Politik : Waldschadensbericht: Am schlechtesten geht es der Buche

Berlin (AP). Ungeachtet aller Umweltschutzmaßnahmen haben die Waldschäden in Deutschland seit fünf Jahren nicht abgenommen. Besonders Stickoxid-Emissionen aus Verkehr und Landwirtschaft setzen den Bäumen zu - so steht es im Waldschadensbericht, den Gerald Thalheim als Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium am Donnerstag vorstellte. Wie Thalheim forderten Umwelt- und Forstverbände besonders die Landwirtschaft auf, mehr zur Vermeidung übermäßiger Stickstoff-Emissionen zu tun.

Die Buche entwickelt sich dem Bericht zufolge immer mehr zum meistgeschädigten Patienten, während der Schadensanteil bei der Eiche zurückgegangen ist und bei Fichte und Kiefer nach Rückgängen seit 1995 stagniert. Der Flächenanteil der deutlichen Schäden liege nun im Buchenwald über 40 Prozent. Die signifikante Steigerung sei aber vermutlich nicht nur auf die Schadstoffe zurückzuführen, sondern auch auf ein hohes Fruchtwachstum im Vorjahr, das die Bäume geschwächt habe. Bei der Eiche dagegen sei der Schadensanteil bis 1997 gestiegen, inzwischen aber deutlich zurückgegangen. Er betrage noch 35 Prozent.

Insgesamt hat sich der Anteil der Flächen leicht erhöht, auf denen die Bäume deutliche Schäden aufweisen. Thalheim schränkte diese Aussage aber dahingehend ein, dass sich die Erhöhung im "sehr engen, statistisch nicht gesicherten Bereich" bewege.

Die Ergebnisse der Bodenzustandserhebung belegen den Angaben zufolge, "dass nach wie vor ein hohes Gefährdungspotenzial für den Wald besteht". Zwar seien die Eintragsraten von Schwefel seit Anfang der 80er Jahre drastisch, auf ostdeutschen Waldflächen bis zu 85 Prozent zurückgegangen. Aber bei den Stickstoffeinträgen und den Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft verlaufe die Entwicklung "unterschiedlich". Die in Deutschland gemessenen Werte gehörten zu den höchsten in Europa.

Thalheim forderte die Landwirtschaft auf, alles zu tun, die Stickstoffemissionen zu verringern, räumte aber selbst ein, dass dies nicht einfach sei. Die Ursache des Schadenverlaufs sei unter anderem darin zu sehen, dass mit der Entschwefelung von Kraftwerken und der Einführung des Katalysators die Schwefelemissionen drastisch verringert worden seien, die Luftverunreinigung durch Stickoxide aber anhalte.

Das Bundesamt für Naturschutz in Bonn fügte hinzu, der Bodenzustand werde zunehmend problematisch, "weil die aktuellen Schadstoffeinträge die kritischen Grenzwerte übersteigen". Der Präsident des Amtes, Hartmut Vogtmann, sagte: "Im Wald tickt weiterhin eine Zeitbombe, da die Wälder die Schadstoffbelastungen nicht mehr verkraften können und auch die Gefährdung des Grundwassers weiter zunimmt." Er forderte eine Begrenzung der Massentierhaltung.

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat bedauerte: "Gestorben ist das Waldsterben nur im Bewusstsein der Öffentlichkeit." Er verlangte, die Einnahmen aus der Ökosteuer gezielt zur Rettung des Waldes einzusetzen. Überdies sollte die Bundesregierung die Waldbesitzer entschädigen. Die Umweltorganisation Robin Wood verlangte die "Eindämmung des Pkw- und Lkw-Verkehrs und die Abkehr von der Massentierproduktion".

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