Politik : Was macht die Welt?: Die Krisen helfen Bush, und Fischer darf nicht reisen?

George W. Bush,Al Gore liegen im Präsiden

George W. Bush und Al Gore liegen im Präsidentschaftswahlkampf gleichauf. Macht es einen Unterschied, wer gewinnt?

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Die Umfragen, die ich kenne, besagen, dass Bush seit der allerersten Debatte ein paar Punkte vor Gore liegt. Wir befinden uns inmitten eines jener legendären "October Surprises", die schon so manche Wahlvoraussage vermasselt hat. In diesem Fall gibt es gleich eine Doppel-Überraschung: den Absturz der Aktienmärkte und die weltgefährdende Zuspitzung im Nahen Osten. Die Erfahrung lehrt, dass Krisen in Wirtschaft und Weltpolitik für die Republikaner, also für Bush, arbeiten. Macht es einen Unterschied? Innenpolitisch auf jeden Fall: Gore steht für mehr, Bush für weniger Staat. In der Außenpolitik sind zumindest die rhetorischen Unterschiede klar. Gore redet eher dem Interventionismus das Wort, Bush eher der militärischen Zurückhaltung.

Europa möchte diplomatische Beziehungen zu Nordkorea aufnehmen, um dessen Annäherung an Südkorea zu fördern. Warum hält sich Washington zurück?

Madeleine Albright, die US-Außenministerin ist am Sonntag nach Nordkorea gereist, um den "historischen Besuch" von Bill Clinton im November vorzubereiten. Dieses Tauwetter sowie der Gipfel der beiden Koreas im Juni haben den Weg für London und Berlin bereitet, die gerade die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Pjöngjang anvisieren. Rom hat diesen Schritt schon getan. Warum dieser Drang nach Norden? Niemand will, dass Nordkorea zusammenbricht und im Todeskampf einen Krieg gegen den Süden anzettelt. Am meisten will Südkorea den Norden stabilisieren - weil Seoul sich sehr genau die Kosten der deutschen Wiedervereinigung angesehen hat. Fazit: Eile mit Weile.

Wim Duisenberg, der Präsident der Europäischen Zentralbank, will sich bessern. Warum ist jedermann so sauer auf ihn?

Zentralbanker, das ist die Goldene Regel, haben sich nicht darüber auszulassen, unter welchen Bedingungen sie im Geldmarkt zu intervenieren bzw. nichts zu tun gedenken. Prompt rutschte der Euro auf einen historischen Tiefstand. Bei indiskreten Fragen dürfen sie allenfalls wie Greenspan der Große die Augenbraue heben, was auch die kühnsten Spekulanten weiterrätseln lässt. Duisenberg dürfte sich nicht einmal durch den wilden Haarschopf fahren - das wäre schon ein Zeichen der Nervosität, ein Signal zur Flucht aus dem Euro. Da er redselig ist, wird man ihn spätestens 2002 ablösen, wenn er ohnehin zur Pensionierung ansteht.

Ein Wort zum Außenminister... .

Fischer hätte eigentlich am Wochenende zusammen mit Schröder den Nahen Osten bereisen sollen. Aber die PR-Profis des Kanzlers waren dagegen. Die mitreisenden Journalisten hätten sich dann zu ausgiebig mit dem Verhältnis der beiden Matadore beschäftigt, statt sich auf den Einen und Einzigen zu konzentrieren.

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