Wahlpartys : Die Nacht in Washington, die Nacht in Berlin

In Amerika ist die Wahl gelaufen, in Berlin wurde gefeiert und wird nun analysiert. In diesem Blog lesen Sie alles Wichtige über die Wahlpartys der Nacht sowie Reaktionen am Morgen. Aus Washington hat sich unser US-Wahlreporter Fabian Leber eingeschaltet.

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Gewonnen! Berliner Obama-Fans jubeln bei der Wahlparty der US-Botschaft, des ZDF und des Tagesspiegels.Foto: Kai-Uwe Heinrich

8.30 Uhr:

Die skeptischsten Töne kommen am Mitwochmorgen von Frank Henkel, CDU-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, und seinem FDP-Amtkskollegen Martin Lindner. Zwar findet es Henkel "beeindruckend, dass Obama im Wahlkampf keine Fehler machte". Allerdings müsse sich erst noch zeigen, "wie sich seine Politik gestaltet und was sie für Deutschland bedeutet". Bislang sei Obama für ihn nur "ein Mysterium", sagt Henkel. Auch FDP-Fraktionschef Lindner freut sich zwar, "kann aber den allgemeinen Obama-Hype nicht teilen", wie er sagt. Lindner ist skeptisch, was die Umsetzung von Obamas Programm angeht. Trotzdem ist er froh über den Wahlausgang - allerdings vor allem, weil dadurch der Welt eine Vizepräsidentin Sarah Palin erspart blieb, wie Lindner sagt. Und einen Seitenhieb gegen den scheidenden Botschafter William R. Timken hat der FDP-Fraktionschef auch noch übrig: "Für Berlin freue ich mich, dass wir einen neuen amerikanischen Botschafter bekommen, der an die Tradition großer Botschafter wie Burt oder Kornblum anknüpft."

8.20 Uhr: Sozial- und Arbeitssenatorin Heidi Knake-Werner (Linke) sagt: "Die Wahl Obamas ist ein Hoffnungssignal für die Menschen in den USA und für alle, die gegen Diskriminierung und Rassismus weltweit kämpfen. Mit Obama verbindet sich Aufbruch, Veränderung und der Traum von einem anderen Amerika. Er muss nun versuchen, die Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen und die tiefe soziale Spaltung der amerikanische Gesellschaft zu überwinden. In der Außenpolitik erwarten die Menschen von Obama mehr Verlässlichkeit und ein partnerschaftliches statt vormundschaftliches Verhältnis."

8.00 Uhr: Wenn man ihn vor acht Uhr anrufe, werde er amnesty international verständigen, hatte Henryk M. Broder gedroht. Also klingelt bei dem Spiegel-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnisten das Telefon um punkt acht. "Ich habe es mehr erdrutschartig erwartet", sagt Broder über den Wahlausgang. Er freue sich über Obamas Sieg, ihm sei aber auch McCain sympathisch. Beim kommenden Präsidenten Obama sieht Broder den "Bruno-Kreisky-Effekt" am Werk. "Als Jude musste Kreisky sich sogar Nazis ins Kabinett holen, um besonders österreichisch zu wirken." Obama werde als Schwarzer nun zeigen wollen, dass er besonders patriotisch sei. Vor allem wenn es die ersten positiven Worte von ihm über Israel geben und wenn klar werde, dass Obama jüdische Berater habe, werde sich die Obama-Begeisterung in Deutschland abkühlen, erwartet Henryk M. Broder.

7.50 Uhr: Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hält sich knapp und sagt: "Dieser Erdrutschsieg für Obama ist eine große Freude und für Amerika die Chance zu einem grundlegenden Neuanfang."

7.40 Uhr: Berlins SPD-Partei- und Fraktionschef Michael Müller freut sich über Obamas "grandiosen Wahlsieg". Der Wahlausgang in den USA stimmt den Politiker "optimistisch, dass es Obama gelingt, wichtige neue Akzente zu setzen", vor allem in der Außenpolitik aber auch im Umweltschutz. Einen ersten Erfolg kann Obama bereits verbuchen, findet Müller: "Er hat es geschafft, eine neue Begeisterung und ein neues Interesse an Politik zu entfachen - das ist ein Gewinn nicht nur für die Demokraten, sondern auch für dei Demokratie."

7.25 Uhr: "Eine riesengroße Erleichterung" empfand Wirtschaftssenator Harald Wolf, als er Mittwochmorgen nach dem Aufstehen vom Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl hörte. "Damit ist die Ära der Neokonservativen zu Ende", sagt der Politiker der Linkspartei. Wolf hofft vor allem, "dass die USA ihre Außenpolitik ändern, dass der Klimawandel angepackt wird und dass die USA eine Innenpolitik bekommen, die auf sozialen Ausgleich setzt." Allerdings seien die Herausforderungen "immens", schränkt Wolf ein. "Es wird eine Phase der Desillusionierung geben, aber das wichtigste ist, dass der Wechsel überhaupt versucht wird."

7.20 Uhr: Gary Smith, Chef der American Academy in Berlin, war die ganze Nacht bei Peter Frey im ZDF, auf der gemeinsamen Wahlparty von Tagesspiegel und ZDF. "Es ist eine epochale Wahl für Amerika", sagt Smith. "Die Emphase, aber auch die Selbstverständlichkeit, mit der Barack Obama gewählt wurde, beweisen, das die USA ein komplexeres, vielfältigeres Land sind, als es viele Karikaturen in den letzten Jahren gezeigt haben. Es ist ein Moment, in dem ich besonders stolz auf mein Land bin."

7.10 Uhr: Rik DeLisles erste Reaktion, als er nach dem Aufstehen am Morgen vom Wahlergebnis hört: "Geil!" Der Radiomoderator hat zu Tagesbeginn Obamas Rede gehört: "Da kann man nur stolz sein" , sagt "der alte Ami" DeLisle. Allerdings weiß er auch, "dass jetzt der schwierigste Teil kommt, denn nun muss Obama eine Menge Probleme anpacken", allen voran die Wirtschaftskrise. Da wird es manche Enttäuschung geben, erwartet De Lisle. An diesem ersten Tag nach der Wahl erfüllt ihn als Amerikaner aber vor allem Stolz, sagt er: Ich habe 1964 noch getrennte Kinos für Schwarze und Weiße erlebt - und nun haben wir einen schwarzen Präsidenten. Da sage noch einer, wir hätten keine Fortschritte gemacht!"

7.05 Uhr: Berlins Grüne gehören zu den ersten Landespolitikern, die am Morgen ihre Begeisterung mitteilen. Franziska Eichstädt-Bohlig ist „sehr erleichtert und sehr erfreut“, sagt sie. Vier Wünsche hat die Fraktionschefin der Grünen im Abgeordnetenhaus vor allem an den neuen US-Präsidenten: „Guantanamo schließen, wieder einen demokratischen Rechtsstaat aus den USA machen, Friedenspolitik statt Kriegstreiberei und eine neue Klimaschutzpolitik.“ Auch für ihren Kollegen Volker Ratzmann, ebenfalls Fraktionschef, ist das Wahlergebnis ein „Symbol für Veränderung und Hoffnung“. Er hofft, „dass jetzt mit den USA  noch einmal ganz anders über Menschenrechte und eine friedliche Wletordnung geredet werden kann“. Das sei „ein Ansporn für uns alle“.

7.00 Uhr:
Anruf bei Michael S. Cullen, Amerikaner, Berliner, Amerika-Experte, Berlin-Experte. Sein Kommentar zu Obamas Wahl: "Ich bin begeistert. Das ist der Anfang einer großen historischen Episode. Etwas, das vor 20 Jahren, vor 10 Jahren, nicht vorhersehbar war. Ich freue mich, dass das Land jetzt in diese Richtung geht. Ich glaube, dass die Länder, auch Deutschland, die zu Amerika gestanden haben, das nicht bereuen werden."

6.25 Uhr:
Freudentränen, gerötete Wangen, immer wieder Jubel und Begeisterungsschreie: Die Rede, mit der Barack Obama seine Wahl als Präsident annimmt, bewegt die verbliebenen rund 200 Wahlparty-Gäste in der Telekom-Zentrale sichtlich. Manche im Publikum liegen sich in den Armen, rufen „Obama, Obama, Obama“. Am lautesten wird der Jubel, als Obama davon spricht, wie alles möglich ist, wenn man nur daran glaubt und dafür kämpft - und als Beweis den Fall der Berliner Mauer nennt.

6.10 Uhr:
CDU-Politiker Friedbert Pflüger, bis vor kurzem Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus und seit langem engagierter Befürworter eines guten deutsch-amerikanischen Verhältnisses, freut sich über den Wahlsieg Obamas. Vor der Wahl haben er und seine Kollegen von der CDU sich größtenteils mit Sympathiebekundungen für einen der US-Kandidaten zurückgehalten, auch weil der Union traditionell die US-Republikaner näherstehen, sich das aber in den vergangenen Jahren ein wenig verschoben hat. Jetzt kann Pflüger offen zeigen, dass er in Obamas Sieg eine „große Chance sieht.“ „Er kann das Bild Amerikas in der Welt verbessern“, sagt Pflüger über den neuen US-Präsidenten. Globale Probleme wie die aktuelle Finanzkrise könnten ohne Amerikas Führungsrolle nicht gelöst werden. Eine Absage erteilt Pflüger allerdings der bei vielen Deutschen verbreiteten Annahme, dass es unter einem Präsidenten Obama einfacher für die Bundesrepublik werde: „Obama wird Deutschland in die Verantwortung nehmen“, sagt der CDU-Politiker.

5.40 Uhr: Ein junger Mann sticht aus dem Publikum der Tagesspiegel/ZDF-Wahlparty heraus: Er trägt ein McCain-T-Shirt. „Er ist ein erfahrener Politiker, er hätte für sein Engagement mit diesem Amt belohnt werden sollen“, sagt er über den republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Nachdem die letzten Hochrechnungen den Sieg Obamas deutlich gemacht haben und kurz danach McCain seine Niederlage eingesanden hat, sagt sein junger Anhänger: „Die Hoffnung stirbt zuletzt – heute stirbt sie.“

5.10 Uhr: Riesenjubel bei den Democrats Abroad. Die Schwarzen im Publikum werden wie Stellvertreter beglückwunscht von einem älteren Mann, der die Sitzreihen entlanggeht. Ein anderer ruft: „Black revolution!“ Sharon, 21, eine afroamerikanische Studentin, die mit einem Stipendium in Berlin ist, hat vorher noch bei jedem Staate, den Obama gewonnen hat, geschrien und ist auf und ab gehüpft. Nun steht sie da, in sich gekehrt, und weint, schaut durch die Hände hindurch auf die Leinwand, als müsse sie sich immer vergewissern, dass das wirklich keine Einbildung ist. „Yes, we can, yes, we can“, skandieren sie. Die Band, die vor der Leinwand spielt, bekommt nicht mit, dass McCain eingeblendet wird, dass er zu sprechen beginnt. Die Menschen im Publikum machen Bewegungen, als wollten sie den Hals abschneiden, machen Time-Out-Zeichen, die Band merkt es nicht, deshalb verpassen die Anwesenden die ersten Momente der McCain-Rede. Am Anfang scheint sie das gar nicht zu stören, sie scheinen nur buhen zu wollen, vor allem als McCain immer wieder sagt, was für ein Zeichen es wäre, dass ein Afroamerikaner Präsident geworden sei. „Enough of that“, zischt ein Mann mit Brille. Mit der Zeit aber werden die Menschen stiller und am Ende beklatschen sie sogar McCain. Dann will die Band wieder anfangen zu spielen, dieses Mal gibt es aber eine demokratische Entscheidung gegen sie. Keiner will das Risiko eingehen, auch noch den Beginn von Obamas Rede zu verpassen. Einige zünden Wunderkerzen an, Menschen weinen, es sitzen im ganzen Kinoraum bestimmt nur noch ein Dutzend Menschen, alle andere stehen, klatschen der Leinwand zu, als stehe Obama persönlich vor ihm. Eine Schwarze klettert auf die Bühne, sie hält ein T-Shirt in der Hand, auf der Martin Luther King und Obama abgebildet sind, dazu der Text „Dreams can become reality“.  Matthew, 35, aus Detroit, sagt, er freue sich darauf, wieder stolz auf sein Land sein zu können, sich nicht mehr wie in Bushs Zeiten permanent rechtfertigen zu müssen, wenn er im Ausland ist.  Florian aus Passau sagt, er wünsche sich, dass die Europäer genauso dicht zusammenrückten wie die Vereinigten Staaten, mit anderen Worten dass Europa ebenso ein Land werde.

5.05 Uhr:
Entertainerin Gayle Tufts kann es noch nicht glauben. „Ich bin sehr, sehr happy“, ruft die deutsch-amerikanische Entertainerin ins Telefon. Vor ein paar Stunden saß sie noch in der Sendung von Johannes B. Kerner, der von der Wahlparty des amerikanischen Konsulats in Hamburg sendete. Hätte McCain gewonnen, wollte Gayle Tufts ihre amerikanische Staatsbürgerschaft gegen die Deutsche eintauschen, hatte sie vorher gesagt. Das muss sie jetzt wohl nicht. „Was mich besonders freut, ist die große Wahlbeteiligung“, sagt Tufts. „Das ist nicht nur ein Sieg für die Demokraten, sondern auch für die Demokratie.“ Eigentlich wollte sie schon längst im Bett sein, sagt sie. „Aber ich bin so aufgeregt, dass ich heute bestimmt nicht schlafen kann.“

5.00 Uhr: Ohrenbetäubender Jubel auf der Tagesspiegel-Party: "Obama, Obama, Obama", rufen die Feiernden im Atrium der Telekom-Repräsentanz. Auf der Bühne haben gerade die Moderatoren bekannt gegeben, dass die letzten Hochrechnungen ergeben haben, dass Obama genug Stimmen für einen Sieg hat. Da springen die Partygänger in die Luft, schwenken amerikanische Fahnen, sind nicht mehr zu halten.  Der Jubel im Babylon kennt ebenfalls keine Grenzen. Arme fliegen hoch. "Yes we can, yes we can", ruft die Menge. Hier und da rollen Freudentränen. Auch im "Wahlkreis", dem Berliner Wahlquartier der Republikaner, wo ein Defekt den TV-Empfang verhindert, hat sich der Sieg herumgesprochen. Jan Burdinski ist enttäuscht, und trinkt mit ein paar Gleichgesinnten ein letztes Bier am Tresen. Auf dem Anstecker, den er sich an sein Jackett geheftet hat, steht: John Mc Cain, President 2008. Zeit für den Spruch aller Sprüche nach einem verlorenen politischen Wettstreit: „Nach der Wahl ist vor der Wahl“, sagt Burdinski. Im White Trash in Mitte gehen die Drinks derweil alle aufs Haus - Happy-Obama-Hour.

