Politik : Was macht die Welt?

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In Japan und Südkorea spielt der Kontinent von gestern (Europa) gegen die Kontinente von morgen (Asien und Afrika). Sind die schon stark genug für das Finale?

Okay, Senegal hat das Eröffnungsspiel 1:0 gegen Frankreich gewonnen. Aber daran den Aufstieg Afrikas und den Abstieg Europas ablesen? In der senegalesischen Mannschaft spielen hauptsächlich Senegalesen, die sonst in der französischen Liga den Rasen zertrampeln. In der französischen spielen vorweg Franzosen (wie Zidane), die sonst im Ausland kicken. Es haben sozusagen Franzosen gegen Franzosen gewonnen. Die Japaner und Koreaner, die liegen in der Weltrangliste (zusammen mit China) etwa auf dem 30. Platz. Grundsätzlich aber kann man an Länderspielen überhaupt nix ablesen, weil allein der Begriff „Nationalmannschaft“ absurd ist angesichts eines total globalisierten Spiels, wo die Cracks weltweit gehandelt werden und dort kicken, wo es die besten Gagen gibt. Wir sollten der Realität ins Auge sehen und den Passzwang für Nationalspieler aufheben.

Die Queen feiert ihr 50. Thronjubiläum. Wozu braucht man heute noch Monarchien?

Monarchien sind wunderbar. Da Monarchen nicht gewählt werden, ersparen sie ihrem Land den Kuhhandel („jetzt sind in D die Sozen dran“), der in Demokratien die Regel ist. Weil sich Könige und Queens nicht profilieren müssen (das haben sie schon mit ihrer Geburt getan), halten sie auch keine klischeebeladenen Reden, etwa zum Thema Globalisierung. Außerdem „ist jede Monarchie ein national brand“, eine Edelmarke, die sich rings um die Welt sehr profitabel für das Land platzieren lässt. Schließlich – siehe auch das Thronjubiläum von Elizabeth II. – verkörpern Königinnen eine Kontinuität, die Demokratien mit ihren 4-Jahres-Zyklen nicht hinkriegen können. „God save the Queen.“

Nach dem Präsidenten wählt Frankreich ein Parlament. Was spricht für die Kohabitation?

Kohabitation heißt „geschlampertes Verhältnis“. Man sollte es sowohl im Persönlichen als auch im Politischen vermeiden. Ein rechter Präsident, eine linke Parlamentsmehrheit, das ist wie ein Hund und ein Hammel im selben Gespann: Der eine bellt, der andere blökt. Blockaden entstehen, Verantwortung wird verschlampt. Besser sind klare Mehrheitsverhältnisse, die dem Wähler erlauben, Unfähigkeit präzise zu lokalisieren und abzustrafen.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Die deutsche Außenpolitik (oder Außenrepräsentation) ist durch den M-Faktor (M wie Möllemann) ins Zwielicht geraten. Die FDP bedauert „Missverständnisse“. Doch hat sie sich weder von M. noch der sich von sich selbst dezidiert distanziert. Der Antisemitismusstreit wird weiterschwelen; möglich auch, dass die FDP nun versucht, andere rechtspopulistische Saiten (Europa?) anzuzupfen. In diesem Fall bliebe die FDP, die traditionsgemäß den Außenminister stellt, eine Belastung für die deutsche Diplomatie so wie für ihren Machtpartner, die Union. Und in Wahrheit nicht regierungsfähig. Das hat nichts mit Tabupflege zu tun, sondern mit deutscher Staatsräson.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Fragen: cvm

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