Politik : Was macht die Welt?

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Man sagt, Sport verbinde die Völker. Auch der Fußball?

Gerade der Fußball, denn das Spiel ist ein Geschenk Gottes. Warum? Es ist ein erbauliches Erlebnis der religiösen wie der nationalen Art, aber ohne die eifernde Selbstgerechtigkeit, Blutrunst und Überhebung, die so manche Religion, so manchen Nationalismus im Laufe der Geschichte ausgezeichnet hat.Religiös: Da sind die Letzten die Ersten, da werden die Großen gefällt und die Kleinen (die K-Länder) erhoben. Das schärft die christliche Tugend der Bescheidenheit. Und Fußball erlaubt meistens (Ausnahme: gestern in Moskau) den nationalen Rausch ohne hässliche Nebenwirkungen wie Fremdenhass, Krieg und Eroberung. Gott sei Dank.Andererseits: Zum Schluss wird doch wieder eine europäische oder lateirikanische Fußballgroßmacht die Erste.

In dieser Woche beginnt in Afghanistan die Loya Dschirga, eine Art Verfassung gebende Versammlung. Kann sie das Land zu so etwas wie Demokratie führen?

Fragen wir erst, ob die Loya Dschirga dem Land so etwas wie Stabilität schenken kann. Eigentlich gibt es keinen anderen Weg als ein Kräftegleichgewicht der Stammesherrschaft, ist doch Afghanistan keine Nation, sondern ein Gemenge von vier „Nationen“: den Paschtunen, Tadschiken, Hazara und Usbeken (plus Turkmenen etc.) Es ist gut möglich, dass die Loya Dschirga ein solches Gleichgewicht ratifiziert. Doch steigen die Chancen, wenn die westlichen Truppen im Lande bleiben. Das erhöht den RQ, den Realismus-Quotienten, all jener, die traditionsgemäß ihren Streit lieber mit Waffen ausfechten.

In der vergangenen Woche hat es wieder besonders schlimme Selbstmordattentate in Israel gegeben. Wird Scharon das israelische Kernland davor schützen können?

Die Palästinenser haben noch nicht begriffen, dass der Krieg eine neue Phase erreicht hat. Jede neue Terrorattacke verlängert die Distanz zu einem Palästinenserstaat, denn sie provoziert jene Einmärsche, die das Westjordanland praktisch wieder zu einer besetzten Zone gemacht haben. Im Rein und Raus der Armee zerfallen Wirtschaft und staatliche Strukturen, bröckelt auch die Statur Arafats. Diese Dynamik ist tödlicher für Palästina und seine Führung als es die Terroropfer für den Staat Israel sind. Es kann sein, dass Arafat den größten Fehler seiner Karriere gemacht hat, als er zur Terrorwaffe griff.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Das Volk, zumindest der Teil, der sich in den Meinungsfragen artikuliert, findet die deutsche Außenpolitik gut, auf jeden Fall aber den deutschen Außenminister. Joschka Fischer hat wieder die besten Noten bekommen; er ist in der Beliebtheitsskala von 78 auf 81 Prozent gestiegen. Damit liegt er unangefochten an der Spitze. Jetzt muss er es nur noch schaffen, einen Teil dieser Punkte auf die Grünen zu übertragen. Dann wird Möllemann nie und nimmer Außenminister. Seine fortwährenden Ausbrüche, jetzt gegen die alte FDP-Führung, machen „Mr. 18 Prozent“ zum Sicherheitsrisiko – und reduzieren Guido W. tatsächlich zum Spaßfaktor.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Fragen: bul.

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