Wahlkampf : Mit Kümmerern in Neukölln

Heinz Buschkowsky kennt sich aus in Neukölln. Und dort ist, wie im Rest Berlins, bald Wahlkampf. Sigmar Gabriel sollte ihn eröffnen. Für den SPD-Chef war der Ortstermin auch ein willkommener Anlass, seine Strategie gegen die Grünen weiter zu testen.

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Sigmar Gabriel und Heinz Buschkowsky.
Sigmar Gabriel und Heinz Buschkowsky.Foto: Reuters

Um Reichweiten geht es, als Sigmar Gabriel in Neukölln ankommt. Der Rütli Campus, der früher Rütli-Schule hieß, war einmal das, was Gabriel gemeint haben muss, als er zu Beginn seiner Amtszeit als SPD-Chef davon sprach, dass seine Partei wieder dorthin gehen müsse, wo es riecht und stinkt. Und an der Rütli-Schule, so kann man wohl sagen, hat es regelrecht gemüffelt. Einer war schon häufiger dort, der Mann, der Gabriel am Tor empfängt: Heinz Buschkowsky, Bezirksbürgermeister, aber eigentlich viel mehr. Als „Fachmann für Menschen“ und als „Anwalt von Neukölln“ wird ihn Gabriel später loben. Als einen, der „Politik nicht nur mit dem Kopf, sondern mit vollem Herzen macht“. Gabriel klopft Buschkowsky auf die Schulter und zeigt auf die Hochhäuser Neuköllns mit ihren Satellitenschüsseln, die wie Wahrzeichen auf den Dächern thronen. „Na, die müssen ja eine riesige Reichweite haben“, sagt Gabriel zu Buschkowsky, der nur erwidert: „Für Al Dschasira reicht’s“.

Buschkowsky kennt sich aus in Neukölln. Und dort ist, wie im Rest Berlins, bald Wahlkampf. Gabriel soll ihn am Montagabend eröffnen. Für einen Mann, einen SPD-Unterbezirk, der von sich selbst sagt, dass ihm in der Partei nicht immer die Herzen zufliegen. Gabriel gehört nicht dazu. Er ist Fan, gibt sich selbst gern als Kümmerer. Nur kann er seiner Partei oft nur in kleinen Dosen „Buschkowsky“ verabreichen. Aber er weiß, dass Buschkowsky, weil er bereit war, den Mist in seinem Bezirk zu inhalieren, seiner Partei vor Ort einen neuen Duft verpasst hat: den des Erfolgs.

Ob er sich noch mal einstellt in der kommenden Landtagswahl ist völlig offen. Auch am Montagabend treibt einige Genossen eine Sorge um: die Grünen. Sogar von Gefahr ist die Rede. Auch Buschkowsky gibt zu: „Es gibt auch bei uns Ecken, wo die Grünen um die 50 Prozent erzielen können. Dagegen stinken wir nicht an.“ Vorsorglich hat Buschkowsky die SPD schon mal zur „größten Bürgerinitiative Deutschlands“ erklärt. Für Gabriel ist der Montagabend somit ein willkommener Anlass, seine Strategie gegen die Grünen weiter zu testen. Man sei auch für eine Energiewende, aber sie müsse bezahlbar sein. Er legt ein Bekenntnis zur Industrie ab und bekommt viel Applaus für die Feststellung, dass es bei der SPD keine gute linke und schlechte rechte Gewalt gebe. Das Credo seiner Anti-Grünen-Strategie lautet: „Wir haben nichts gegen das Lebensgefühl in Prenzlauer Berg, aber man muss Neukölln schon auch kennen.“

Buschkowsky tut das. Sein Wirkungsgrad ist aber größer. Denn beide wissen, dass Neukölln nicht nur in Berlin liegt. Gabriel bietet zum Schluss noch seine Hilfe an, „wenn ihr das nicht als schädlich empfindet“. Tatsächlich ist es eher umgekehrt. Buschkowsky hilft mit seiner Popularität vor allem dem Parteichef.

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