Politik : Was macht die Welt?

NAME

Israel baut einen Schutzzaun zu den palästinensischen Autonomiegebieten. Der erste Schritt zur Aufgabe der Siedlungen dort?

Mag sein, ist aber (noch) nicht wahrscheinlich. Der Zaun soll ja nur „one-way" funktionieren, also die Infiltration der Bomben auf zwei Beinen verhindern. Das heißt allerdings nicht, dass die Israelis den Schlüssel zu den Zauntoren wegschmeißen. Denn: Solange die Selbstmordbomber kommen, wird die israelische Armee nicht ihre Vorstöße auf die Westbank einstellen – nicht nur um die Terrorinfrastruktur zu zerstören, sondern auch um Arafat zu signalisieren, dass Terror nicht der Weg zum eigenen Staat ist.

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten beraten beim Gipfel in Sevilla über eine gemeinsame Zuwanderungspolitik. Eine Antwort auf das Erstarken der Rechtspopulisten?

Eine gemeinsame Einwanderungspolitik muss sein, so oder so, weil die EU ein gemeinsamer politischer Raum ist. Doch Rechtspopulismus hin oder her, muss sich die EU-Politik an den Kriterien Auswahl und Assimilation ausrichten. Selbst klassische Einwanderungsländer wie Amerika oder Australien suchen sich aus, wen sie aufnehmen wollen. Und sie forcieren die Integration, damit Multikulturalismus nicht zum „Multi-ismus" verkommt, zur Selbstabgrenzung. Dies aus gutem Grund: Wer die Sprache und kulturellen Techniken seiner neuen Heimat nicht beherrscht, wird nicht reüssieren – und so zum Problem für sich selbst und die Gesellschaft werden. Ein Blick auf Deutschland zeigt: Es darf der dritten Generation nicht schlechter gehen als der ersten.

Afghanistans Präsident Karsai stammt aus dem größten Volk, den Paschtunen, betreibt aber die Politik der kleineren Völker der Nordallianz. Warum?

Ist doch klar: um ein Gegengewicht zu den Großgruppen her- und sich gleichzeitig als Präsident aller Afghanen darzustellen. Würden die Paschtunen die gesamte Macht an sich reißen, wäre das klassische Desaster Afghanistans wieder programmiert: der Kampf aller gegen alle unter Hinzuziehung äußerer Schutzmächte. Der Westen muss ihm nicht nur Glück wünschen, sondern ihn auch bei seiner Einbindungspolitik unterstützen.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Es ist an der Zeit, den vernachlässigten Zusammenhang zwischen Fußball und deutscher Außenpolitik zu beleuchten. Bekanntlich gewann das deutsche Team 1954 in Bern die Weltmeisterschaft. Das war der Beginn des westdeutschen Aufstiegs. Noch im selben Jahr wurde der Verlierer des Weltkriegs in die Nato, in die westliche Allianz aufgenommen; drei Jahre später war die Bundesrepublik Mitglied der EWG, der Vorläuferin der Europäischen Union. Mithin stand beim 1:0 gegen Paraguay viel mehr auf dem Spiel als Rudi Völler. Erst wenn wir im Endspiel sind, kann Joschka Fischer wieder mit dem gesamten Gewicht dieses Landes auf der Weltbühne auftreten. „Was macht die Welt?" tippt auf ein Endspiel Deutschland gegen England. Oder gegen Brasilien. Oder gegen Senegal. Und wenn D vorher rausfliegt? Too bad for Joschka. Und für Rot-Grün.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Fragen: cvm

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben