• Warum nach dem jüngsten Schäuble-Bekenntnis einige ihren Chef verteidigen und andere merkwürdig stumm bleiben

Politik : Warum nach dem jüngsten Schäuble-Bekenntnis einige ihren Chef verteidigen und andere merkwürdig stumm bleiben

Thomas Kröter

Heiner Geißler will ihn als Vorsitzenden behalten, Peter Müller auch. Erwin Teufel vertraut ihm, Christian Wulff auch. Friedrich Merz will ihm sogar helfen. Bei so viel Unterstützung könnte Wolfgang Schäuble eigentlich zufrieden sein. Zwar hat er bezüglich des Waffen handelnden Parteispenders Karlheinz Schreiber eine weitere Erinnerungslücke offenbaren müssen: noch ein Treffen. Doch die Parteifreunde halten zu ihm. Diese. Aber was hatten am Tag nach dem erneut nicht ganz freiwilligen Fernsehgeständnis des CDU-Vorsitzenden, sagen wir: na ja, nicht gerade Jürgen Rüttgers, aber doch Roland Koch, Volker Rühe oder Angela Merkel zu tun? Lag ihnen keine Interview-Anfrage vor, deren positiver Bescheid ihnen Gelegenheit gegeben hätte, sich jedenfalls auf seine Seite zu schlagen?

Auch die Unterstützer knirschen hörbar mit den Zähnen: "Ich glaube, dass Wolfgang Schäuble schwierige Tage vor sich hat", gibt Parteivize Wulff zu Protokoll, "weil zur Politik Glaubwürdigkeit gehört. Fraktionsvize Merz kann sich die Bemerkung nicht verkneifen: "Das wäre uns besser erspart geblieben." Unterstützung aus voller Überzeugung hört sich anders an. Schon macht das Wort vom "Befreiungsschlag" die Runde.

Vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 27. Februar soll er angeblich stattfinden - wen er treffen soll ist auch klar. Bleibt nur ein Problem: Wer soll Wolfgang Schäuble als CDU-Vorsitzender ersetzen? Weil es dafür keine überzeugende Lösung gibt, jedenfalls keine, auf die sich genügend Matadore der zweiten Reihe einigen könnten, hielt das Parteipräsidium den angeknockten Vormann neulich vom Rücktritt ab. Generalsekretärin Angela Merkel an vorderster Front. Diesmal zählt sie zu den Schweigern.

In den Spitzenrängen der CDU mischen sich Ratlosigkeit und Verbitterung. Wer Schäuble glaubt, dass er sich an das ominöse Treffen mit dem noch ominöseren Herrn Schreiber nicht erinnern kann, fragt zumindest wie der Schweriner Fraktionschef Eckhardt Rehberg, warum der Mann im Bund seinen Terminkalender nicht längst drei Mal überprüft hat. Nach seinen Fernsehinterviews schweigt auch Wolfgang Schäuble wieder. Klar hat er sich gegen seine einstige Schatzmeisterin Brigitte Baumeister positioniert, die sich inzwischen anders als er erinnert, wie die 100 000 Mark des Waffenhändlers zur CDU gekommen sind.

Beide wollen sie ihre Aussage im Untersuchungsausschuss des Bundestages beeiden. Dann soll notfalls der Staatsanwalt sprechen. Baumeisters Aussage ist für den 13. April terminiert - einen Tag nach dem CDU-Parteitag. Bis dahin soll die Glaubwürdigkeit des Vorsitzenden in Zweifel stehen? Kein Wunder, wenn sie vom Befreiungsschlag raunen.

Schäuble raunt auch. Von "Machenschaften", deren "Opfer" er sei. Ein bekannter Verschwörungsexperte springt ihm bei. Eine "groß angelegte strategische Intrige", wittert Heiner Geißler. 1989 war er von Helmut Kohl als CDU-Generalsekretär abgelöst worden, weil der damalige CDU-Chef ihn im Mittelpunkt einer Intrige gegen sich gewittert hatte.

"Schäuble hat innerparteiliche Gegner", formuliert Heiner Geißler ohne einen Namen zu nennen. Wohl war. An der Spitze Helmut Kohl. In den Kulissen wabert die Spekulation einer Kohl-Baumeister-Schreiber-Connection. Der früheren Schatzmeisterin werden Vermutungen nachgeworfen, deren Weiterverbreitung juristische Konsequenzen hätte. Nichts Genaues weiß man nicht. Bisher jedenfalls.

Kein Geheimnis ist es allerdings, dass Jürgen Rüttgers nicht als Freund Schäubles gilt. Ebenso wie Volker Rühe fürchtet der Nordrhein-Westfale um seine Wahlchancen, wenn die Hängepartei weitergeht und weitere Durchhänger zu erwarten sind. Bloß keine Sondersitzung, haben die Parteigranden nach Schäubles neuestem Geständnis gestöhnt. Aber telefoniert wird eifrig. Untereinander und mit anderen. Das jüngste Argument: Die Partei braucht jemanden, der den Kopf frei habe von der Vergangenheit. Besser lässt sich kaum gegen Schäuble argumentieren.

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