Politik : Was bleibt

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Heiß heute. – Jau, heiß heute. – Machstn heute? – Hm. Tja. Weiß nicht so richtig. – Guck doch mal. – Jau, ich guck mal. Bis später. – Bis später.

Es gibt diese Sommertage, da liegt die Hitze über der Spree und die Ratlosigkeit in der Luft, und das sind dann die Tage, an denen sich derlei minimalistische Dialoge entspannen zwischen dem Redakteur und seinem Korrespondenten. Der Redakteur an seinem Redaktionsschreibtisch starrt auf ein weißes Blatt. Das soll mal eine Zeitungsseite werden. Der Theorie zum Trotz, dass immer genau so viel passiert wie in der Zeitung steht, passiert normalerweise noch viel mehr. Manchmal aber, wenn die Hitze über der Spree liegt, da passiert nix. Der Korrespondent in seinem Korrespondentenbüro und seiner Verzweiflung hat schon den Konfidenten X angerufen, der eigentlich immer noch eine nette kleine Sache aus dem Reichstagsklatsch in petto hat. Der Konfident X nimmt das Telefon nicht ab.

Aber vielleicht liegt das ja alles einfach nur daran, dass wir die falschen Prioritäten haben. Es passiert natürlich doch was. In Berg am Starnberger See zum Beispiel haben sich am Sonntag mehr als 100 eingeschworene Monarchisten in einschlägiger Tracht versammelt, um des Todestages des König Ludwig II. von Bayern zu gedenken. Jener, der „Kini“, ist 1886 an der fraglichen Stelle im See ertrunken, unter mysteriösen und skandalträchtigen Umständen. Daran also erinnert die Gedenkfeier, mit Jagdhornbläsern. Und das kann man doch ganz gut auch mal in der Zeitung vermelden. Das will keiner wissen? Das hat nichts mit Politik zu tun, weil mangels geeigneter Monarchen nicht mal in Bayern das Königtum auf eine Renaissance rechnen darf? Schon recht. Aber dem Ludwig II. halten nach mehr als 100 Jahren noch mehr als 100 Leute die Treue. Das den Schröders, Merkels, Stoibers, Bütikofers? Nee. Redakteure, vergesst Parteitage und Regierungserklärungen. Denkt mehr an das, was bleibt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar