Wahlkampf : Steinmeier werkelt an seinem Schattenkabinett

Junge Frauen für den Kandidaten: Frank-Walter Steinmeier will sein künftiges Kabinett präsentieren. Einige der SPD-Kandidatinnen sind reichlich unbekannt.

Michael Schlieben

Nein, die Super-Nanny ist nicht im Gespräch. Zwar tourt die RTL-Pädagogin Katharina Saalfrank derzeit mit dem SPD-Generalsekretär Hubertus Heil durch die Republik – und spricht über gute Erziehung, über Normen und Werte. Aber als Ministerin ist Frau Saalfrank dem Vernehmen nach nicht vorgesehen. Sie selbst versicherte jüngst auf einer Pressekonferenz, dass sie keinen Platz in einem möglichen Kabinett Steinmeier anstrebe. Dafür sickerten an diesem Wochenende andere Namen durch.

Schon vor gut einer Woche hatte Steinmeier bekannt gegeben, mit einem "starken Team" aus SPD-Politikern in den Wahlkampf zu gehen. "Ich will, dass unser starkes Programm auch mit starken Personen verbunden wird", sagte Steinmeier. Einen genauen Termin nannte er nicht. Bloß, dass man sich nicht mehr "allzu lange" gedulden werden müsse. Seit Tagen, so hört man, feilen Steinmeiers Berater in der Parteizentrale an Profilen und diskutieren Namen.

Steinmeiers Kandidatin für das Bildungsressort ist die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen. Die 44-Jährige ist stellvertretende Landeschefin in Mainz – und wird auch seit Jahren schon immer wieder als mögliche Nachfolgerin von Kurt Beck gehandelt. Sie ist seit 2001 Ministerin, mit 36 Jahren war sie damals jüngstes Mitglied in Becks Kabinett. Sie soll zur sozialdemokratischen Gegenspielerin Ursula von der Leyens aufgebaut werden.

Die zweite Landesministerin, die als Kandidatin für Steinmeiers Wahlkampfteam gehandelt wird, ist bundespolitisch noch unbekannter. Sie heißt Manuela Schwesig und ist Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern. Schwesig war bei ihrer Vereidigung im Herbst 2008 mit 34 Jahren die jüngste Landesministerin der Bundesrepublik. Sie gilt als großes Talent ihrer Generation innerhalb der SPD. Eine klassische Parteikarriere hat sie nicht hinter sich, erst mit 29 Jahren trat sie der SPD bei.

Ahnen und Schwesig verbindet nicht nur, dass beide weiblich, jung und relativ unbekannt sind. Sie sind außerdem keine exponierten Vertreterinnen des linken oder rechten Parteiflügels. Vermutlich beruft Steinmeier die beiden Frauen durchaus mit Kalkül: Nach dem Motto, seht her, die SPD ist vital, sie ist weiblich – und hat noch eine ganze Ecke an Talenten in ihren Reihen.

Die sozialdemokratischen Stars der Großen Koalition waren Männer, die schon seit langen Jahren ihre Partei auf höchster Ebene verkörpern: Steinbrück, Scholz, Steinmeier und Müntefering. Vermutlich suchte Steinmeier für sein Wahlkampfteam bewusst ein paar frische Gesichter aus den Ländern, als Kontrapunkte zur etablierten sozialdemokratischen Führungsschicht.

Auch die Vizeparteichefin Andrea Nahles wird einen prominenten Platz in Steinmeiers Team erhalten. Allerdings weniger aus irgendwelchen Quoten-Überlegungen heraus, sondern weil Nahles als heimliche Chefin der Parteilinken ein echter Machtfaktor innerhalb der Partei ist. Ob Nahles ein eigenes Schattenressort erhält, ist jedoch offen. Für "weiche Themen" gilt sie ungeeignet. Das Arbeitsressort, das gut zu ihr passen würde, ist fest besetzt von Olaf Scholz. Hinzu kommt, dass sich beide Hoffnungen machen, Peter Struck als Fraktionschef zu beerben.

Offiziell will Steinmeier sein Team – neuster Stand – erst Ende August vorstellen. Zwischenzeitlich war das erste Juli-Wochenende vorgesehen, bevor alle Politiker in den kurzen Sommerurlaub reisen. In der Partei gibt es Medienberichten zufolge Kritik an dem August-Termin: Viel zu spät sei das, die bislang bundesweit wenig bekannten Politiker könnten sich kaum mehr profilieren.

Spötter hingegen sagen, Steinmeier können sich die Mühe und den möglichen Streit sparen. Dass er im Herbst Kanzler wird und Minister berufen kann, ist nach heutigem Stand äußerst unwahrscheinlich. In aktuellen Umfragen liegt die SPD zwischen 21 und 25 Prozent.

ZEIT ONLINE

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