4.55 Uhr:
Bei der Berliner Party der Democrats Abroad konnten auch die 500 Besucher der Party  noch einmal  an einer Wahl teilnehmen. Das Ergebnis ist wenig überraschend. 95 Prozent der anwesenden Amerikaner sind für Obama, bei den deutschen Besuchern sind es 90 Prozent. Und die übrigen Gäste aus zwölf Staaten votieren sogar zu 100 Prozent für den Demokraten.

4.50 Uhr:
Der Berliner SPD-Abgeordnete im Bundestag Klaus-Uwe Benneter trägt bei der Wahlparty der US-Botschaft und des Tagesspiegels seine Meinung als Button am Revers. „Berliners for Obama“ steht darauf. „Ich erwarte mir von ihm vor allem eine andere Außenpolitik, weniger isoliert“, sagt Benneter. Er hofft, dass der neue Präsident Europa und Amerika einander wieder näher bringt. Ob ein demokratischer Präsident nicht auch von den Deutschen mehr internationalen Einsatz verlangt, als manchem Bundesbürger lieb sein dürfte? „Wenn das bedeutet, dass man globale Probleme wie die aktuelle Finanzkrise gemeinsam angeht, ist das gut“, sagt Benneter.

4.48 Uhr: Der 22-jährige Will fiebert mit den "Democrats Abroad" im Kino Babylon einem Sieg Obamas entgegegen. "Seine Präsidentschaft kann die Mentalität Amerikas verändern!" sagt der junge Afro-Amerikaner, der mit einem Stipendium nach Berlin gekommen ist. "Es ist die wichtigste Wahl in der Geschichte Amerikas!" Noch ist die Geschichte aber nicht perfekt, dort drüben hinterm Atlantik.

4.45 Uhr: Was sagen eigentlich die US-Blogs? Für die meinungsbildende Huffington Post (http://www.huffingtonpost.com/) ist die Wahl gelaufen. Oder was soll uns die Überschrift "President-Elect Obama" sagen?

4.40 Uhr:
Im Fernsehen reden alle nervös durcheinander, auf die Gäste im Berliner "White Trash" macht das nicht unbedingt Eindruck. Während die Experten über den Wahlentscheid in Florida spekulieren, packt wieder ein Trupp Obama-Anhänger seine Sachen zusammen. Unter den Übriggebliebenen macht sich Ungeduld breit. „Langsam könnte mal die Entscheidung kommen“, heißt es an einem Tisch. Ein Amerikaner aus Minnesota im blauen Obama-Shirt freut sich, dass sein Staat an den demokratischen Kandidaten gegangen ist. Mehr will er nicht sagen, oder kann es nicht "I'm too drunk." Dann macht er sich auf zur Wahlparty der Demokraten im benachbarten Kino Babylon.

4.30 Uhr: Eine technische Panne reduziert die Besucherzahl im "Wahlkreis" in Berlin-Mitte noch weiter: Die Fernseher bekommen laut Auskunft des Barmanns kein Signal mehr. Statt CNN gibt es jetzt schwarz-weißes Gekrissel. Obwohl es doch gerade jetzt spannend werden soll....

4.20 Uhr: Der Washington-Korrespondent des Tagesspiegels, Christoph von Marschall, wird per Internet-Videoschaltung bei der Tagesspiegel/ZDF-Wahlparty interviewt. Im Gespräch mit Tagesspiegel-Feuilletonchef Rüdiger Schaper kommentiert er, dass der derzeitige Stand zwar nur auf Hochrechnungen beruht – „aber wenn die sich bewahrheiten, wird McCain kaum noch gewinnen können“. Damit löst von Marschall spontan Applaus bei den Zuschauern aus. „Das sieht nach einem erdrutschartigen Sieg für Obama aus.“ Das ist für von Marschall auch eine historische Stunde: „Mit diesem Sieg ist ein Kapitel in der amerikanischen Geschichte abgeschlossen, 40 Jahre nachdem die Schwarzen volle Gleichberechtigung erreicht haben“, sagt der Korrespondent.

4.15 Uhr: Nicht nur Obama hat Fans im White Trash. Das Fernsehen zeigt gerade einen Zusammenschnitt von Stars und Sternchen, die sich für Obama ins Zeug geworfen haben. Als Obama Ohio gewann, war der Jubel groß. Mehr Gejohle gab es jetzt aber definitiv, als Paris Hilton im knapp geschnittenen Badeanzug nochmals ihre Begeisterung für den demokratischen Kandidaten kundtut.

4.10 Uhr:
Jetzt hat sich die Stimmung im Washingtoner Hawk N´Dove komplett gedreht. Die McCain-Unterstützer brechen auf, die Obama-Fans bestellen Bier nach. „Ja, er hat es geschafft“, sagt Stephanie Pinot. „Ich bin jetzt nur noch gespannt, wie Virginia abgestimmt hat. Aber wenn wir wirklich Ohio gewonnen haben, dann können wir jetzt feiern.“ Noch aber bleiben entscheidende Fragen offen: MIt welchem Vorsprung hat Obama gewonnen? Hat er tatsächlich ein Mandat für das Signal zum Wechsel, das er wollte? Und wie geteilt ist Amerika nach den Bush-Jahren? „Man sieht es doch ganz deutlich: Die Südstaaten, die sich im Bürgerkrieg losgesagt hatten, stimmen alle für diesen bescheuerten McCain“, sagt einer. Andere Obama-Anhänger sind schon dabei, Buttons zu verteilen: „Yes, we won.“ Kaum mehr jemand hört auf die komplizierten Zahlenrechnungen auf dem Bildschirm. Die Leute hier wollen mehr Staaten sehen – Staaten, die blau gefärbt sind. Carl Schilke, 53, steht draußen, er arbeitet in der Finanzbranche, hat Verwandte in Hannover und spricht perfekt Deutsch. „Für mich ist das Rennen noch nicht gelaufen. Ich glaube zwar, dass Obama gewinnen wird, aber es kommt darauf an, wie viele Stimmen McCain tatsächlich gewonnen hat. McCain ist ein guter Kandidat gewesen, nicht der Esel, den wir jetzt als Präsidenten haben. Und wenn er bei den absoluten Stimmen gut abgeschnitten hat, dann wird es Obama nicht so leicht haben.“ Die meisten Europäer würden Amerika nicht richtig verstehen, meint Schilke. „Ich kann verstehen, dass sich die Deutschen jetzt freuen. Aber die Leute in Europa sind nicht die Amerikaner. Ich bin besorgt, dass Obama die Wirtschaftslage schlimmer machen wird. Ich habe mit ihm als Person kein Problem. Aber die Demokraten verstehen nicht, wie die Wirtschaft funktioniert. Sie werden die Steuern erhöhen statt zu senken.“ Sein letzter Satz geht unter im Jubel der Masse, die gerade hört, dass Obama wahrscheinlich den kleinen Staat Iowa gewonnen hat – und damit seinem Ziel, 44. Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, langsam, aber sicher immer näher rückt.

