Politik : Was macht die Welt?: Spione, Potentaten, Castor- und Albanerkriege

Die USA,Russland weisen gegenseitig Diplomaten

Die USA und Russland weisen gegenseitig Diplomaten aus. Ein Rückfall in den Kalten Krieg?

Die Amerikaner hätten nicht 50 Russen, sondern 50 FBI-Agenten ausweisen müssen. Denn der FBI, für die Spionageabwehr zuständig, hat sich im Falle des Robert Hanssen, der seit 1985 (!) für Moskau spionierte, als Kindergarten enttarnt. Hanssen hat wohl so viel Schaden angerichtet wie CIA-Mann Aldrich Ames (verhaftet 1996), der praktisch das gesamte US-Spionagenetz in Russland auffliegen ließ. Freilich haben die Russen die Zahl ihrer Spione in den USA seit Mitte der 90er verdoppelt; also war dies eine gute Gelegenheit für einen Warnschuss. Kalter Krieg? Kaum. Ausweisungen und Gegen-Ausweisungen sind keine Kriegserklärung, sondern Maßnahmen zur Personalauffrischung.

Die Arabische Liga wird sich beim morgigen Gipfel in Amman hinter Palästinenserführer Arafat stellen. Israels Premier Scharon aber gibt ihm die Schuld am Kollaps des Friedensprozesses. Ist Arafat unersetzlich?

Nein, auch dieser alte Herr ist sterblich. Aber arabische Potentaten haben ein langes politisches Leben, weil die Nachfolge in autoritären Systemen so unberechenbar, mithin krisenträchtig ist. Assad senior (Syrien) oder König Hussein (Jordanien) herrschten so lange, wie sie lebten. Gleiches wird für Mubarak (Ägypten), Saddam (Irak) und Arafat gelten. Zum Letzteren gibt es also keine Alternative, und deshalb stellt sich die Liga hinter ihn. Scharon weiß das und wird auch mit Arafat weiter verhandeln, wenn dieser die Gewalt im eigenen Lager bremst. Für Arafat aber stellt sich immer drängender die Frage, wie er sein Leben beschließen will: als Staatsgründer oder als Ewig-Revolutionär, der als Versager in die Geschichte eingeht.

Der Westen ist sich uneins darüber, wie er auf den Kleinkrieg in Mazedonien reagieren soll: Truppen verstärken oder nicht? Wird er zu separaten nationalen Balkan-Politiken zurückkehren?

Der Westen ist sich heute einiger als Anfang der 90er Jahre, als Paris und London sich den Serben und die Deutschen sich Slowenen und Kroaten zuneigten, derweil die Amerikaner von einer "hands off"-Politik träumten. Immerhin spekuliert man in Washington nicht mehr über den Balkan-Abzug, immerhin verstärkt der verarmte Scharping das deutsche Kontingent mit Fallschirmjägern. Man muss sich allerdings fragen, warum der Nato die Angst in die Knochen gefahren ist. Ein Bündnis, das die mächtige Sowjetunion abschrecken konnte, müsste doch allein kraft seiner Präsenz einen Haufen albanischer Möchtegern-Imperialisten beeindrucken können.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Man gönnt Schröder den Ausflug nach Washington in dieser Woche. Er braucht ein wenig Erholung vom Castor-Krieg (für den der Bund 20 000 Polizisten aufbietet, gerade mal 15 000 weniger als die KFOR im Kosovo). Er braucht eine Pause im Umgang mit Bürgerschreck Trittin - sei es vor oder nach dessen Entlassung aus dem Kabinett. In Washington aber wird Schröder es mit lauter Erwachsenen zu tun haben; das muss ein erfreulicher Ausblick für ihn sein.

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