mit der polnischen Ausgabe von „Newsweek“. „Die ganze Aufregung ist nur Werbung für mich und meine Ansichten; danke schön und bitte mehr davon“, sagt Darski.

Doch so kurz vor den Wahlen konnte selbst Kaczynski Nergals Versuchungen nicht widerstehen. Er pilgerte kurzerhand ins polnische Nationalheiligtum Jasna Gora nach Czestochowa (Tschenstochau) und forderte sinngemäß: Entweder ich werde neuer Premierminister, oder Nergal wird neuer TVP-Chef. Er scheint mit seiner Kampagne einen Nerv im Wahlvolk zu treffen. Nach neuen Meinungsumfragen hat Jaroslaw Kaczynskis PiS gute Chancen, stärkste Partei zu werden. Nach einer am Montag veröffentlichten Umfrage erhielte die PiS 29,1 Prozent der Wählerstimmen. Die liberale Bürgerplattform (PO) von Ministerpräsident Donald Tusk bekäme nur einen Prozentpunkt mehr. (mit AFP)

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