4.00 Uhr:
Bei der Berliner Party der Republicans Abroad im "Wahlkreis" in Mitte sind nur noch 20 Leute, die laut für Obama jubeln: Denn der hat gerade Ohio gewonnen. Jan Burdinski, nationaler Koordinator der Republicans in Deutschland, ahnt die Niederlage. Aber er möchte gelassen bleiben. Den Mangel an Republikanern bei der Party erklärt er damit, dass die meisten schon zu anderenVeranstaltungen aufgebrochen seien, auf denen es besseres Essen geben, beziehungsweise überhaupt Essen. Denn im Wahlkreis werden nur Salzstangen gereicht.

3.55 Uhr:
Der soeben angezeigte Wahlsieg Obamas in Ohio ist die erste wirkliche Überraschung für unseren Experten Thomas Greven, Gastprofessor am Kennedy-Institut der FU. CNN ist derweil aber noch sehr vorsichtig, um eine Blamage wie bei den vergangenen beiden Wahlen zu vermeiden. Obama braucht nun Westküstenstaaten wie Kalifornien, Oregon und Washington. Und in diesen gibt es einen klaren Trend für ihn. "Wenn er die bekommt, ist es gelaufen", sagt Greven.

3.40 Uhr:
Im White-Trash-Club am Rosa-Luxemburg-Platz hat sich die Party-Fraktion inzwischen verkrümelt. Ein paar Dutzend Wahlinteressierte haben sich im hinteren Teil des Ladens vor den Bildschirmen festgetrunken. Inzwischen laufen Fernseher auch mit Ton. Der Barmann ist froh, dass inzwischen wieder ein bisschen Ruhe eingekehrt ist. Gleichzeitig ist er überrascht, dass überhaupt soviel los ist. Eine offizielle Wahlparty ist der Abend nämlich gar nicht. Gerade kommt die Nachricht rein, dass wieder einen Staat gewonnen hat, Jubel brandet durch den Saal.

3.30 Uhr:
Blick nach Washington: Die 30-jährige Echo Propp war währen der vorigen Wahl 2004 in Südafrika. „Ich war damals so enttäuscht und habe gemerkt, dass die Leute im Ausland nicht noch mal Bush wollten. Und ich war auch selbst von der Entscheidung für Bush betroffen, weil ein Sozialprogramm gekürzt wurde, in dem ich gearbeitet habe.“ Sie steht draußen vor dem Hawk N´Dove, raucht eine Zigarette und will nicht gleich wieder reingehen, weil sie die ganze Wahlnacht zu nervenaufreibend findet. „Ich habe in meinem Heimstaat Montana gewählt. Jetzt bin ich gespannt, wer dort gewinnt. Seit 1948 hat in Montana kein Kandidat der Demokraten mehr gewonnen.“ Propp hat für Obama gestimmt. „Ich glaube, das wird heute eine knappe Entscheidung. Ich habe das nicht erwartet. Ich dachte, das Ergebnis wäre jetzt schon klar.“ Insgesamt seien die Amerikaner sehr unzufrieden mit ihrem Zweiparteiensystem, findet Echo. Dann bricht auf einmal riesiger Jubel aus – Obama scheint Ohio zu gewinnen, dort war John F. Kerry 2004 gescheitert. „Yes, yes, yes, go Barack, let´s go!“, ist aus der ganzen Bar zu hören. Echo Propp geht wieder rein, sie will die Hochrechnung sehen. „Ja, das ist es!“

3.20 Uhr: Ein erstes Gespräch mit unserem Wahl-Experten Thomas Greven, Gastprofessor am Kennedy-Institut der FU. Er ist auf einer privaten Wahlparty in der Kurfürstenstraße. Für Greven ist die Wahl noch nicht gelaufen, denn: "Es gab noch kein einziges überraschendes Ergebnis. Wenn Georgia an Obama gefallen wäre, das wäre unerwartet gewesen." Großen Jubel gab es im Obama-Lager für Pennsylvania. Doch auch das war aus Grevens Sicht eher vorhersehbar. "McCain hatte sich da zwar was ausgerechnet." Doch in den vergangenen acht Jahren lagen die Demokraten in diesem Bundesstaat vor den Republikanern. Wenn man sich auf die bisher belastbaren Ergebnisse beruft, bleibt es also spannend.

3.15 Uhr: Bei den Democrats Abroad: Der erste Partygast nickt ein. Der junge Mann wacht kurz wieder auf, als das Ergebnis aus Michigan kommt. Obama hat den Bundesstaat im Norden gewonnen. Lächeln und weiterschlafen.

3.10 Uhr:
Die Treptowerin Annett Burghardt hat in ihren 40. Geburtstag hineingefeiert. Mit blauen und roten Luftballons spaziert sie durch die Bertelsmannvertretung Unter den Linden. Das Haus hat sich zu dieser Stunde bereits merklich geleert. Prominenz ist kaum noch zu sehen. Annett Burghardt lässt sich die Laune davon nicht verderben. Mit Freunden aus Deutschland und Amerika feiert sie die Wahl und ihr neues Lebensjahr.

3.05 Uhr:
Die Obama-Anhänger im Washingtoner Hawk N´Dove sind verunsichert. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Barack in Virginia so weit zurückliegt“, sagt Stephanie Pinot, 27, und stellt ihr Bier zur Seite. Einen Rückstand von fast 100.000 Stimmen prophezeit MSNBC, das hier auf den Bildschirmen läuft, im Moment. „Aber ich vermute, dass in manchen Gegenden Virginias immer noch gewählt wird. Bei der Senatswahl vor zwei Jahren war das auch so.“ Da sei Jim Webb, der Kandidat der Demokraten, in den Projektionen der Fernsehsender am Anfang auch weit hinten gelegen. Erst später, nachdem mit der Auszählung der Stimmen aus Nordvirginia begonnen wurde, habe Webb den Rückstand aufgeholt. Und er habe klar gewonnen. Stephanie Pinot stand gestern früh schon um 5:30 Uhr vor ihrem Wahllokal in Fairfax in Nordvirginia. „Bei mir im Wahllokal gab es von Anfang an lange Schlangen. Ich musste eineinhalb Stunden lang warten.“ Noch hoffen sie und ihr Freund aber auf die Wähler in den städtischen Gebieten Nordvirginias. Doch die überwältigende Siegesstimmung, auf die sich sich eingestellt hatten, ist im Moment noch nicht da.

2.58 Uhr:
„Der neue Präsident kommt in schwierigen Zeiten ins Amt“, sagt Helen Schneider, amerikanische Sängerin mit langer Karriere vor allem in Deutschland, die zur Wahleinschätzung in die Telekom-Zentrale in Mitte gekommen ist. „Deswegen ist die Hoffnung so groß, dass es Obama wird.“ Ob der Demokrat ihr politisch gespaltenes Heimatland versöhnen kann? „Das hoffe ich“, sagt sie: „Wir haben keine andere Wahl, so ein Politiker kommt nur einmal alle vier Generationen.“ Dann unterbricht sie ein Fanfarensignal von der Bühne: Erste Hochrechnungen aus Arkansas, eigentlich eine republikanische Hochburg. „Noch offen“, lautet der Zwischenstand – lauter Jubel, weil das Publikum auch dies als Zeichen wertet, dass Obama es schafft. „We need him really dringend“, sagt Helen Schneider und klingt für einen Moment wie Dinglisch-Erfinderin Gayle Tufts.

