Politik : Warum man den Löffel in die Suppe hält

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Es war relativ schwer, der Christiansen-Sendung am Sonntag eine klare Botschaft zu entnehmen. Alles hatte irgendwie mit Knuts Knopfaugen und Gabriele Paulis Latexhandschuhen zu tun. Aber vielleicht dieser Satz hier, formuliert von der Moderatorin persönlich: „Da wurde der Löffel wieder in die Suppe gehalten.“

Das Bild galt Josef Ackermann, der im letzten Jahr 13,2 Millionen Euro verdient hat. Aber ist das nun illegal? Die Suppe war da, der Löffel zur Hand, der Appetit groß – was soll man da machen? In der neidbetonten öffentlichen Debatte kommt immer viel zu kurz, welch aberwitziger Druck auf den betreffenden Personen lastet. Immer die Nummer eins sein, immer am meisten Gehalt beziehen, das ist ja nur so lange zu ertragen, bis ein anderer zum Überholen ansetzt und die gesamte Presse den Verlierer verhöhnt. Zack, ist die Motivation weg, der strategische Impetus bricht zusammen und macht lähmender Depression Platz. Diesen Druck merkt man den Großen ständig an.

Überhaupt: 13,2 Millionen. Es gibt vermutlich nichts Grässlicheres, als diese gewiss faszinierende Summe auf der Gehaltsabrechnung zu sehen – und dann nachzulesen, was das Finanzamt gleich wieder mitnimmt. Bittere Galle! Sozialabgaben fallen bei Vorstandsmitgliedern nicht an, das mag trösten. Aber dann ruft irgendein Sohn an und nörgelt, dass er noch zwei Semester mehr in Harvard braucht, die Schindeln vom Chalet in Gstaad bröckeln und die Reitpferde der Gemahlin haben Osteoporose. Ja, am Ende wird man sagen müssen, dass das viele Geld letztlich nie die Kosten deckt, die der ihm angemessene Lebensstil unweigerlich verursacht.

Zumal das Geld ja da ist und auf den Löffel wartet. Zweifellos könnte die Deutsche Bank für das Gehalt ihres Chefs mindestens 200 Kassierer oder Sachbearbeiter einstellen. Aber dann geht das Elend ja erst los. Was sollen die Kassierer kassieren? Welche Sachen sollen die Sachbearbeiter bearbeiten? Neue Computer, neue Arbeitsplätze in neuen Gebäuden, und das möglichst auch noch klimaneutral, das geht sowieso nicht. Da ist es wirklich viel besser, dass einer die ganze Kohle nimmt und in der Schweiz luftdicht verbunkert, bis der Klimawandel vorüber ist.

Seien wir froh, dass wir nicht so eingespannt sind wie Josef Ackermann, der ja längst im beinharten Kampf um den Spitzenverdiener-Titel 2007 steckt. Sollte er plötzlich anfangen, eine Gabel in die Suppe zu halten, dann erst wissen wir: Seine beste Zeit ist vorbei.

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