Politik : Walfänger in der Offensive

Dagmar Dehmer

Sorrent/Berlin - Alle warten auf die erste Abstimmung an diesem Montag. Erst dann ist klar, wie das Stimmenverhältnis zwischen Walfängern und -schützern auf der 56. Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) wirklich aussieht. Zum ersten Mal seit 25 Jahren befürchten Umweltschützer, dass die Mehrheit zugunsten der Walfänger gekippt sein könnte. „Wir sind sehr besorgt“, sagte der Walexperte Volker Homes vom WWF dem Tagesspiegel.

1982 beschloss die IWC ein Moratorium für den Walfang, seit 1986 dürfen zu wirtschaftlichen Zwecken keine Wale mehr getötet werden. Seither kämpft Japan gegen dieses Walfangverbot. Seit Jahren hat Japan neue Mitgliedsstaaten für die IWC geworben, denen es mal mehr, mal weniger direkt Wirtschaftshilfe angeboten hat. Vor der Walfangkonferenz, die am Montag in Sorrent bei Neapel beginnt und bis zum Donnerstag dauert, sind Tuvalu, Mauretanien, Surinam und Elfenbeinküste dem Gremium beigetreten – offensichtlich auf Wunsch Japans. Der Leiter der deutschen IWC-Delegation, Peter Bradhering, sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Der Jahresbeitrag wird, so vermuten wir, von Japan bezahlt werden.“

Volker Homes sagt: „Es wäre ein fatales Signal für den Walschutz, wenn die Walfänger die Oberhand bekämen.“ Denn das hätte dann auch Auswirkungen auf andere Umweltabkommen, etwa das Internationale Artenschutzabkommen (Cites), bei dem Japan im Herbst erreichen will, dass der Handel mit Walfleisch wieder zugelassen wird. Abgesehen davon soll es in Sorrent aber auch um andere Bedrohungen für die Wale gehen: etwa dass viele als Beifang in Fischernetzen enden oder dass die letzten 100 Exemplare des westpazifischen Grauwals womöglich der Ölförderung geopfert werden.

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