Politik : Warum wir schon wieder Weltmeister sind

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Deutschland ist dieser Tage wieder so richtig zum Wohlfühlen. Alles läuft blendend. Denn wir sind nicht nur Papst, sondern es klappt auch mit den Sekundärtugenden: Organisationstalent, Pünktlichkeit und Wille zum Export sind ausgeprägter denn je. Regelwerke wie die Gesundheitsreform oder Hartz IV gelten gewissermaßen als Sixtinische Kapelle des politischen Interessenausgleichs, unsere Kanzlerin profiliert sich als Ein-Frau-Krisengipfel von Weltgeltung – und erst die Sache mit den Weltmeisterschaften!

Es ist ja so, dass die Fußball-WM 2006 nach allgemeiner Auffassung die beste im Universum jemals dagewesene war. Und das nicht, weil sie auf altdeutsche Art knobelbecherhaft dahinorganisiert wurde, sondern wegen der, ja, südländischen Leichtigkeit, mit der die Präzisionsteile dieser Organisation knirscharm ineinandergriffen und vom Taumel der Begeisterung geschmiert wurden. Nun sagten viele, das sei im heißen Frühsommer 2006 auch kein Wunder gewesen. Aber mitten im Schneegestöber 2007 geht es schon wieder los: „Die beste Handball-WM überhaupt!“, schwärmt Hassan Mustafa, der Präsident des Internationalen Handballverbandes. Und er meint damit nicht nur die Tatsache, dass noch nie so viele Spiele auf einmal pünktlich an- und wieder abgepfiffen wurden, sondern vor allem die unerbittlich heiteren Zuschauer, die auch bei Krachern wie Trinidad gegen Tobago keinen Platz leer lassen. (Trinidad gegen Tobago, bitte, das war jetzt sinnbildlich gemeint.)

Sorry, Welt, da haben wir nun mal ein Händchen für. Sie können die Viererbob-WM nach Tuvalu vergeben oder die Tontauben-WM nach Gibraltar, das ist alles okay. Aber hinterher heißt es dann doch: Das hätten die Deutschen besser gekonnt, sie hätten mehr public viewing gehabt und dazu die Größe, nicht alles auch noch selber gewinnen zu wollen.

Der Titel ist also verdient: Weltmeister der Weltmeister. Fußball, Handball – die Menge geeigneter Sportarten ist begrenzt, aber das darf nun wirklich kein Argument sein. Denn dann organisieren wir eben neue Weltmeisterschaften, originäre, nie dagewesene. Einarmiges Hosenbügeln! Doppeldreier mit Steuermann! Chicoreeweitwurf! Ganz im Vertrauen: Auch die Papstwahl, von uns Deutschen südländisch leicht inszeniert mit Fanmeile, VIP-Catering und großflächigen WLAN-Hotspots, würde weltweite Maßstäbe setzen. Aber irgendwas muss ja den anderen Ländern auch noch bleiben.

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