Politik : Wahre Märchen

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So spitz können Finger gar nicht sein, wie sie sein müssten, um den Schmiergeld-Lobbyisten Karlheinz Schreiber damit anzufassen. Ein eitler Wichtigtuer, erfahren darin, durch raunende Andeutungen Politiker in Schwierigkeiten zu bringen, betreibt der vor der Steuerfahndung nach Kanada geflüchtete Kaufmann aus Kaufering vor allem sein eigenes Spiel. Er gibt die beleidigte Unschuld. Doch weder Drohungen mit Enthüllungen noch Appelle haben ihm bisher dem Ziel näher gebracht, das Strafverfahren der Staatsanwaltschaft Augsburg zu stoppen.

Wie viel an Schreibers Geschichten dran ist, ist schwer zu beurteilen. Dass sie wie Märchen klingen, spricht nicht automatisch gegen sie. Den Millionenkoffer für die CDU gab es ebenso wie die 100 000 Mark, die der damalige Unions-Fraktionschef Wolfgang Schäuble von Schreiber erhielt. Wie sich das genau zutrug, dazu offerierte Schreiber zwei unterschiedliche Versionen – was dazu beitrug, dass Schäuble den CDU-Vorsitz verlor.

Auch im konkreten Fall hat Schreibers Erzählung einen realen Kern. Jenes Konto in der Schweiz, das der Lobbyist mit 5,2 Millionen Mark gespeist und „Maxwell“ zugeschrieben hat, existiert. Die Augsburger Ermittler vermuten hinter „Maxwell“ den Strauss-Sohn Max. Falsch, sagt Schreiber. Profitiert habe die CSU. Dass er glaubt, Belege nicht vorlegen zu müssen, belegt vor allem eins: Schreiber will sein Spiel möglichst lange weiter treiben.bib

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