Wahlkampf : Obama führt wieder vor Clinton

Barack Obama redet sich wieder vor Hillary Clinton. Seine Äußerungen zur Rassenfrage verschaffen ihm Wählerstimmen.

Christoph von Marschall

WashingtonDer dunkelhäutige Präsidentschaftsbewerber Barack Obama hat mit seiner viel beachteten Rede zur Rassenfrage die Zweifel an seiner Haltung fürs Erste beseitigt. Darin hatte sich Obama am vergangenen Dienstag in Philadelphia von radikalen Aussagen seines Pfarrers Jeremiah Wright distanziert, aber zugleich um Verständnis gebeten für die schwarze Befreiungstheologie und den Zorn, den viele Afroamerikaner noch immer gegen Weiße wegen der langjährigen Diskriminierung hegen. Die Rede wurde über Ostern zur Vorlage für unzählige Predigten quer durch die USA.

Die erste Gallup- Umfrage, die auf Wählerbefragungen nach der Rede beruht, sieht ihn mit drei Prozentpunkten in Führung vor Hillary Clinton. Am Donnerstag hatte das Institut Clinton zum ersten Mal seit Februar vorn gesehen, mit sieben Prozentpunkten. Dieser Wert basierte auf Befragungen vor der Rede. Als Ursache nannte Gallup die Kritik an Obamas Pfarrer, den Republikaner als „Hassprediger“ bezeichnen. Wright hatte behauptet, die US-Regierung habe Aids ausgelöst, um „Genozid“ an den Schwarzen zu begehen, und das Land sei selbst schuld, dass es zum Opfer des Terrorangriffs am 11. September 2001 wurde. Gallup war das einzige Institut, das solche Ausschläge und eine vorübergehende Führung für Clinton maß. Im Schnitt der übrigen Demoskopen liegt Obama seit Wochen drei bis sechs Prozentpunkte vor Clinton.

Die Medien hatten Obamas Auftritt gelobt. Die „New York Times“ schrieb, es sei die „ehrlichste“ und „beste“ Rede zur Rassenfrage seit Jahren gewesen. Offen blieb, ob die Bürger die Debatte so intensiv verfolgen wie die Medien. Im Spiegel aller Umfragen hat sich die Bevölkerung wohl weniger mit Wrights Äußerungen befasst als die Medien und anschließend weniger mit Obamas Rede. Kommentatoren warnen, Obama habe den Aufruhr um seinen Pfarrer nicht endgültig überwunden. Die Republikaner würden das Thema im Hauptwahlkampf neu beleben. Christoph von Marschall

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