Politik : Waigel und Tietmeyereinigen sich im Streitum Währungsreserven

Devisenreserven sollen noch 1997 höher bewertet werden Bonn (AFP/AP).Bundesfinanzminister Waigel (CSU) und Bundesbankpräsident Tietmeyer haben ihren Streit um die Höherbewertung der Währungsreserven der Bundesbank endgültig beigelegt.Bei einem Treffen am Donnerstag in Bonn einigten sie sich darauf, daß die Devisenreserven der Zentralbank noch in diesem Jahr höher bewertet werden sollen.Eine Höherbewertung auch der Goldreserven, wie sie Waigel ursprünglich angestrebt hatte und von der Bundesbank energisch abgelehnt worden war, soll 1999 folgen.-"Wir haben eine Lösung gefunden", erklärten Waigel und Tietmeyer übereinstimmend nach ihrem rund eineinhalbstündigen Treffen.Im einzelnen erlaubt die Verständigung, mit dem Übergang in die europäische Währungsunion 1999 die Gesetze so zu ändern, daß alle Währungsreserven - also auch Gold - eine "marktnahe Bewertung" erfahren können.Ferner beabsichtigt die Bundesbank, bereits 1997 "Bewertungsspielräume" zu nutzen, die sich aus den geltenden Rechnungslegungsvorschriften ergeben.Das bedeutet, daß Waigel auch ohne Gesetzesänderungen bereits 1998 zusätzliche Gewinne aus einer Höherbewertung der Devisenreserven einstreichen kann.DiesesGeld soll nach dem Willen der Koalition 1998 in den Erblastentilgungsfonds fließen gehen, in den die DDR-Altschulden übertragen worden waren. Derzeit betragen die deutschen Devisenreserven rund 72 Milliarden DM, davon der Großteil in amerikanischer Währung.Die Bundesbank bewertet ihre Dollarbestände derzeit mit dem historischen Tiefststand von 1,3620 DM je Dollar, was nicht annähernd dem aktuellen Wert von mehr als 1,70 DM entspricht.Nach Schätzungen könnte eine Höherbewertung des Dollarschatzes der Bundesbank 1998 rund zehn Milliarden DM zusätzlich einbringen. Waigels Vorstoß zur Neubewertung des Goldes hatte die Bundesbank als Angriff auf ihre Unabhängigkeit zurückgewiesen.

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