Politik : Was geschah wirklich mit Soldatin Lynch? Dramatische Rettung

war laut „Times“ eine Erfindung

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Das war der Stoff, aus dem die amerikanischen Träume sind. Durch die Glasscheibe der Zimmertür beobachtete der irakische Anwalt Mohammed, wie im Krankenhaus von Nassirijah die USKriegsgefangene Jessica Lynch von einem schwarz gekleideten irakischen Agenten geschlagen wurde. „Mir brach das Herz“, erzählte er der „Washington Post“. Er schlich sich davon, informierte die amerikanischen Truppen vor der Stadt, die dann in einer spektakulären Hubschrauberaktion die verletzte Soldatin aus den Fängen der Schergen Saddams befreiten. Hollywood interessiert sich inzwischen für diesen Stoff. Der US-Fernsehsender NBC will die Geschichte der 19-Jährigen verfilmen lassen, Lynchs Schicksal sei wie der Krieg selbst, erklärte ein Sprecher, „lehrreich, heldenhaft, packend und spektakulär“.

Daraus wird wohl nichts. Denn die ganze Geschichte ist offenbar erfunden. Der Reporter Richard Lloyd Parry von der Londoner „Times“ hat die vier Ärzte des Krankenhauses befragt, die die US-Version als eine Geschichte aus „Sindbad dem Seefahrer“ bezeichneten. Dr. Harith al Houssona war gerade im Dienst, als irakische Geheimdienstoffiziere am 23. März die verletzte Soldatin ins Krankenhaus brachten. Als sie aus dem Koma erwachte, sei sie sehr ängstlich gewesen, erzählte er der Times. „Sie ist ein sehr einfacher Mensch, nicht sehr gebildet. Aber sie war sehr, sehr nett.“ Nachdem sich ihr Zustand gebessert habe, habe Harith einen Krankenwagenfahrer mit der Verletzten losgeschickt und ihm gesagt, er solle sie bei den US-Posten am Standrand abliefern. Doch die US-Soldaten feuerten auf den Wagen, so dass der Fahrer unverrichteter Dinge zurückkam. In der Nacht zum 2. April seien dann die US-Truppen gekommen, hätten die Klinik durchsucht, Ärzte und Patienten gefesselt und Lynch mitgenommen. Das kostbare Spezialbett, was die Ärzte für die Soldatin benutzt hatten, wurde aufgeschlitzt. Und der Krankenhauschef sei nach drei Tagen grün und blau geschlagen aus US-Gefangenschaft zurückgekommen. M.G.

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