2.55 Uhr:
Bei der Party der "Republicans Abroad" im Berliner Lokal "Wahlkreis" ist jetzt viel mehr Platz,  die Hälfte der Besucher ist inzwischen gegangen. Und jene , die geblieben sind, wünschen sich nicht ausschließlich einen Präsidenten McCain. Wenn CNN verkündet, dass es für Obama gerade gut läuft - gerade hat er New Hampshire gewonnen - ,  ist der Jubel im Publikum sogar deutlich lauter, als wenn es um Mc Cain geht. Noch lauter ist es allerdings, wenn die deutschen Zuschauer über die eigenwilligen Graphiken von CNN lachen. Auch hier im Wahlkreis tragen viele Besucher Obama-Sticker. Und einige sind einfach vorbeigekommen, weil das Lokal günstig liegt zum Wahlen gucken, in der Nähe der Friedrichstraße. 

2.50 Uhr:
Die Flugbegleiterin von United Airlines verlässt die Party in der Washingtoner Bar Hawk N`Dove vorzeitig. Sie hat ungefähr 50 kleine Stars and Stripes-Flaggen dabei. „Ich glaube, die werde ich jetzt nicht mehr los.“ Dabei steht zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts fest. Die Sender rufen Pennsylvania für Obama aus, die Menge jubelt, doch klar ist noch nichts. „Ich habe für McCain gestimmt“, sagt die Mittfünfzigerin. „Ich habe Angst vor der Vorstellung, dass Obama gewinnt. Ich halte nichts von der Vorstellung, dass der Wohlstand der Mittelklasse einfach so verteilt wird. Und das würde mit Obama passieren. Und ein Gesundheitssystem, das jeder einfach nutzen kann, ist aus meiner Sicht nicht das richtige. Die Leute sollten zuerst mal Drogentests machen, bevor sie in den Genuss von irgendwelchen Leistungen kommen. Auch ich muss bei United Airlines Drogentests machen.“ Die Flugbegleiterin trägt ein T-Shirt mit der amerikanischen Flagge, auf der Brust einen Button mit der Aufschrift „I am proud to be an American“. „Wollen Sie auch einen Anstecker?“, fragt sie. Was sind die Gründe, warum McCain im Wahlkampf zuletzt hinten lag? „Na ja, Obama hatte einfach mehr Geld. Und ich glaube viele Leute haben ihn gewählt, weil er schwarz ist – auch viele Weiße.“ Sie sei betroffen darüber gewesen, dass sie bei ihren Besuchen im Ausland auf so viel Skepsis gegenüber Amerika gestoßen sei, in den vergangenen vier bis fünf Jahren, sagt sie. „Aber das ist für mich noch lange kein Grund, Obama zu wählen.“

2.45 Uhr:
500 Stimmzettel hat  Alan Benson von den Democrats Abroad an seine Partygäste verteilt. Das Wahlergebnis wird in einer Stunde erwartet. In der Zwischenzeit freut sich Benson: "Es ist schön, dass uns Amerikanern endlich wieder Sympathie entgegenschlägt." Falls sein Kandidat Obama gewinnt, sieht der Auslandsdemokrat durchaus Probleme auf den ersten schwarzen Präsidenten zukommen. "Das ist wie bei Merkel", sagt Benson. Die Bundeskanzlerin habe partout keine Politik für Frauen machen wollen. Und so werde Obama partout keine Politik für Schwarze machen wollen.

2:30 Uhr:
Ob’s an der Höhenluft in der siebenten Etage liegt, in dem der 40-Seconds-Club residiert? Der Party geht die Puste aus. Gastgeber Robin Hemingway lässt sich die Laune aber nicht verderben. Er steht auf der Bühne, singt, die Band improvisiert, das spärliche Publikum tanzt. Jubel brandet jedes Mal auf, wenn das Fernsehen ein neuen Zwischenstand meldet. Obama: 77, Obama: 82. Optimismus liegt in der Luft. Ansonsten zeigt sich aber auch: In der Wahlnacht gibt es neben der Wahl auch noch andere Themen. Auf der Dachterrasse reden Amerikaner über den Nahost-Konflikt – und Klamotten.



2.20 Uhr:

Die Stimmung steigt. Der Jubel bei der Tagesspiegel-Party wird bei jedem Wahlergebnis lauter, das ZDF-Moderator Peter Frey aus jenen US-Staaten vermeldet, in denen die Mehrheit Barack Obama gewählt hat. Connecticut – „Obama“ – Jubel. Delaware – „Obama“ – lauterer Jubel. Pennsylvania – „Obama“ – frenetischer Jubel. Oklahoma - "McCain" - fünf einzelne Klatscher, ansonsten Schweigen. Es steht jetzt 34 zu 103 für Obama, in Wahlmännern gezählt. Das löst wieder Applaus und laute Freudenrufe aus. „Noch ist es zu früh zum Feiern“, mahnt Moderator Frey.

2 .15 Uhr:
Wie groß die Hoffnungen sind, die Barack Obama auslöst, ist auf den Berliner Wahlpartys überdeutlich. Bis auf wenige, einzelne Republikaner-Sympathisanten gibt sich in dieser Nacht kaum jemand als Anhänger McCains zu erkennen. „Die Erwartungen sind enorm“, sagt Gary Smith, Direktor der American Academy – und setzt beim Podiumsgespräch in der Telekom-Zentrale mahnend nach: „Die aktuelle Finanzkrise wird den Bewegungsspielraum des nächsten Präsidenten stark einschränken.“ Gunter Pleuger will sich seinen Optimismus trotzdem nicht nehmen lassen. „Ich erwarte einen großen Wechsel in Amerika, einen grundlegenden Wandel, für den Barack Obama steht“, sagt der frühere Botschafter Deutschlands bei den Vereinten Nationen, der jetzt Präsident der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder) ist. 

2.10 Uhr:
Fast alle im Washingtoner Hawk N´Dove tragen Sticker an ihren Hemden oder Pullis: „I have voted“ oder „I have voted für vote“. „Ich bin stolz auf unser Land, dass diesmal wohl so viele Leute zur Wahl gegangen sind“, sagt ein Barbesucher, der sich gerade durch den Eingang quält, wo auch an diesem spannenden Abend die erste Hürde die übliche ID-Kontrolle ist, die Frage nach einem Personaldokument. Ohne ID mit Altersangabe darf auch an diesem Abend niemand hier rein, selbst wenn er aussieht wie 60. „That´s the law“, sagt der Sicherheitsmann. Die Stimmung im Inneren ist angespannt. Zahlen kommen herein, aus Virginia, aus Indiana, die noch niemand so recht deuten kann. Einmal scheint eine Statistik auf: 91 Prozent der Schwarzen in Virginia sollen demnach für Barack Obama gestimmt haben. „Was? Nur 91 Prozent? Warum hat der Rest für McCain gestimmt? Das kann doch nicht sein“, ruft Jaynal Carnette, der schwarze Afrikaner aus Washington, der sich so sehr auf einen Sieg Obamas freut. Und in das zähe Warten auf aussagekräftige Ergebnisse mischt sich ein bisschen Sarkasmus. „Ich verstehe das nicht, mit den Wahlmaschinen muss man doch sofort wissen, wer gewonnen hat“, sagt ein Barbesucher. „Nein, die drehen gerade erstmal den Schlüssel um“, sagt ein anderer. Was meint er damit? „Na, dass sie erstmal alle Stimmen einem Kandidaten zuschlagen.“

