Politik : Was macht die Welt?: Gewaltbereitschaft, flotte Viren und Wahnsinn mit Methode

Wenn die amerikanische Wirtschaft hustet[dann kri]

Wenn die amerikanische Wirtschaft hustet, dann kriegt die europäische Lungenentzündung, heißt es. Zieht die US-Rezession die hiesige Konjunktur mit in den Abgrund?

Welche Rezession? Die wird in den USA so definiert, dass die Wirtschaft zwei aufeinanderfolgende Quartale schrumpfen muss. Tatsächlich wächst sie noch mit einer Rate von über einem Prozent. Interessanter noch: Das Jobwachstum ist zurzeit mit 35 000 pro Woche höher als in der Clinton-Ära. Tatsächlich erleben wir in den Vereinigten Staaten gegenwärtig, was noch keine Regierung je getan hat: Die Bushies ignorieren die günstigen Zahlen, damit sie umso besser eine Rezession herbeireden können. Und warum? Weil George W. Bush unbedingt seine Steuersenkung (1,6 Milliarden Dollar) durch einen nach wie vor skeptischen Kongress bringen will. Der Wahnsinn hat also politische Methode.

Die EU sucht Beschäftigung. Auch beim Gipfel in Stockholm diskutiert sie wieder, was sie gegen Arbeitslosigkeit tun kann. Hat das schon mal was gebracht, kann es in Zukunft etwas bringen?

Die Fragen beantworten sich von selbst: mit "Nein" in beiden Fällen. Beschäftigung kann weder durch Beschwörungen noch Kommuniques oder erhöhte Staatsausgaben geschaffen werden. Erstens verbietet der vielzitierte Stabilitätspakt die kräftige Schuldenmacherei, und zweitens würde so höchstens ein Strohfeuer entfacht werden. Wer vom 10-Prozent-Sockel herunter will, muss die Arbeitsmärkte flexibilisieren. Das traut sich keine EU-Regierung, außer vielleicht der britischen. Die deutsche jedenfalls nicht.

Die Maul- und Klauenseuche hat sich im Handumdrehen globalisiert. Ist das eine Warnung, die ökonomische Globalisierung nicht in jedem Bereich weiter voranzutreiben?

Die Maul- und Klauenseuche ist eine alte Geißel, die schon Jahrhunderte vor der Globalisierung die Welt terrorisierte. Wer sie eindämmen will, muss auf jegliche Art von Handel verzichten, also auch innerhalb eines Landes. Am besten die Kuh noch auf der Weide schlachten und dort gleich verzehren; dann kann das Virus, das die Maul-und-Klauenseuche auslöst, nicht mehr so flott reisen. Stattdessen haben wir überall in Europa Zentralschlachthöfe dekretiert, die lange Transporte erfordern. Das hat mit Ökonomisierung, nicht mit Globalisierung zu tun. Wer auf Effizienz und niedrige Preise verzichten will, kann dem Virus der Maul- und Klauenseuche das Leben ziemlich schwer machen.

Ein Wort zum deutschen Außenminister ...

Der war am Wochende in Mazedonien, um in diesem Land Solidarität gegen die albanischen Freischärler zu demonstrieren. Das ist eine gute Nachricht. Die zweite ist, dass Moskau der Nato ebenfalls Solidarität auf dem Balkan offeriert. Die dritte ist, dass die Amerikaner (die eben noch mit dem Abzug ihrer Truppen vom Balkan drohten) bei den ersten Feuergefechten ihren Kopf hingehalten haben. Fazit: Wenn USA, EU und Russland zusammenhalten und Gewaltbereitschaft zeigen, könnte das die Provokateure heftig ernüchtern.

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