Politik : Warnung vor Terroristen im Internet

Michael Schmidt

Wiesbaden - Unter dem Eindruck des am Vortag veröffentlichten Drohvideos der „Globalen Islamischen Medienfront“ (Gimf) hat der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, am Mittwoch vor wachsenden Gefahren durch das Internet gewarnt. Es sei zum Leitmedium für Terroristen und Pädophilen geworden. Mittlerweile gebe es aber überhaupt „kaum noch einen Bereich der Kriminalität, in dem das Internet keine Rolle spielt“, sagte Ziercke auf der BKA-Herbsttagung in Wiesbaden. Nach Angaben von Ziercke wurden im vergangenen Jahr mehr als 165 000 Straftaten mit dem Merkmal „Tatmittel Internet“ erfasst – eine Steigerung um 40,4 Prozent.

Das Internet werde, unter dem Motto, „kannst du nicht zur Ausbildung kommen, kommt die Ausbildung zu dir“, als „Fernuniversität“ und als „virtuelles Trainingscamp“ genutzt, sagte der Journalist Yassin Musharbash. Es habe dem Terrornetzwerk Al Qaida nach dem Afghanistankrieg als Antwort auf die Anschläge vom 11. September 2001 das Überleben ermöglicht. Und zugleich Al Qaida selbst verändert: Es habe einen neuen Aktivistentypus hervorgebracht, den „Terrorehrenamtlichen“. Al Qaida sei damit im virtuellen Raum „auf dem Weg zu einer Art Wiki-Qaida: einem internetbasierten Dschihad-Projekt, an dem jeder mitschreiben und mitwirken darf“.

Der israelische Terrorismusexperte Gabriel Weimann von der Universität Haifa zeigte, dass die Zahl der terroristischen Websites von zwölf im Jahr 1998 auf 5860 im November 2007 gestiegen sei. „Alle aktiven Terrorgruppierungen sind im Internet präsent“, sagte Weimann, islamistische wie rechts- und linksextremistische. „Der Terrorismus im Internet ist ein sehr dynamisches Phänomen“, sagte Weimann: „Internetseiten tauchen plötzlich auf, erscheinen in häufig wechselndem Format und verschwinden wieder – oder scheinen zu verschwinden, behalten jedoch ihren Inhalt auf einer geänderten Online-Adresse bei.“

Der Internet-„Wachstumsmarkt“ schlechthin, sagt BKA-Präsident Ziercke, sei die Verbreitung von Kinderpornografie. Im Kampf dagegen will Norwegen neue Wege gehen. Björn-Erik Ludvigsen von Interpol Oslo stellte dazu ein Filtersystem vor, das den Zugang zu entsprechenden Seiten blockiert. Jeder verhinderte Zugriff sei eine verhinderte Straftat, sagte Ludvigsen. Das BKA beobachtet dies mit großem Interesse. Michael Schmidt

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