1.58 Uhr: Im 40-Seconds-Club hoch über der Potsdamer Straße loungt man sich derweil dem Wahlergebnis entgegen. Softe Reggae-Musik plätschert aus den Boxen, während RTL-Nachrichtenmann Peter Klöppel auf Großleinwänden das amerikanische Wahlsystem erklärt. Einige Besucher zeigen ob der späten Stunde schon erste Ermüdungserscheinungen und haben auf den weißen Sofas alle Viere von sich gestreckt. „Die Ruhe vor dem Sturm“, nennt Veranstalter Robin Hemingway das. Mit Ruhe ist es dann aber plötzlich vorüber. Soeben hat die Frauen-Country-Band „The Runaway Brides“ die Bühne betreten und scheppert in ohrenbetäubender Lautstärke ein Stück namens “You’re only lovely when your drunk, that’s why you suck“ durch die Boxen. Hemingway strahlt. Amerika wählt. Peter Klöppel erklärt. Mit begrenztem Erfolg - an der Theke unterhalten sich zwei Besucher gerade darüber, was wohl der Zwischenstand Obama:3, Mc Cain: 16 bedeuten soll. Nach Minuten der Ratlosigkeit kommt die Erleuchtung: Das müssen die Wahlmänner sein.

1.55 Uhr: Der diplomatische Nachwuchs trifft sich an der Carrera-Bahn. Für politische Statements sind die Anwärter fürs Auswärtige Amt zu, nun ja, diplomatisch. Nur so viel: "Ein supertoller Abend. Wir sind sehr dankbar, dass wir hier sein dürfen." Rührend. Ein diplomatischer Routinier will da euphorisch mindestens mithalten. John Kornblum, einst US-Botschafter in Deutschland, erzählt, dass er nun seit 30 Jahren im Ausland zu US-Wahlpartys geht. "Aber in Berlin ist es immer am schönsten." Jetzt glauben wir's wirklich.


1.30 Uhr:

Die Wahlparty der US-Botschaft und des Tagesspiegels gewinnt wieder an Fahrt. Mehrere hundert Zuschauer verfolgen die ersten Hochrechnungen aus Bundesstaaten, die die Wahlen bereits abgeschlossen haben. Als ZDF-Moderator Peter Frey auf der Bühne verkündet, der traditionelle Republikaner-Staat Kentucky sei an McCain gegangen, geht ein lautes „Buh“ durch den Saal. Applaus dann für South Carolina, eigentlich eine Republikaner-Hochburg, aber zu dieser Stunde noch ohne eindeutiges Ergebnis. Noch lauterer Applaus dann für Vermont, den ersten Staat für Barack Obama. An der Einlasstür  wachsen die Schlangen. Rund 100 Leute warten geduldig, bis jeder einzelne den aufwändigen Sicherheits-Check passiert hat.  Um sich die Wartezeit zu vertreiben, entwirft eine Gruppe Politikstudenten ihr Lieblingsszenario für die Nacht. „Ich wünsche mir, dass gegen vier Uhr morgens McCain führt – und dann die letzten Staaten plötzlich alle für Obama sind und er ganz kanpp gewinnt“, sagt einer. Die anderen nicken anerkennend, als hätte er gerade den Plot eines genialen Krimis entworfen. Drinnen vermeldet Moderator Peter Frey, dass die Republikaner-Hochburg West Virginia wieder Erwarten noch offen ist - "eine gute Nachricht für Obama", sagt er. Wieder Applaus im Publikum.

1.20 Uhr:
Riesenjubel wogt durchs Washingtoner Hawk N´Dove, das inzwischen brechend voll ist, als die ersten Zahlen aus den Staaten an der Ostküste eintreffen. „Yes, we can go!“ Einer, der sich am meisten freut, vor lauter Jubel fast sein riesiges Bierglas umschüttet, ist Jaynal Carvette, 30. Er ist schwarzer Amerikaner. „Für mich wäre das heute ein historischer Tag, sollte Barack gewinnen. Und eines Tages hoffe ich, dass es kein historisches Ereignis mehr sein wird, wenn ein Schwarzer Präsident der Vereinigten Staaten wird. Ich will es mit Abraham Lincoln sagen: Die Hautfarbe sollte keine Rolle mehr spielen." Und wie wird er einen eventuellen Sieg Obamas feiern? „Ich würde die Nacht durchmachen, ich würde auf der Straße tanzen.“ Auf der Straße in Washington – da stehen im Moment nur ein paar vereinzelte Raucher, die hastig ihre Kippe zu Ende rauchen. Die anderen stehen alle vor den Fernsehern – und sind etwas verunsichert, weil es bisher in den wichtigen Staaten „too close to call“ ist.

1.05 Uhr: Bei den Democrats Abroad philosophieren unterdessen drei englische Studentinnen (Humboldt-Uni) über die "special relationship" zwischen Großbritannien und den USA. Sie hätten es satt, der Schoßhund der Amerikaner sein, sagen sie, suchen die Schuld aber auch bei sich selbst: "Wir haben Bush nicht ernst genug genommen." Deshalb begegnen sie jetzt sogar dem Berliner Helden Obama mit britischer Skepsis. Am Büfett sind derweil die speziellen Obama Hot Dogs nicht mehr lieferbar - die Ananas ist aus für den Hot Dog Hawaii.

0:55 Uhr:
Die Berliner Wahlparty der Republicans Abroad, der Auslandsorganisation der Republikaner, ist gut besucht, alles drängelt sich vor dem kleinen Bildschirm im Vorraum des Lokals in der Reinhardtstraße mit dem passenden Namen "Wahlkreis". Ehrgeizige Kameramänner versuchen trotzdem, sich durch die Kneipe zu schieben. Hinein in das Lokal kommt man nur noch durch das große Seitenfenster, und seine Angst vor blauen Flecken sollte man beim Einstieg eher ignorieren. Jan Burdinski,nationaler Koordinator bei den Republicans Abroad, ist gut gelaunt: Obwohl er, der Deutscher ist, seinen Favoriten Mc Cain gar nicht wählen durfte. "Die hohe Wahlbeteiligung freut mich", sagt er.  Im kleinen Hinterzimmer läuft auf einem großen Bildschirm N-TV, es ist laut, ein Besucher ruft "Barack Obama", das erinnert an einen Fußball-Schlachtruf.

0.50 Uhr:
In Washington redet sich Peter Duncan am Tresen des Hawk N´Dove in Rage. Der 26-Jährige hat Barack Obama gewählt, obwohl er eigentlich keiner Fan seiner Fans ist. „Ich war für Hillary Clinton. Ich hätte lieber sie heute Abend hier gesehen. Ich mag auch McCain als Perönlichkeit, aber mit Sarah Palin kam für mich der Bruch. Diese Frau ist so weit von den Menschen im ,Mainland US’ entfernt, sie lebt auf einem vollkommen anderen Planeten. Alaska hat nicht einmal so viele Einwohner wie Washington D.C., wie soll diese Frau dieses Land führen?“ Duncan arbeitet als „Security Consultant“ seit einem Jahr in Washington, er hat noch sein Hemd von der Arbeit an. Eigentlich kommt er aus Virginia, das heute eine entscheidende Rolle in der Wahlnacht spielen kann. „Ich bin Demokrat, aber ich bin für den freien Waffenbesitz. Ich würde in wirtschaftlichen Fragen mit den Republikanern stimmen, in sozialen jedoch mit den Demokraten“. Reagan-Demokraten nannten die Politexperten früher Leute wie Peter Duncan. Während er spricht, kommen erste Zahlen aus Indiana herein, Jubel bricht aus, aber es sind nur vorläufige Zahlen, die noch nicht wirklich viel über den Wahlverlauf aussagen. Obama 55 Prozent – das wäre im konersvativen Indiana dann doch eine Riesenüberraschung.

