Wahlumfrage : FDP stürzt auf fünf Prozent ab

09.06.2010 11:56 Uhr
Auf Sieg stehen die Zeichen für FDP-Chef Westerwelle und seine Partei derzeit nicht. Foto: dpa
Auf Sieg stehen die Zeichen für FDP-Chef Westerwelle und seine Partei derzeit nicht. - Foto: dpa

Deprimierende Werte für die FDP: Gerade mal fünf Prozent der Wähler würden ihr Kreuzchen bei den Liberalen machen. Die Grünen sind im Aufwind und liegen bei 18 Prozent.

Die FDP macht zurzeit keine gute Figur. Erfolge bleiben aus, die Einheit innerhalb der Partei und in der Regierungskoalition ist dahin. So äußerten mehrere führende FDP-Politiker offen Kritik an der Auswahl des Kandidaten für das Bundespräsidentenamt. Es könne nicht angehen, dass im Hau-Ruck-Verfahren ein CDU-Parteisoldat wie Christian Wulff durchgedrückt werde.

Da half es auch nicht, dass FDP-Chef Guido Westerwelle mit dem Sparpaket zumindest in den eigenen Reihen so etwas wie einen kleinen Befreiungsschlag hinbekommen hat – es brodelt bei den Liberalen, und der Wähler dankt es nicht.

In der jüngsten Forsa-Umfrage unter 2501 repräsentativ ausgesuchten Bundesbürgern im Auftrag von Stern und RTL hat die FDP zwei Prozentpunkte verloren im Vergleich zur Vorwoche und läge nur noch bei fünf Prozent, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre.

Die CDU profitiert von den Verlusten der FDP. Sie legte zwei Prozentpunkte zu und kommt jetzt auf 32 Prozent.

Auch die Grünen haben sich um zwei Punkte auf jetzt 18 Prozent verbessert, während die SPD unverändert bei 26 Prozent steht. Die Linke fällt um einen Punkt auf 12 Prozent, die "sonstigen Parteien" kommen auf sieben Prozent der Wählerstimmen.

Der Siegeszug der Grünen hält damit weiter an. Seit der Bundestagswahl 2009 verbesserten sie ihr Ergebnis stetig. "Viele SPD-Wähler parken ihre Stimme bei den Grünen", sagt Forsa-Chef Manfred Güllner im Stern. "Sie überzeugt das Personalangebot der SPD noch immer nicht."

Der klassische Mittelstand wendet sich laut Güllner von den Liberalen ab. So komme es zu dem Abwärtstrend bei der FDP. Die Enttäuschung in diesen Kreisen sei groß. "Die FDP sollte mitregieren und gleichzeitig ein Korrektiv zur CDU/CSU sein."

Ein Korrektiv zur Union – der abrupte Strategiewechsel der Liberalen beim Thema Steuersenkungen dürfte der Glaubwürdigkeit der Partei bei den Wählern weiter geschadet haben.

Auch im Streit um die Gesundheitsreform setzte sich die FDP bisher nicht durch. Insbesondere Liberale und CSU sind auf offener Bühne übereinander hergefallen. "Die CSU ist als Wildsau aufgetreten, sie hat sich nur destruktiv gezeigt", giftete etwa FDP-Staatssekretär Daniel Bahr nach dem Nein von CSU-Chef Horst Seehofer zur Kopfpauschale gegen den Koalitionspartner in Berlin.

In die tiefe Schublade griff auch FDP-Generalsekretär Christian Lindner. Er stellte die Frage in den Raum, ob der Regierungschef in München noch klar bei Verstand sei: "Seehofer hat ein persönliches Trauma. Jetzt müssen 70 Millionen gesetzlich Versicherte seine Traumtherapie machen."

Bereits im Februar hatte die FDP-Parteispitze eine Sondersitzung einberufen, um den drastischen Fall in der Wählergunst zu stoppen und über den künftigen Kurs der Partei zu beraten. FDP-Spitzenpolitiker wie das Bundesvorstandsmitglied Wolfgang Kubicki hatten die eigene Partei wiederholt zu mehr Geschlossenheit aufgerufen. (Zeit online/dpa)

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