Politik : Walfangkonferenz für mehr Schutz

Japan besteht auf Jagd und droht mit Verlassen des Gremiums

Dagmar Dehmer

Berlin. Die Internationale Walfangkommission (IWC) soll sich in Zukunft mehr mit dem Schutz der Meeressäuger befassen. Am ersten Tag der IWC-Jahrestagung stimmten 25 Nationen für einen neuen Walschutz-Ausschuss, der die vielfältigen Bedrohungen der Tiere untersuchen soll, 20 Länder stimmten dagegen. „Das ist eine hinterhältige Strategie, um die nachhaltige Nutzung von Walen als Nahrungsquelle zu beenden“, kritisierte der Leiter der japanischen Delegation, Minoru Morimoto. „Damit wird der Zweck der IWC in einer Art und Weise umgedeutet, wie das noch mit keiner internationalen Konvention je zuvor passiert ist“, sagte er weiter. Morimoto drohte am Montag damit, die Mitgliedschaft Japans in der IWC „zu überdenken“. Auf keinen Fall werde sich Japan, ebenso wenig die Walfang-Nationen Norwegen und Island, an der Finanzierung des Walschutzausschusses beteiligen.

Dagegen wertete Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) den Beschluss als großen Erfolg. „Damit wird der Walschutz als ein Kernanliegen der IWC anerkannt und erhält einen deutlich höheren Stellenwert als bisher“, lobte sie. Sandra Altherr von Pro Wildlife sagte: „Die Berlin-Initiative ist seit Jahren der erste wirklich konstruktive Vorschlag für eine Neuausrichtung der IWC.“ Volker Homes vom World Wide Fund for Nature (WWF) ergänzte: „Das ist ein großartiger Erfolg und ein historischer Tag für den Walschutz.“ Auch Niki Entrup von der Walschutzinitiative WDCS sieht in der Berlin-Initiative „eine Resolution, die Zeichen setzt“. Allerdings schränkte Thilo Maack von Greenpeace ein: „Das ist nur ein erster Schritt auf dem langen Weg von der Walfang- zur Walschutzkommission.“

Seit Jahren blockiert sich die IWC selbst. Denn für bindende Beschlüsse sind Dreiviertel-Mehrheiten nötig. Deshalb müssen sich die Gegner des Walschutzausschusses auch nicht an der Berlin-Initiative beteiligen. Vor einem Jahr herrschte in der IWC allerdings ein Stimmenpatt. Deshalb kamen damals gar keine Beschlüsse zustande. In diesem Jahr besteht aber die Chance, dass weitere Walschutz-Resolutionen eine Mehrheit finden. Als wichtigste nennt Volker Homes eine auch von Deutschland unterstützte Erklärung zum Beifang. Nach WWF- Informationen verenden jedes Jahr 300 000 Wale und Delfine in Fischernetzen oder werden als unerwünschte Nebenprodukte aus dem Meer gezogen.

Außerdem will Renate Künast eine Resolution zur Walbeobachtung einbringen: „Die beste Art Wale zu schützen, ist nicht die Harpune sondern die Fotokamera“, sagte sie in ihrer Eröffnungsrede. Gleichzeitig warnte Künast Island davor, den Walfang unter dem Deckmantel der Wissenschaft wieder aufzunehmen. „Dafür haben wir kein Verständnis“, sagte sie.

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