Wahlkampf-Kolumne : Kinder an die Macht

Mehr als 125.000 Kinder und Jugendliche haben in der zurückliegenden Woche bundesweit beim zweiten Wahlprojekt "U18" die Bundestagswahl simuliert. Antje Sirleschtov möchte aber viel lieber wissen, wie ihre eigene Tochter wählt.

Antje Sirleschtov
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Wen würden Jugendliche bei der Bundestagswahl wählen, wenn sie dürften? -Foto: dpa

Sarah hat ihre Stimme zur Bundestagswahl abgegeben. Sie ist zwölf, na ja, bald 13, und nimmt ihr Wahlrecht bitterernst. Vorige Woche hat sich die ganze Schulklasse auf den Weg gemacht, um den örtlichen Wahlkreiskandidaten auf die Finger zu schauen. Live-Duell, sozusagen. Der Mann von der SPD war einfach nicht gekommen. Sarah hat ihn gnadenlos von der Liste gestrichen, „Frechheit“, sagt sie. Auch Grüne wird das Kind wohl nicht gewählt haben. Hat nichts von dem verstanden, was die Grünen zum Besten gaben. CDU? Eher denkbar: Frau Merkel steht zwar in Berlin nicht zur Abstimmung, war deshalb natürlich auch nicht anwesend. Aber auf Plakaten natürlich omnipräsent. Ihre schönen Halsketten haben Sarah beeindruckt. Bei der letzten Bundestagswahl, 2005, gab’s übrigens Krach im Wahllokal. Der neugierige Wunsch der damals Achtjährigen, die Mutter in die Wahlkabine begleiten zu dürfen, wurde schroff zurückgewiesen. „Die nicht, die ist schon zu groß.“ Wahlgeheimnis! Was die Eltern, auch neugierig, jetzt auszubaden haben. Wer ihre Stimme bekommen hat, will Sarah nicht preisgeben. Wahlgeheimnis!

Mehr als 125.000 Kinder und Jugendliche haben in der zurückliegenden Woche bundesweit beim zweiten Wahlprojekt „U18“ die Bundestagswahl simuliert. Was herausgekommen ist? Gerhard Schröder hat den jungen Leuten offenbar weit mehr imponiert als Frank-Walter Steinmeier. Halbiert hat sich das Ergebnis der SPD im Vergleich zu 2005! Dennoch liegen die Sozialdemokraten mit 20,4 Prozent vorn. Beinahe gleichauf mit den Grünen (19,9) und der CDU (19,3). Tierschutz- und Piratenpartei säßen auch im U-18-Parlament. Nur sehr knapp unter der Fünf-Prozent-Grenze blieb übrigens die NPD. Wobei die Rechten beim sächsischen Nachwuchs offenbar so stark punkten konnten, dass sie mit fast 13 Prozent ernst zu nehmender Regierungspartner werden würden. Da machen Eltern, Lehrer und Politiker wohl zu viele Geheimnisse um das Thema Demokratie.

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