Politik : Warten auf Anruf

Markus Feldenkirchen

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Da sage noch einmal einer, Soldaten seien träge oder knorrige Typen. In Wahrheit sind sie schneller noch als Rudolf Scharping und allzeit gesprächsbereit. Wir verdanken diese Erkenntnis einer Umfrage des Magazins „Politik & Agentur“. Nicht erst seit der Erfindung von Helmut Markwort gibt es ja zu jedem Bereich des Lebens ein Ranking. Gerüchten zufolge soll „Focus“ gerade an einem neuen arbeiten: „Die 52 kuscheligsten deutschen Fischfrikadellen“. Höchste Zeit also, dass endlich mal jemand die Bundesministerien überprüft. „Politik & Agentur“ hat also bei 120 Journalisten nachgefragt, wie schnell und zuverlässig die Pressestellen der Ministerien arbeiten. Und dabei landete das Verteidigungsministerium von Peter Struck mit der Durchschnittsnote 2,38 eben auf Platz eins. Der große Verlierer ist die Pressestelle des Innenministeriums. Note 3,38, letzter Platz!

Es gibt in der Tat Kollegen, die behaupten, dass es leichter sei, den Papst an die Strippe zu bekommen als einen Pressesprecher des Innenministeriums. Und diese Kollegen berufen sich dann auch noch auf empirische Erfahrungen. Das ist natürlich polemisch und irgendwie auch ungerecht, weil dieselben Leute nach längerem Nachbohren selbst zugeben müssen, dass sie in Wahrheit noch nie beim Papst angerufen haben.

Hinzu kommt der Undank. Schließlich sparen die Pressesprecher des Innenministeriums dem Staat ja auch eine Menge Geld, wenn sie auf Rückrufe weitestgehend verzichten. Und außerdem verschicken sie kurz vor Heiligabend immer die schönsten Weihnachtskarten mit Foto aller Mitarbeiter. So kann man wenigstens sehen, mit wem man hätte sprechen können. Und wenn Otto Schilys Behörde tatsächlich ständig mit der Außenwelt in Form von Journalisten kommunizieren würde, dann wäre sie ja mehr Außen- als Innenministerium. Und das wäre ja Quatsch. Die Kollegen hätten das arme Ministerium also ruhig etwas milder beurteilen können. Aber mich hat ja wieder keiner angerufen.

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