Politik : Warum nackt tabu ist

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Nacktheit, der sexuelle Charakter von Demütigungen in Gegenwart von Frauen und der Einsatz von Hunden zur Bedrohung der Gefangenen rühren in der muslimischen Welt an tief sitzende Tabus, die in westlichen Gesellschaften so nicht vorhanden sind. Daher haben die Bilder dieser Verbrechen in der arabischmuslimischen Welt eine besondere Wirkung.

Muslimische Gesellschaften sind im Umgang mit Moral, dem Verhältnis der Geschlechter zueinander und im Umgang mit dem menschlichen Körper extrem konservativ. Das ist zwar von Land zu Land unterschiedlich. Beispielsweise finden in Libanon Schönheitswettbewerbe statt, bei denen junge Mädchen im Bikini auf der Bühne stehen. Doch völlige Hüllenlosigkeit ist auch in diesen verwestlichten Kreisen nach wie vor ein Tabu. So tragen in der jordanischen Hauptstadt Amman im Dampfbad die Besucherinnen auch am Frauentag einen Badeanzug oder ein Gewand. In der Männerkabine im Sportclub wird in der Badehose geduscht.

Wenn arabische Kinder der Oberschicht bei Freunden übernachten, gehen die Kinder am Abend einzeln hinter verschlossener Tür baden oder sie tragen auch in der heimatlichen Badewanne eine Badehose. Um sich nicht nackt zu zeigen, behalten die Kinder unter dem Pyjama ihre Unterhose an. Vor diesem Hintergrund hat die Tatsache, dass Gefangene nackt festgehalten werden, bei den Muslimen einen besonderen Schock ausgelöst.

Auch der Einsatz von Hunden zur Bedrohung irakischer Gefangener hat eine besondere Bedeutung. Wenn die meisten Muslime eine fast irrational wirkende Angst vor Hunden haben, liegt das am religiösen Hintergrund. Die meisten Muslime sehen Hunde als „unreine“ Tiere an, wobei sie sich auf den Koran und die islamische Überlieferung stützen. Demnach ist ein Gebet ungültig, wenn sich in unmittelbarer Nähe ein Hund aufhält.

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