Politik : Walfang: Vom Abstimmen bedroht

Claudia von Salzen

Die Wale vor dem Aussterben retten - das fordern Umweltschützer schon seit Jahrzehnten. Doch trotz aller Bemühungen sind nach Angaben des World Wide Fund for Nature (WWF) noch immer sieben von 13 Großwal-Arten stark gefährdet. Der kommerzielle Walfang, eine der wichtigsten Ursachen für die Bedrohung der Arten, ist seit 1986 untersagt. Dieses Moratorium steht erneut auf dem Prüfstand, wenn an diesem Montag in London die Internationale Walfangkommission (IWC) zusammenkommt.

Die Fronten sind verhärtet: Auf der einen Seite die Staaten, die sich wie Deutschland, Neuseeland und die USA für den Schutz der Wale einsetzen, auf der anderen Seite diejenigen, die ein Interesse am kommerziellen Walfang haben. Japan und Norwegen hatten sich von Anfang an gegen ein Moratorium ausgesprochen - und inzwischen Wege gefunden, es zu umgehen. Jedes Jahr fängt Japan etwa 500 Zwergwale und beruft sich darauf, dass dies zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt ist. Norwegen betreibt offen den kommerziellen Walfang: Durch einen offiziellen Einspruch ist das Land nicht an das Moratorium gebunden. Nach Angaben des WWF wurden seit 1986 mehr als 21 000 Wale getötet.

Die Bundesregierung will sich bei der IWC-Tagung in London dafür einsetzen, das Walfangverbot beizubehalten und durch Kontrollen zu stärken. "Wir sind gegen jegliche kommerzielle Nutzung", sagte Verbraucherschutzministerin Renate Künast, in deren Ressort auch der Walfang fällt. Nach den Vorstellungen der Walschützer sollen internationale Beobachter auf den Schiffen mitfahren. Eine DNA-Analyse soll zudem sicherstellen, dass Fleisch illegal getöteter Tiere nicht in Restaurants gelangt. Doch in den IWC-Abstimmmungen zeichnet sich eine Patt-Situation ab: Die Walfangstaaten können für eine Aufhebung des Moratoriums nicht die erforderliche Drei-Viertel-Mehrheit zusammenbringen. Auf der anderen Seite können aber auch verstärkte Kontrollen oder Schutzgebiete nicht durchgesetzt werden, solange die Walfangländer dies verhindern. Unterdessen schaffen die Walfangländer Fakten. Norwegen will Walfleisch wieder exportieren - und Island den kommerziellen Walfang wieder aufnehmen.

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