Wahlkampf-Kolumne : Als wäre Abwracken ein Menschenrecht

Umweltpolitik im Wahlkampf: Politikredakteurin Dagmar Dehmer über Nebenwirkungen, die verschwiegen werden.

Dagmar Dehmer
«Bild» - Abwrackprämie vor Wahl aufgebraucht
Abwracken bis zur Wahl, und dann?Foto: dpa

Die schwierigste Herausforderung für die neue Bundesregierung – wer auch immer ihr angehören wird – dürfte die Abschaffung eines  neuen Menschenrechts sein: der Abwrackprämie. Nachdem die derzeitige Bundesregierung den Autorausch der Deutschen mit einer Erhöhung der Prämie von 1,5 Milliarden auf fünf Milliarden Euro  weiter befeuert hat, lautet die Frage: Wie kommt das Land von der Droge wieder runter. Denn die Abwrackprämie mag einigen Autobauern, die sich jahrelang erfolgreich geweigert haben, spritsparende Autos zu produzieren, geholfen haben, nicht gleich in den Ruin zu fahren. Doch wenn  die Prämie aufgebraucht ist,  wird die Krise diese Hersteller umso härter treffen.

Die Abwrackprämie hat aber noch andere negative Nebenwirkungen. Der Gebrauchtwagenmarkt ist fast komplett zusammengebrochen. Der Export von Gebrauchtwagen nach Osteuropa und nach Westafrika ist nahezu zum Erliegen gekommen. Was auch Vorteile hat, weil weniger komplett fahruntüchtige Schrottkarren nach Nigeria oder Ghana gebracht werden, für die es dort keine umweltgerechte Entsorgung gibt. Doch im Abwrackrausch sind auch viele Autos in der Schrottpresse gelandet, die noch deutlich mehr als 2500 Euro wert gewesen wären, und das Niveau der Autoflotte in Westafrika hätten beträchtlich heben können.

Aber überhaupt die Entsorgung: Autoteile haben wegen des Überangebots massiv an Wert verloren.  Und auch die Preise für die aus Autos  gewinnbaren Rohstoffe vom Platin aus den Katalysatoren bis zum Schrott selbst sind im Keller. Diese Märkte für Sekundärrohstoffe, die ohnehin in der Wirtschaftskrise leiden, werden von der Abwrackprämie komplett ruiniert. Doch über die Schattenseiten der Prämie will im Wahlkampf kein Politiker reden. Dabei werden sie wohl einige Zeit investieren müssen, um diese Märkte nach der Wahl wieder irgendwie in Ordnung zu bringen.

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