Politik : Warnsystem für Tsunami kann starten

Moritz Kleine-Brockhoff

Jakarta - Deutschland will noch in diesem Jahr in Indonesien mit dem Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems beginnen, das in drei Jahren funktionieren soll. Außer der Lieferung moderner Technik ist die Ausbildung von indonesischen Wissenschaftlern und Verwaltungskräften vorgesehen. Mit Küstenbewohnern soll geübt werden, wie auf eine Tsunami-Warnung zu reagieren ist. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten in Jakarta die Forschungsminister von Deutschland und Indonesien, Edelgard Bulmahn und Kusmayanto Kadiman. Technik und Ausbildung kosten insgesamt 45 Millionen Euro, der Haushaltsausschuss des Bundestages muss noch zustimmen. Das Geld soll Teil der 500 Millionen Euro sein, die die Bundesregierung als Tsunami-Hilfe zur Verfügung stellen will.

„Ende Oktober wird unser Forschungsschiff ,Sonne’ vor Indonesien die erste von zehn Messbojen aussetzen und den Meeresboden kartieren“, sagte Professor Burkhard Buttkus, der Vizepräsident der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft. Später sollen Druckmesser in bis zu 7000 Meter Tiefe gelassen werden. Im Falle eines Seebebens könnte dann mit Hilfe der Daten von Meeresboden und Wasseroberfläche in wenigen Minuten errechnet werden, ob Tsunamis folgen. Falls nötig, sollen außer Indonesien auch andere gefährdete Staaten und ihre Bevölkerungen gewarnt werden. Das satellitengestützte System wird unter Führung des Geo-Forschungs-Zentrums Potsdam entwickelt.

„Ich bin froh, dass Indonesien sich für das deutsche Konzept entschieden hat, das neueste Technologie nutzt“, sagte Edelgard Bulmahn in Jakarta. Ursprünglich war vorgesehen, dass außer Indonesien auch Sri Lanka ein deutsches Frühwarnsystem bekommt. Die Anrainer des Indischen Ozeans konnten sich jedoch nicht auf eine einheitliche Frühwarnung verständigen. Die in Deutschland zur Verfügung stehenden Mittel fließen nun ausschließlich nach Indonesien. „Es ist sinnvoll, sich im bebengefährdetsten Gebiet, also in Indonesien, zu engagieren“, so Bulmahn. „Die anderen Staaten in der Region profitieren, weil unser Konzept offen ist, sie erhalten auch die gesammelten Daten.“

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