0.30 Uhr: Auch im Berliner Szene-Club White Trash am U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz wird gewählt: zwischen Konzert und Kino. Oben spielt DM Bob Country, unten läuft die fiktive Dokumentation "Death of a president", in der George W. Bush von einem Attentäter erschossen wird. Der Streifen findet eindeutig mehr Aufmerksamkeit als die Bildschirme eine Etage höher, auf denen stummgeschaltete Nachrichten laufen. Andreas Döhler hat den Film nicht wegen der Wahl ins Programm seiner Reihe "Smoking Cinema" aufgenommen, findet aber, dass das Datum gut passt. Er wünscht sich, dass Obama gewinnt. Für den Fall, das McCain doch das Rennen macht, will er seine Tochter, die gerade Austauschschülerin in den USA ist, nach Deutschland zurückholen. Nur ein Scherz, natürlich.

0.15 Uhr: Hier wieder Washington: John Martin, 46, ist Anwalt und Reserveoffizier, 2005 war er für ein Jahr im Irak. Er stammt aus Chicago, der Stadt, in der Barack Obama seinen steilen Aufsteig begann. Trotzdem hat er ihn heute nicht gewählt, und er wird wohl einer der wenigen Anhänger der Republikaner sein, die heute in Washington unterwegs sind. In die Politkneipe Hawk N´Dove ist er zusammen mit seiner Frau gekommen. Ein bisschen Deutsch spricht er, er war nie wirklich in Deutschland (nur mit Truppentransportern auf der Rhein-Main-Airbase), aber er hat die Sprache in der High School gelernt. „Ich habe McCain gewählt“, sagt er. „Ich kenne das politische Klima der Demokraten in Chicago, in dem Obama groß geworden ist. Amerika befindet sich in zwei Kriegen und es wäre nicht gut, wenn das Militärbudget um ein Viertel gekürzt würde. Obama hat keinerlei Erfahrung mit dem Militär. Für mich steht er zu weit links. Bill Clinton war noch ein Zentrist, ein Präsident in der Mitte, aber Obama wird das nicht sein. Er steht nicht für Einigkeit, obwohl er das sagt.“ John Martin glaubt aber, dass Obama der Gewinner des Abends sein wird. „Daran ist auch Bush schuld, er hat das Land so weit nach rechts gezogen, dass jetzt alles nach links geht.“ Er sagt das, lacht und holt sich erst mal ein Bier.

0.10 Uhr:
Mit dem Taxi von Party zu Party. Normalerweise ist die erste Regel des Reporters: Keine Taxifahrer zitieren. Doch diesmal ist die Ausnahme angebracht: "Ich verstehe nichts von Politik, nur was von Straßen", sagt der Mann, ein Ur-Berliner mit Ur-Berliner Schnauze. "Es geht da wohl um einen Schwarzen und einen Weißen. Und der Schwarze wird gehandelt wie Jesus."

0.00 Uhr:
Der Kunstmäzen Erich Marx gehört auf der Fete im Kommandantenhaus Unter den Linden zu den wenigen, die sich nicht zum Lieblingskandidaten äußern wollen: „Ich finde, Wahlen müssen geheim sein“. Für wen die Grünen-Chefin Claudia Roth ist, bleibt dagegen kein Geheimnis: Obama. Sie schlägt gleich die Brücke über den Atlantik an die Spree und wagt ein wenig Pathos: Es gebe keine Stadt in Deutschland, die die deutsch-amerikanische Freundschaft besser fühle als Berlin. Zudem seien ihre Eltern von Kennedy geprägt, sie selber von Woodstock und Janis Joplin. "Es wird Zeit, dass wir auf ein normales Level in den Beziehungen zwischen Deutschland und den USA kommen." Michael Naumann, ehemaliger Spitzenkandidat der Hamburger SPD, lobt die Wahlkampagne Obamas. „Sie war geprägt durch das Internet. Das hat er wirklich genial gemacht.“ Und Sänger Max Raabe ergänzt: „Als Unterhaltungskünstler bin ich auf beiden Seiten des Atlantiks tätig. Man hat sich immer gegenseitig befruchtet. Deswegen bin ich als Europäer wahnsinnig daran interessiert, dass es Amerika gut geht.“

23.50 Uhr:
Zurück bei der Tagesspiegel-Party: Henrik Rödl, Trainer bei Alba Berlin und früherer Basketball-Nationalspieler, gibt sich zunächst eher diplomatisch zurückhaltend als sportlich robust: „Ich hoffe, dass die Richtigen gewinnen. Vom neuen Präsidenten erwarte ich vor allem, dass er sich um die Finanzen und um die Außenpolitik kümmert." Aber für wen ist Rödl? "Schauen Sie sich das T-Shirt meiner Frau an“, sagt er. Auf dem Shirt von Susan Rödl steht: „Obama - Yes we can.“

23.40 Uhr:
Im Kommandantenhaus in Berlin hofft Akademie-Präsident Klaus Staeck auf die Wende in Amerika: „Nach acht Jahren Bush freue ich mich auf ein neues Zeitalter mit Obama. Eine Wahl McCains würde bedeuten, das Leiden zu verlängern. Ich war noch nie so innerlich beteiligt an einer US-Wahl, jetzt ist es fast so wie bei einer deutschen Wahl. Der Sieger wird nicht zu beneiden sein, weil Bush ein Bush ein zerrüttetes Land hinterlässt." Und Italiens Botschafter Antonio Puri Purini, der in seiner diplomatischen Karriere zwei Mal in den USA stationiert war, sagt: „In ganz Europa herrscht unglaubliche Aufregung. Auch in Rom gibt es mehrere Feste dieser Art. Was in Amerika passiert,  hat auch immer große Auswirkungen auf Europa.“

23.30 Uhr:
Hier meldet sich zum ersten Mal Washington. An der Pennsylvania Avenue 329 liegt das Hawk N´Dove, eine der "Political Bars" in der US-Hauptstadt. Am anderen Ende der Penn. Avenue, Hausnummer 1600, steht das Gebäude, um das es heute Abend geht - das Weiße Haus. Vier "Political Bars" an der Penn. Avenue haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam Wahlparty zu feiern. Es regnet in Washington, es ist kalt geworden. Die Kneipe ist zur Hälfte voll, viele Mitarbeiter von Kongressabgeordneten werden erwartet - darunter sind viele, die heute Abend auch um ihren Job bangen müssen, je nachdem wie die Wahl ausgeht. In knapp 40 Minuten soll es hier schon erste Hochrechnungen geben, doch die Wahllokale schließen in den ersten Staaten erst um 19 Uhr. Vielleicht  bleiben sie in einigen Staaten auch länger geöffnet. Die Wahlleiter sind angehalten, keine Wähler abzuweisen, die um 19 Uhr vor der Tür stehen. Angesichts der langen Schlangen vor manchen "Polling Stations" kann es also eine Nachspielzeit geben.

