Wahlkampf-Kolumne : Auf die linke Tour

"Reichtum für alle", "Reichtum besteuern" - das sind zwei Slogans einer Partei: der Linken. Klingt widersprüchlich? Ist es aber nicht. Robert Birnbaum enthüllt den Plan von Oskar Lafontaine.

Robert Birnbaum
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Erst Reichtum für alle, dann Reichtum besteuern? Die Linke verulkt nicht - sie hat einen Plan. -Foto: dpa

Wäre Oskar Lafontaine nie Bundesfinanzminister gewesen, könnte man an eine Panne glauben. Tun ja auch viele und machen sich lustig. Zwei Plakate hängt Oskars neue Partei derzeit an die Laternenpfähle: „Reichtum besteuern“ fordert das eine, „Reichtum für alle“ das andere. Ulkig! Aber es ist gar nicht zum Lachen. Es ist auch keine Panne. Es ist ein Plan.

Oskar nämlich, falls er an die Macht kommt, wird sich an seine Wahlplakate halten. Er wird die Reichen besteuern, dass es kracht. Das Geld wird er den Armen geben. Bis dahin kein Problem – wäre nicht das Robin-Hood-Dilemma. Auch der edle Räuber aus dem Sherwood Forest hat den Reichen genommen und den Armen gegeben. Leider waren die Armen daraufhin reich. Reiche gehören beraubt. Das macht sie zu Armen. Und so fort.

Was im britischen Hinterwald mühselig von Hand und mittels Brandpfeilen umverteilt werden musste, vollzieht sich im modernen Staat als Verwaltungsakt. In Oskar-Land wird also jeder Reiche zum Finanzamt wandeln, von da als Armer zum Sozialamt, von dort als Neureicher zum Finanzamt – und so weiter. Die Armen beginnen beim Sozialamt, danach stecken auch sie im Perpetuum mobile der Gerechtigkeit. Immer schneller wird es drehen, alles Volk wird von Amt zu Amt hetzen, mal arm, mal reich, aber zunehmend atemlos.

Da werden sie stöhnen und flehen, dass jemand sie erlöse. Genau da schlägt Oskars Stunde. Es ist ja so einfach. Der Finanzminister stoppt die Überweisungen vom Finanzamt zum Sozialamt. Binnen kurzem wird das ganze Volk sich beim Sozialamt sammeln, vor verschlossenen Schaltern stehen – und aufatmen. Erschöpft, aber dankbar. Sie werden Oskar die Füße küssen, ihm, ihrem Retter.

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