Politik : Warum Berlin Russland eine Atomfabrik verkaufen will

Christoph von Marschall

"Eine ganz, ganz schwere Entscheidung" hatte Joschka Fischer beim grünen Parteitag in Karlsruhe mit sorgenzerfurchter Stirn angekündigt. "Da lade ich wirklich zu kreativen Lösungen ein." Je 34 Tonnen Waffenplutonium wollen Russland und die USA abrüsten, vereinbarten Clinton und Putin am Wochenende. Deutschland hat eine sichere Technik der Aufarbeitung zu Brennstäben. Moskau möchte die Atomfabrik Hanau kaufen - die aber hat Fischer 1991 als hessischer Umweltminister stillgelegt. Die Grünen lehnen die Plutoniumwirtschaft ab.

Die Grüne Michaele Hustedt sagte nun dem "Handelsblatt", Rot-Grün solle die Ausfuhr der Siemens-Anlage genehmigen. Die Aufarbeitung des Plutoniums sei für Russland billiger als die Endlagerung, weil es die Brennstäbe in eigenen Atomkraftwerken nutzen oder sie verkaufen könne. Für viele Grüne ein Schock. Greenpeace-Sprecherin Susanne Ochse protestiert im Tagesspiegel: "Plutonium ist Atommüll. Den muss man sicher versorgen." Rot-Grün müsse konsequent auf "Immobilisierung" setzen: Verschmelzung des Plutoniums mit Keramik und dann Endlagerung. Deshalb: "Kein Export der Hanauer Anlage. Kein Kauf der russischen Brennstäbe für deutsche Atomkraftwerke." Aufarbeitung in Russland sei zu gefährlich. "Das Plutonium in den Mox-Brennelementen bleibt bis zu deren Nutzung waffenfähig. Die langen Transporte quer durch Russland sind ein zu großes Risiko."

Das Auswärtige Amt sieht keine Eile. Der G-8-Gipfel in Okinawa werde Mitte Juli über Endlagerung oder Aufarbeitung sowie nötige Finanzhilfen für Moskau entscheiden. Wenn überhaupt, sei erst danach über die Hanauer Atomfabrik zu entscheiden.

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