Politik : Was Bilder sagen

Ein Foto, zwei Aussagen: Die offiziell zugelassenen Journalisten sind Teil der Truppe – und wie korrekt sie berichten können, ist nicht immer klar

Dagmar Rosenfeld

„US-Marines von der 15. Marine Expeditionary Unit versorgen im Süden Iraks einen irakischen Soldaten mit Wasser (Freitag, 21. 03. 2003). Rund 200 irakische Soldaten ergaben sich den US-Truppen nur eine Stunde, nachdem die Amerikaner vom Norden Kuwaits aus die Grenze überschritten hatten.“ Dieser Text war unter dem Foto zu lesen, das die Nachrichtenagentur AP am Freitagmorgen um 8 Uhr 40 herausgegeben hat. Aufgenommen worden ist das Bild von dem amerikanischen Fotografen Itsuo Inouye, der für die US-Zeitung „Orange County Register“ arbeitet. Auch der kurze Text ist von ihm verfasst worden.

Inouye ist gemeinsam mit der Truppe der 15. US-Marine-Einheit unterwegs. Und so ist er dabei gewesen, als die Marines am Freitag von Kuwait aus in den Irak einmarschiert sind. Dass der Fotograf die amerikanischen Soldaten in der Golfregion begleiten kann, ermöglicht das „Embedded“-Programm des US-Militärs. „Embedded“ heißt übersetzt „eingebettet“ oder „eingelassen“: Die Journalisten werden in die militärischen Einheiten integriert. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) betrachtet das US-Programm allerdings sehr kritisch. „Es besteht die Gefahr, dass letztendlich US-Truppenkommandeure über die Qualität der Meldungen und Berichte entscheiden“, erklärt der DJV-Vorsitzende Rolf Lautenbach. Deutlich gesprochen: Der DJV befürchtet eine Zensur.

Der Fotograf Itsuo Inouye selbst ist an diesem Freitag nicht zu erreichen, weil die Mobilfunkverbindung zum Irak immer wieder zusammenbricht. Aber der Chefredakteur der AP-Bildredaktion in Frankfurt am Main, Wolfram Steinberg, kann Auskunft geben. „Der Fotograf hat dieses Motiv ganz bewusst gewählt“, sagt er. Denn Inouye habe die Situation weder beschönigt noch dramatisiert, indem er sowohl den Soldaten mit dem Gewehr als auch den Soldaten mit dem Wasserbehälter abgelichtet hat. Dadurch sei die Botschaft des Bildes sehr ausgewogen.

Die Botschaft des Bildes – je nach gewähltem Ausschnitt kann diese eine völlig andere sein. Wird nur die rechte Hälfte der Fotografie gezeigt, dann ist ein Soldat zu sehen, der Hilfe leistet. Ein Soldat, der einen offenbar erschöpften Mann mit Wasser versorgt – ein Bild der Menschlichkeit in der Unmenschlichkeit des Krieges. Wenn aber nur die linke Fotohälfte abgebildet wird, entsteht ein ganz anderer Eindruck. Dann ist nämlich nur Gewalt zu sehen: Ein Soldat, der einem wehrlosen Mann eine Waffe an den Kopf hält.

„Bei wichtigen Ereignissen, wie zum Beispiel einem Krieg können wir nicht wählerisch sein“, sagt der Chef der AP-Bildredaktion. Denn es gebe nur wenige Bilder aus dem Irak. So sei das Foto mit den zwei US-Marines und dem irakischen Mann bisher das einzige Bild von einem irakischen Gefangenen, das direkt vor Ort aufgenommen worden ist. Alle anderen Bilder seien vom Fernsehbildschirm abfotografiert. Aber ganz egal wie rar oder einmalig ein Bild sei, „es liegt in der Verantwortung der Journalisten, alles zu zeigen – und nicht nur einen Ausschnitt“, sagt Steinberger.

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