23.15 Uhr:
Auf der Bertelsmann-Party im Kommandantenhaus Unter den Linden sind sogar McCain-Fans anzutreffen. Kathleen von Alvensleben, eine Amerikanerin in Berlin und oberste Spendensammlerin fürs Berliner Schloss in den USA, sagt: „Ich habe McCain vor Jahren schon geholfen und halte ihm auch jetzt die Treue“. Aber die Frau aus Phoenix (Arizona) sieht die Wahl trotzdem sportlich: „Der beste Mann soll gewinnen.“

23.09 Uhr: Vor dem Kino Babylon stehen die Berliner Schlange - doch rein kommt hier niemand mehr. Drinnen feiern die Democrats Abroad Berlin, und zwar bis weit in den Morgen. Ihre Wahlparty heißt "Watch the Sunrise with US". Vor der Tür findet inzwischen ein wilder Handel mit übrigen Karten statt. Eigentlich kosten die fünf Euro, doch, wie ein Verkäufer sagt, "zehn Euro müssen Sie dafür schon zahlen".  Der Türsteher versteht den ganzen Rummel nicht: "Geht doch nach Hause", sagt er zu den Wartenden vor der Tür. "Und ab ins Bett".

22.45 Uhr:
Die vielen Besucher verteilen sich gut im Amerikahaus, rund 200 sitzen beispielsweise im Auditorium im Erdgeschoss und lauschen einer Gesprächsrunde zum Thema: „Amerikaner in Deutschland“. Und natürlich zur Frage, wer gewinnen wird. Für den Jazzmusiker Gary Wiggings ist Obama der Favorit. McCain kann er dagegen nicht vertrauen. David Knutson, Ensemblemitglied an der Deutschen Oper, warnt dagegen vor einer Obama-Mania. „Wir wissen zu wenig über ihn“, sagt er. In Obama würden zu viele Hoffnungen gesetzt, die der Kandidat nicht erfüllen könne. Gut findet Knutson, dass Obama Rückgrat hat, keine Marionette ist, aber trotzdem offen für Berater.

22.10 Uhr: 600 Besucher haben sich für die Wahlparty im Amerikahaus angemeldet, der Laden ist voll. „Im Moment haben wir keinen Platz, kommen Sie in ein paar Stunden wieder“, sagt die junge Amerikanerin an der Garderobe. Neben dem Eingang gibt es Hähnchenteile von Kentucky Fried Chicken und Cocktails, im große Raum um die Ecke läuft per Beamer CNN, dahinter ist ein Bücherstand mit US-Literatur aufgebaut: Zum Beispiel ein Buch „Rating the best and worst in White House“, das von besonders guten und schlechten Präsidenten erzählt. Ob da bald eine Neuauflage Not tut?

21.30 Uhr: Der frühere Botschafter in Washington Jürgen Chrobog feiert bei Bertelsmann mit. Seine Erwartungen? "Ich denke, dass sich der Umgang mit kleineren Staaten und deren Einbindung nach der Wahl ändern wird. Außerdem wird es künftig mehr um Verantwortung gehen als um Macht."

21 Uhr:
Drüben bei Bertelsmann. Einige prominente Amerika-Fans sind bereits da. Regisseur Volker Schlöndorff ist ein bisschen nervös: "Ich würde am liebsten eine Kerze anzünden", sagt er. "Ich habe mich durch das Paul-Auster-Interview im Tagesspiegel anstecken lassen und bin mir jetzt auch nicht mehr ganz so sicher, dass die Wahl schon für Obama entschieden ist." Wie wurde er zum bekennenden Amerika-Fan? "Seit 1945. Ich wusste immer, dass Amerika die bessere Zivilisation ist."

20.30 Uhr: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Meckel trifft mit seiner Frau in der Telekom-Repräsentanz ein: „Es ist eigentlich nicht in Ordnung, dass bei dieser für die Welt so wichtigen Wahl wir Europäer nicht mitwählen dürfen", sagt er. "Ich würde Obama wählen. Ich hoffe auf einen wirklichen Wechsel. Ich hoffe, dass Obama es schafft das verdorbene Image der USA durch eine neue, multilatere Politik wieder zu verbessern.“

20.15 Uhr: RBB-Moderator Ulli Zelle sendet live aus der Telekom-Zentrale. In einer Pause sagt er: „Ich hoffe sehr auf eine Verbesserung der deutsch-amerikanischen Beziehungen.“ Über Austauschprogramme, die er betreut hat, ist ihm das Land sehr nahe gekommen, sagt er. „Ich hoffe, dass Obama gewinnt und dem Land den frischen Wind bringt, den es braucht. Ein Wechsel ist überfällig.“

20 Uhr: Journalist Werner Sonne, Korrespondent des Morgenmagazins im ARD-Hauptstadtstudio und lange Jahre Washington-Korrespondent, eilt zu der ersten Podiumsdiskussion dieser langen Nacht. „Ich erwarte einen Sieg von Obama“, sagt er. „Die USA und der Rest der Welt brauchen dringend einen Wechsel, die Bush-Zeit muss ein Ende haben.“

19.45 Uhr: Monika und Hans-Peter Groth, Tagesspiegel-Leser aus Charlottenburg, treffen mit anderen eingeladenen Lesern auf Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff, Redationsdirektor Gerd Appenzeller und andere Redakteure, um über die Wahl und ihre Bedeutung zu plaudern. „Wir hoffen, dass Obama gewinnt“, sagt Monika Groth. „Bush hat vier große Fehler gemacht: Irak, Afghanistan, Guantanamo und seine völlige Untätigkeit in Sachen Klimaschutz“, sagt Hans-Peter Groth. „Ich hoffe, dass sich Obama dieser Probleme annimmt.“ Amerika ist den beiden seit ihrer Kindheit nahe: „Ich bin mit Carepaketen großgeworden und habe als Kind die Rosinenbomber erlebt. Das prägt bis heute.“

19.30 Uhr: Die ersten Besucher strömen in die Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom zur Wahlparty der US-Botschaft, des Tagesspiegels und anderer Veranstalter. Hausherr W.-Michael Roper begrüßt seine Gäste. Was seine privaten Erwartungen an die Wahlnacht angeht, antwortet er diplomatisch: „Der Richtige wird gewinnen.“

19 Uhr: McCain-Fans sind in der Berliner Wahlnacht eine seltene Spezies. Zumindest bei den beiden größten Wahlpartys dieser Nacht in der Hauptstadtniederlassung der Deutschen Telekom und bei der Bertelsmann-Repräsentanz in Mitte. Man sieht "Obama First“-Anstecker, und fast jeder Gesprächspartner drückt dem demokratischen Präsidentschaftsbewerber die Daumen.Berlins wohl bekanntester Anhänger von George W. Bush und Republikaner-Unterstützer ist an diesem Abend wohlweislich nicht auf die Wahlpartys gekommen: US-Botschafter William R. Timken wird vertreten vom Gesandten der Botschaft, John M. Koenig. Bei Bier und Popcorn, Marshmallows und Hot Dogs feiern Tausende diesen Abend der großen Erwartungen.

In der Wahlnacht in Berlin unterwegs: Elisabeth Binder, Mercedes Bunz, Verena Friederike Hasel, Markus Hesselmann, Moritz Honert, Michael Hörz, Sigrid Kneist, Rita Nikolow, Katja Reimann, Björn Seeling, Lars von Törne.

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