Politik : Warum der New Yorker Baulöwe gern US-Präsident werden möchte

Eva Schweitzer

Den kennen wir doch. Diesen semmelblonden, leicht aufgedunsenen Mittfünfziger, der breit grinsend in das Büro des New Yorker Bürgermeisters marschiert und sich, als ihm ein Stuhl angeboten wird, wie selbstverständlich auf den Sessel des Rathauschefs setzt? Klar, das ist Donald Trump, "The Donald", Amerikas berühmtester Baulöwe, der sich jüngst einen Kurzauftritt in der TV-Serie "Chaos City" gönnte.

Und nun strebt er gar einen echten Chefsessel an, den im Weißen Haus nämlich, und zwar für die "Reform Party", in der sich konservative Business-Männer zusammengefunden haben. Freilich ging deren letzter Präsidentschafts-Aspirant, der texanische Milliardär Ross Perot, gegen den Amtsinhaber Bill Clinton sang- und klanglos unter. Dann aber, 1998, gelang es Jesse "The Body" Ventura, einem früheren Wrestler, für die Reform Party vollkommen überraschend den Governeurssitz von Minnesota zu erobern. Und Ventura war es auch, der seinen Parteifreunden Donald Trump als neuen Spitzenkandidaten vorschlug. Und zwar gegen den ultrarechten Pat Buchanan, der sich in den USA unbeliebt gemacht hat, weil er zum Beispiel findet, Adolf Hitler habe bis 1940 keine echte Bedrohung für die Vereinigten Staaten dargestellt.

Donald Trump also. Der Millionärssohn, der den Anschein verbreitet, er sei immer zu kurz gekommen. Der ein Faible für rekordträchtige Hochhäuser mit fetten goldenen Lettern dran hat, die "Trump Tower" heißen, "Trump Building" oder "Trump Casino". Der Mann, der hemdsärmelig wirkt, auch wenn er Smoking trägt. Der Mann, der angeblich nicht raucht, keinen Alkohol trinkt, zum Frühstück Diät Cola statt Kaffee trinkt und dessen einzige Schwäche schöne Frauen sind, wofür das amerikanische Volk, wie man ja bei Bill Clinton gesehen hat, durchaus Verständnis hat. Bei der letzten Umfrage habe er viel Zustimmung erfahren, sagte er, als er am 7. Oktober sein Beraterkomitee vorstellte - allerdings verschwieg er geflissentlich, dass in der von ihm zitierten Erhebung gerade mal 100 Leute befragt wurden.

Donald Trump gilt im Ausland als der typische New Yorker - neureich, vorlaut, schlitzohrig. Das schmerzt niemanden mehr als die New Yorker selber. Trump als Präsidentschaftskandidat - das wäre, gemessen an seinem Ruf, ungefähr so, als wollte in Deutschland Dieter Bohlen Bundeskanzler werden. "Alles, was Trump anfasst, ist geschmacklos, selbst wenn er die besten Architekten engagiert", wütete ein Kulturkritiker der New York Times angesichts seines derzeit größten Vorhabens, einem schmucklosen Hochhaus-Komplex im Schlamm des Hudson-Flusses. Die Presse kann Trump übrigens gar nicht leiden. In seinem jüngsten Buch widmete er den Publizisten ein Kapitel, in dem er Journalisten in einem Aufwasch mit Bazillen abhandelte - vor denen er panische Angst hat.

Der "Trump Tower" in der Fifth Avenue ist ein Monstrum in braun getöntem Glas, innen rosa Marmor und Messing. In der Lobby wirbt ein überlebensgroßes Konterfei für Trumps drittes Buch, "The Art of the Comeback". Sein viertes Werk soll zum Jahreswechsel erscheinen, wenn es offiziell wird mit der Kandidatur. Ein Comeback hat er wahrlich hingelegt. Mitte der achtziger Jahre, beim großen Immobiliencrash, war er so gut wie erledigt. Mit einem Milliardenschaden lag er am Boden. "Guck mal", sagte er damals zu seiner Frau Marla, bei einem Spaziergang über die Fifth Avenue, "der Bettler da drüben, der hat 900 Millionen Dollar mehr als ich."

In den Jahren darauf hörte man von Trump nur noch, wenn es seine eher schwierigen Beziehungen mit Frauen betraf: Die Scheidung von der biestigen, blonden Ivana kostete ihn 25 Millionen Dollar, die schöne Marla wurde er für fünf Millionen Dollar los, und zwischendurch zerrte ihn Leona Helmsley vor Gericht, die Witwe eines Immobilienspekulanten, die er öffentlich als "Hexe" tituliert hatte.

Inzwischen hat er die dritte Gattin heimgeführt, auch sie eine Schönheitskönigin - Trump hat den Miss-Universe-Wettbewerb gekauft und sitzt demzufolge an der Quelle. Er soll er auch wieder über 1,6 Milliarden Dollar verfügen, behauptet das Wirtschaftsmagazin "Fortune". Trump rappelte sich rascher auf, als seine damaligen geldgebenden Banken es vermochten, und kam höher, als manchen lieb ist. Sein neuestes Projekt, das größte Wohnhochhaus der Welt in unmittelbarer Nähe der Vereinten Nationen, erregt den Zorn illustrer Anwohner: UN-Generalsekretär Kofi Annan gehört dazu, Walter Cronkite, ein bekannter Nachrichtenmann, Victoria Newhouse, Frau eines der größten US-Verleger. New Yorks Law-and-order-Bürgermeister Rudy Giuliani hat das Hochhaus handstreichartig genehmigen lassen, Giuliani, dessen Wahlkampf Trump finanziell unterstützte. In Trumps Welt, heißt es, wäscht eine Hand die andere.

Im Nachbarstaat New Jersey, wo Trump fast ein Monopol auf Spielcasinos hat, gelang das nicht ganz so gut. Als Casinobesitzer durfte er beim letzten Gouverneurs-Wahlkampf nicht spenden. Dafür drohte er, für zwei Millionen Dollar Fernsehspots zu kaufen, um gegen die Amtsinhaberin zu hetzen. Denn Christine Todd Whitman wollte aus Steuergeldern einen Tunnel finanzieren, der das Casino eines Konkurrenten besser erschlossen hätte.

Für eine Präsidentschaftskampagne bräuchte Trump einen zweistelligen Millionenbetrag. Er verfügt über genug Bares oder wird es zumindest wieder schaffen, die Banken bluten zu lassen. Aber wofür steht er politisch? Für Steuerstreichungen natürlich und für verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten für Bauunternehmer. "Das Immobiliengeschäft ist das Rückgrat unseres Landes", sagte er einmal. Und, fragte er jüngst, "sind Immobiliengeschäft und Politik wirklich so verschieden?"

Gesellschaftspolitisch gilt Trump als liberal, ist etwa für das Recht auf Abtreibung, bei seinem Lebenswandel vielleicht auch angemessen. Zum Lewinsky-Skandal bemerkte er, der Präsident hätte sich besser an ein Supermodel gehalten: "Dann wäre er jetzt ein Held." Vielleicht ist die Trump-Kandidatur aber auch nur ein besonders geschickter Schachzug der Republikaner, bei denen Trump Mitglied ist. Würde nämlich Buchanan, das alte konservative Schlachtross, für die Reform Party kandidieren, könnte er George Bush, dem mutmaßlichen Republikaner-Kandidaten, Stimmen wegnehmen. Trump weniger. Denn auch die meisten Amerikaner möchten nicht, dass über dem Weißen Haus in fetten goldenen Lettern "Trump Castle" steht.

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