Was macht die Welt? : Gute Nachrichten für die Kanzlerin

"Zeit"-Herausgeber-Josef Joffe spricht über Angela Merkels Rivalen in der CDU, die Stärke der Opposition und den Außenminister.

Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".
Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".Foto: promo

Heute ausnahmsweise, weil’s so spannend war, mal nur zu Deutschland. Wie stark/schwach ist Angela Merkel nach der Wulff-Wahl?

Die gute Nachricht für sie: Deutsche Kanzler sind fast so schwer zu stürzen wie ein amerikanischer Präsident. Wenn, dann auf hinterrückem Wege durch die eigene Partei – so wie Erhard (CDU) und Schmidt (SPD). Die zweite gute Nachricht: Wer in der Union soll Merkel stürzen? Auf wundersamem Wege sind all ihre Rivalen verschwunden: Merz, Koch, Rüttgers, Wulff – und Schäuble hat keine Ambitionen mehr. Die schlechte: Merkel/Guido W. sind in den Umfragen beim absoluten Nullpunkt und psychologisch noch darunter (wenn’s das gäbe). Dennoch: Siehe die zwei guten Nachrichten, plus: Gewählt wird erst 2013. Wer so weit unten liegt, kann nur noch aufsteigen – wie übrigens die deutsche Wirtschaft mit ihrem Sonderboom.

Wie stark/schwach ist die Opposition nach der Wulff-Wahl?
Rot, Grün und Ganz-Rot haben in den Umfragen die absolute Mehrheit. Indes ist der Gauck-Bonus schon verschwunden; alle Welt liebt nun den Wulff, und wie das Verhalten der Linken in dieser Wahl zeigt, sind diese DDR-Verklärer nicht regierungsfähig. Die Umfragen-Mehrheit ist also keine, und die präsumtive Kanzlerpartei, die SPD, rührt sich in der Wählergunst mit derzeit 27 Prozent kaum vom Fleck. Sie kann nur hoffen, Merkel in den Ländern mürbe zu schießen – z. B., indem sie der CDU 2011 in Stuttgart eine große Koalition aufzwingt, wenn die FDP in ihrem Stammland aus dem Parlament fliegt.

Soll die Wehrpflicht abgeschafft werden?
Das ist sie doch schon de facto. Wir haben ein winziges Biotop von Gezogenen, das von einem Heer von Freiwilligen eingeschlossen ist. Die Wehrpflicht ist ein unnötiges Alibi, eine Art Gottsei-bei-uns-Ritual mit Blick auf Weimar, wo das Berufsheer keine Säule der Demokratie war. Die Wehrmacht als Werkzeug Hitlers war übrigens eine Wehrpflicht-Armee. Die Bundeswehr ist keine Bedrohung des Staates, und mit ihrer winzigen Kampfkomponente von vielleicht 10 000 auch keine für andere Staaten. Hören wir auf mit der Mimikry der Wehrpflicht. Lieber 30 000 weniger und dafür mehr Einsatzfähigkeit.

Ein Wort zum deutschen Außenminister ...
Einen ersten Schritt aus dem Tal der Koalitionsdepression könnte Guido W. tun, indem er seinen Tagesjob, den des Außenministers, fleißig und frohgemut ausfüllt. Ein AM muss nichts Unverträgliches tun; er ist sozusagen der Bundespräsident des Kabinetts. Wie dieser hat er viele Fototermine, kann er Deutschland in der großen Welt vertreten und damit den Respekt einheimsen, den das Land nicht erst seit Jogi Löw genießt, der nun auch Maradona vom Platz gejagt hat.

Fragen: Malte Lehming

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