Wahlkampf : SPD will 300 Euro Lohnsteuerbonus per Postkarte

In der Union gab es einst den Wunsch, eine Steuererklärung auf dem Bierdeckel abgeben zu können. Die SPD hat nun eine ähnlich verlockend klingende Idee, mit der sie im Wahlkampf punkten will: Einfach eine Postkarte ans Finanzamt, und schon erhält man 300 Euro Lohnsteuerbonus.

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Soll laut SPD überflüssig sein: Die mühsame Steuererklärung. -Foto: dpa

MünchenDie SPD will nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" mit dem Versprechen eines Lohnsteuerbonus von 300 Euro (600 Euro für Verheiratete) in den Bundestagswahlkampf ziehen. Den Betrag sollen demnach all jene Steuerzahler erhalten, die neben ihrem Lohn keine weiteren Einkünfte haben und auf eine Steuererklärung verzichten.

Dafür soll es reichen, dem Finanzamt per Postkarte den Verzicht auf die Erklärung mitzuteilen. Wer Einkünfte aus Vermietungen oder anderen Quellen bezieht, muss weiterhin eine Steuererklärung abgeben. Adressaten des neuen Bonus sollen zwei Gruppen sein: Alle Bürger, die bislang keine Steuererklärung abgegeben haben, sowie alle Beschäftigten, die mit einer Erstattung von weniger als 300 Euro rechnen.

Ziel dieser Prämie sei eine Entbürokratisierung des Steuerwesens und Hilfe insbesondere für Klein- und Durchschnittsverdiener. Unter ihnen fänden sich die meisten Steuerzahler, die neben ihrem Lohn keine Einkünfte hätten, hieß es laut "SZ" am Mittwoch in den Parteikreisen. Für diese Prämie wollen die Sozialdemokraten rund drei Milliarden Euro zur Verfügung stellen, die sie mit einer neuen Börsenumsatzsteuer einzunehmen hoffen.

Offenbar ist höhere Reichensteuer geplant

In der SPD-Spitze wurde der Zeitung zufolge auch eine höhere Reichensteuer vereinbart. Den Eingangssteuersatz wollen die Sozialdemokraten auf fast zehn Prozent senken. Bisher war parteiintern immer von einer Reduzierung auf zwölf Prozent die Rede gewesen. Weitergehende Steuersenkungen, etwa bei der von der Progression stark betroffenen Mittelschicht, seien nicht geplant, hieß es. Anders als noch vor einem Jahr angekündigt, will die SPD demnach in ihrem Wahlprogramm keine Senkung von Lohnzusatzkosten versprechen. Damit vollzieht die Partei auch als Folge der Finanzkrise einen Kurswechsel.

Die Parteiführung will am Donnerstag über das Wahlprogramm beraten. Vorstand und Parteirat sollen es am Samstag billigen.(sba/AFP)

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