Politik : Warschauer Aufstand: Polen kauft Briefe von Deutschem

Knut Krohn

Warschau - Ausgerechnet ein Deutscher! Viele Polen waren empört. Ausgerechnet ein deutscher Sammler bot auf einer Auktion in Düsseldorf 123 Briefe, Briefmarken, Umschläge und Ansichtkarten aus der Zeit des Warschauer Aufstandes zum Verkauf an – aus einer Zeit, in der für Polen eine Art nationaler Heldenmythos geboren wurde.

Damals, am 1. August 1944, erhoben sich zehntausende Polen in einem Akt des Mutes und der Verzweiflung gegen die übermächtigen deutschen Besatzer. Doch sie wurden in einem monatelangen Häuserkampf niedergemetzelt. SS-Chef Heinrich Himmler befahl danach die totale Zerstörung Warschaus. Fast 200 000 Menschen wurden während dieser Kämpfe getötet.

Der Protest gegen die Versteigerung dieser für Polen so wertvollen Zeitzeugnisse war vor allem im national-konservativen Lager groß. Manche äußerten auch die Vermutung, dass es sich bei den Briefen um geraubte Kulturschätze handeln könnte.

Doch die Wahrheit war viel profaner: Der deutsche Sammler, der sich für die Zeit des Warschauer Aufstandes interessiert, hatte die Briefe in den vergangenen Jahrzehnten mühsam und rechtmäßig erworben.

Der Aufkauf der Briefe war also mit großen Emotionen beladen und so schnell zu einer Art nationalen Angelegenheit geworden. Es wurde sogar der Gedanke formuliert, die deutsche Bundesregierung könnte diese Dokumente kaufen und sie dann in einer Geste der Versöhnung den Polen schenken. Doch die Zeit drängte, aus diesem Grund entschloss sich das Kulturministerium in Warschau zum Handeln. Am Wochenende, als die Frist der Auktion ablief, machte Kulturminister Zdrojewski schließlich ein Angebot: 190 000 Euro – und er bekam den Zuschlag. Zuvor hatten polnische Sachverständige die Sammlung überprüft.

„Wir können unser Glück noch gar nicht fassen“, kommentierte Jan Oldakowski den Ankauf. Er ist Direktor des Museums des Warschauer Aufstandes. Dort soll die kleine Sammlung jetzt bereits im kommenden Monat ausgestellt werden.Knut Krohn

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